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Kurzer Rückblick auf den hiesigen Maoismus (3)

Oft werden die Pariser Mai-Unruhen als Höhepunkt der studentischen Bewegung angesehen, so daß man mit Blick darauf von den „Achtundsechzigern“ spricht, doch eigentlich bildete das Jahr 1967 den Zenit, die Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien mit dem Tod des Studenten Benno Ohnesorg*, der von einem West-Berliner Polizisten mit Verbindungen zur Ost-Berliner Staatssicherheit – vielleicht in deren Auftrag – erschossen wurde. Im April 1968, am Gründonnerstag jenes Jahres, verlor die Studentenbewegung in der BRD hingegen durch ein Attentat ihre wichtigste Führungsperson, den Soziologie-Doktoranden Rudi Dutschke**; der es zwar überlebte, jedoch so schwer verletzt wurde, daß er die frühere Wirksamkeit hernach nicht fortzusetzen vermochte und bereits 1979 verstarb. Diesen Beitrag weiterlesen »

Gedankensplitter (18. Aug. 2016)

„Zivilgesellschaft“ ist ein seit 1989 immer häufiger gebrauchtes Wort, das früher gar nicht geläufig war. Es entstammt dem Bereich der Sozialwissenschaften, verbreitete sich jedoch über Fachkreise hinaus und wird gegenwärtig gern von Politikern benutzt; schon deshalb ist es geboten, sich darüber Klarheit zu verschaffen, was denn mit „Zivilgesellschaft“ gemeint ist. – Auf der Netz-Seite der United Nations (UN) wird das englischsprachige Pendant des Begriffes „Zivilgesellschaft“ folgendermaßen definiert: „Civil society is the ,third sector‘ of society, along with government and business. It comprises civil society organizations and non-governmental organizations.” [Die] Zivilgesellschaft ist der „dritte Sektor” der Gesellschaft neben Staat und Wirtschaft. Sie umfaßt zivilgesellschaftliche Organisationen und nicht-staatliche Organisationen.* Weiter heißt es dort: „The UN recognizes the importance of partnering with civil society, because it advances the Organization’s ideals, and helps support its work.” Die UN erkennen die Bedeutung der Verpartnerung mit [der] Zivilgesellschaft an, da sie (sc. die Verpartnerung) die [Verwirklichung der] Ideale der [UN-]Organisation voranbringt und den Rückhalt ihrer Tätigkeit [zu stärken] hilft. Diesen Beitrag weiterlesen »

Kurzer Rückblick auf den hiesigen Maoismus (2)

Nun endlich die Fortsetzung des ersten Teiles. – In der bundesdeutschen Studentenbewegung – vor allem des Jahres 1967 – waren noch alle später auseinanderdriftenden Strömungen vereint; 1968 begann deren Aufspaltung in die Anhänger der Alten Linken, die maoistischen K-Gruppen und die undogmatische Linke sowie unpolitische Aussteiger. – Im gesamten Westen gab es während der zweiten Hälfte der sechziger Jahre Demonstrationen von Studenten gegen den us-amerikanischen Vietnamkrieg (1964 – 1973) und daneben die Forderung nach sexueller Freizügigkeit sowie Abwendung von aller überlieferten Kultur; dahinter standen als Theoretiker vor allem Fanon* und – als Repräsentant der Frankfurter Schule – Marcuse**, wobei Fanon die sich befreienden Kolonialvölker, ins Besondere das dortige „lumpen-prolétariat“, zum revolutionären Subjekt erklärte, während Marcuse – offenbar daran anknüpfend – das heimische Lumpenproletariat, alle Arbeitslosen, Arbeitsunfähigen sowie die Angehörigen [nicht-weißer] Völkerschaften im Lande, als revolutionäres Subjekt verstand, dem nur noch [von Studenten] das richtige Bewußtsein zu vermitteln war, auf daß es das bestehende System von innen her zerstöre und eine repressionsfreie Gesellschaft ermögliche. Diesen Beitrag weiterlesen »

Gedankensplitter (1. Aug. 2016)

Zwar unterbrach die Kanzlerin ihre Sommerfrische nicht sogleich wegen des blutigen Wochenendes vom 22. bis zum 24. Juli, an dem die Konsequenzen ihrer Politik deutlich vor Augen geführt wurden, doch sie zog eine Pressekonferenz auf den 28. Juli vor, wo sie dann Stellung nahm auch zu diesen Ereignissen. – Wie nicht anders zu erwarten bestanden Merkels Ausführungen aus einer langen Reihe bekannter Phrasen; einen Eindruck davon vermitteln die während der Pressekonferenz fortlaufend veröffentlichten Notizen einer Foristin auf Politically Incorrect, hier wiedergegeben sind in gekürzter und geraffter Form: Diesen Beitrag weiterlesen »

Aktuelle Notiz (23. Juli 2016)

Es scheint spürbare Erleichterung die Meldung der Nachricht zu beschwingen: Es handelte sich bei den Münchner Morden vom Vortag nicht um einen islamis[tis]chen Terrorakt*, sondern – wenn schon nicht um einen rechtsradikalen Anschlag, so doch nur – um einen Amoklauf! Die Ermordeten sind zwar nicht weniger tot, aber es handelte sich nicht um die Terrortat eines verwirrten Gläubigen, sondern um die Tat eines um so Verwirrteren, wie sie sich schließlich allerorts und zu jeder Zeit einmal ereignen kann. – Ist es aber nicht unübersehbar, daß die Entwurzelung des Menschen im Zeichen des Globalismus immer mehr Attentate und Amokläufe hervorbringt? Eine Bluttat, die früher, in geordneten gesellschaftlichen Verhältnissen, jahre- oder jahrzehntelang die Gemüter beschäftigt hätte, gehört heute zum Alltag und wird schon bald durch neue Greuel aus dem Bewußtsein verdrängt: Jetzt ein Amokläufer, der neun Menschen mit sich in den Tod reißt und noch viel mehr verwundet; im vergangenen Jahr ein Pilot, der ein vollbesetztes Passagierflugzeug zum Absturz brachte, den niemand an Bord überlebte. Diesen Beitrag weiterlesen »

Herausforderung

von virOblationis

Der jüngste Anschlag in Frankreich mit offenbar „islamistischem Hintergrund“ wurde gewiß nicht zufällig am französischen Nationalfeiertag durchgeführt, sondern damit das Land dadurch um so nachhaltiger erschüttert werde.  – Nebenbei gesagt zeigt dieser Anschlag mittels eines Lastwagens auch, wie wenig wirksam die bloße Forderung nach Verschärfung des Waffenrechtes ist, die US-Präsident Obama nach dem verheerenden Anschlag von Orlando durch einen mohammedanischen Einzeltäter wieder einmal erhob. – Der Anschlag von Nizza am gestrigen 14. Juli zielte auf die Grundlage der Französischen Republik, die letztlich auf die Französische Revolution zurückzuführen ist, die – neben dem us-amirkanischen Unabhängigkeitskrieg – am Beginn der Moderne steht. Diese betreibt die Trennung von Staat und Religion, erklärt die Religion zur Privatsache, doch vermochte sie ihr Konzept anscheinend nur innerhalb eines sich saecularisierenden Christentums zu verwirklichen, nicht bei den zahlreichen Vertretern des Islam, dessen regelmäßig erfolgenden gewalttätigen Ausbrüche zum „Islamismus“ erklärt werden, wobei man für den Terror vorzugsweise verwirrte Einzeltäter verantwortlich macht.

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Aktuelle Notiz (8. Juli 2016)

Der mörderische Alltag des Multikulturalismus in den USA könnte allmählich in einen offenen Bürgerkrieg übergehen; zumindest die „New York Post“ bezeichnete die Polizistenmorde von Dallas als „civil war“, was allerdings auch kritisiert wurde.

Zuvor war immer wieder über zwei von US-Polizisten erschossene Schwarze berichtet worden, und es gab zahlreiche Protestdemonstrationen deswegen; „Black life matters“ nennt sich eine seit geraumer Zeit aktive anti-racistische Bewegung. – Während einer solchen Demonstration wurden gestern in Dallas (Texas), von Heckenschützen fünf Polizisten erschossen und noch mehr – z.T. schwer – verletzt. Diesen Beitrag weiterlesen »

Die Entstehung der anti-racistischen Ideologie (letzter Teil)

Fanons „Verdammte dieser Erde“ fand rasch weite Verbreitung während der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts, vor allem in studentischen Kreisen, die sich ebenso wie manche Dozenten – vor allem angesichts des Vietnamkrieges (1957 – 1975)* – für den anti-kolonialistischen Befreiungskampf begeisterten. – Als Leitfaden für die mörderische Praxis in Kambodscha diente 1975 bis 1979 gewiß zuvörderst der Maoismus, aber möglicherweise auch Fanons Auffassung von der nicht allein [sadistisch-]lustvollen, sondern ebenso befreiend-reinigenden Wirkung der Gewaltanwendung durch die Kolonisierten.** Die Roten Khmer kamen 1975 im Zuge des Vietnamkrieges, der auch Laos und Kambodscha erfaßt hatte, an die Macht, und innerhalb von nicht einmal vier Jahren rotteten sie einen beträchtlichen Teil des eigenen Volkes aus; schon wer beispielsweise eine Brille trug, war verdächtig, ein Intellektueller zu sein, und damit dem Tode geweiht. Daneben sollten vor allem Kaufleute und buddhistische Mönche umgebracht werden, Fremdstämmige sowie Angehörige des früheren Regimes samt deren Soldaten. Geld, Privateigentum und Bücher wurden abgeschafft, die Religion verboten; gemeinschaftliches Wohnen einschließlich gemeinsamer Mahlzeiten und Einheitskleidung erzwungen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Gedankensplitter (30. Juni 2016)

Ja, die Wahlbürger Großbritanniens haben mehrheitlich für einen Brexit gestimmt, doch ob der jemals Realität wird? Zumindest in Brüssel denkt man es sich anscheinend folgendermaßen: Einige Monate verstreichen, dann beginnen mehrjährige Austrittsverhandlungen – und zu ergänzen wäre: Über das Ergebnis könnte dann ja wieder abgestimmt werden, und sollte es keine Zustimmung geben, wären die vorangegangenen Austrittsverhandlungen zu annullieren. Diesen Beitrag weiterlesen »

Die Entstehung der anti-racistischen Ideologie (12)

Fanons erstes Buch reißt einen unüberbrückbaren Graben zwischen Schwarz und Weiß auf. Daran knüpft sein letztes und bekanntestes Werk, „Die Verdammten dieser Erde (1961)“* an. Kolonialherr und Kolonisierter samt deren Lebenswelten werden als vollkommene Gegensätze dargestellt [und diese racisch verstanden]. Fanon selbst gebraucht dazu das Subjekt Manichäismus und auch das Adjektiv manichäisch, „manichéisme“ und „manichéiste“,** und zwar in primär racischem Sinne, der danach auf die Kultur ausgedehnt wird. Die [weißen] Siedler seien solchem Manichäismus von Beginn an gefolgt, mit dem Aufstand jedoch sei er auch der Gegenseite bewußt geworden: „Le peuple, qui au début de la lutte avait adopté le manichéisme primitif du colon: les Blancs et les Noirs, les Arabes et les Roumis, …“*** Das [nicht-weiße] Volk, das zu Beginn des Kampfes den vom Siedler ursprünglich[ vertreten]en Manichäismus angenommen hat: die Weißen und die Schwarzen, die Araber und die Christen… – Das Christentum ist eine Religion ausschließlich der Weißen, also der Kolonialherren. Der Kontakt zwischen Kolonisatoren und Kolonisierten besteht einzig in Gewalt (durch Polizei und Militär). Die überbordende Aggressivität und Kriminalität der Kolonisierten ist allein Folge der Kolonialisierung. Denn die Kolonisierung war immer ein gewaltsamer Vorgang, und so ist es die Dekolonialisierung ebenfalls; eigentlich schlußfolgert Fanon, daß die Kolonisierung ein gewaltsamer Vorgang gewesen ist, denn die Dekolonialisierung sei es ja schließlich auch, und sie müsse doch eine gleichförmige Reaktion auf das zuvor Geschehene sein. Statt Politik und damit in der Konsequenz auch den Krieg als Durchsetzung von Interessen zu begreifen, verstrickt sich Fanon in den Schlingen seines eigenen Ressentiments.

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