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Mein lieber Ted

Der Sender Pro-Sieben führte anlässlich der Bundespräsidentenwahl eine  Ted-Umfage durch. Erstens bringt es Geld, zweitens wird damit eine Art Wahl-Surrogat für den nicht-wahlberechtigten Bürger dargereicht. Das Ergebnis um 14:50:

rennickewahl

[Dank an gast für das Bild und den Hinweis]

26 Kommentare zu „Mein lieber Ted“

  • gast:

    Bitte bitte. Ich bin war kein Anhänger von Kandidat  Rennicke, sowenig wie von der Nulpe Sodann,  aber so wie Rennicke  totgeschwiegen worden ist, muss man Pro7 Anerkennung dafür zollen, daß er den vierten Kandidaten dazugenommen hat.

  • Merkwürdiges U-Boot:

    Das Ergebnis sagt jetzt aber nur, dass die NPD-Anhänger nicht die Hellsten sind, wenn sie sich von Pro7 so das Geld aus der Tasche ziehen lassen. Normalerweise sind bei ähnlichen Umfragen auf SAT1 die Linken immer weit vorn.

  • @gast

    Dass viele linke Politiker die Nationalhymne nicht mitgesungen haben, fiel mir nicht auf [dein Post in dem anderen Thread], obwohl ich die Wahl und die Analysen danach [auf Phoenix] verfolgte.

    Was den Privatsender Pro7 betrifft: Ja, dafür kann man Pro7 Anerkennung zollen – evt. wusste der Privat-Sender aber auch, dass ohne den Kandidaten von NPD und DVU, Rennicke, kaum jemand angerufen hätte.

    Ich wage zu behaupten, dass, würde ein Abgeordneter von NPD/DVU/Republikaner in eine Talk-Show eingeladen, die Einschaltquoten enorm wären. Nicht, weil alle Zuschauer potentielle Wähler wären – einfach um die ‘verbotenen Paria’ einmal in Natura begucken zu können.

  • Sir Toby:

    Ha, das wärs natürlich jetzt … wenn PRO 7  aus schlicht kapitalistischen Zwängen heraus die Kontaktsperre mit den ‘Schmuddelkindern’ kartätschen würde  –  mich wegschmeiß…. 

    Wenn es Geld bringt, fallen als nächstes die anderen Privaten – wird das bitter für unsere Staatspropagandasender….         :lol:

    Und am Ende wird der Rennecke sogar noch von irgendeinem Vorwitzigen zum Interview geladen – und mit, ich glaube, einem Vierteljahrhundert Bühnenerfahrung und Dreckfressen als persona-non-grata des Systems sollte er clever genug sein Paroli bieten zu können. Klar, irgendwann kommen diese ganzen Sender mit ihren immer neuen Surrogaten echten Lebens in Schwierigkeiten, weil die Droge für ihre Junkies nicht mehr ausreicht. Das ist dann meist die Situation in der – gewollt oder nicht – irgendwie wieder echtes Leben wenigstens kurzfristig in die Systeme eindringen und die Hamsterkäfige kurz zum Stillstand bringen kann. Und wenn die Leute dann noch merken, dass die fürchterlichen Rechten gar keine kleinen Kinder fressen (nicht mal jüdische), dann … ja, dann könnte es tatsächlich nochmal spannend werden.

  • Wahr-Sager:

    Die Etablierten haben einen Mordsschiss vor einer öffentlichen Debatte mit DVU-Angehörigen, Republikanern oder NPDlern. Denn dann würde auch dem letzten Hinterwäldler dämmern, was los ist. Man muss sich doch nur Parteireden von Henry Nitzsche (und der darf im Parlament auch nur reden, um den Schein einer Demokratie zu wahren) anschauen und die entsprechenden Reaktionen verfolgen. Die Nazi-Keule ist da die Regel, aber wer eine solche Auseinandersetzung mal miterlebt hat und politisch eigentlich nicht interessiert ist, der wird sich nicht mehr ein X für ein U vormachen lassen und hinterfragen.

  • Interessant wäre es zu sehen, wie das Ergebnis zum Ende der Umfrage aussah.

    Ob jetzt Pläne ausgearbeitet werden Pro7 zu verbieten, weil’s von so vielen Nazis angesehen wird? :D

  • Volker:

    @Sir Toby

    “Wenn es Geld bringt, fallen als nächstes die anderen Privaten – wird das bitter für unsere Staatspropagandasender….”

    Genau, WENN es Geld bringt. Aber es bringt keines. Diese Sender wissen genau, daß sie sich mächtige Feinde machen würden, wenn sie diese Tabus brechen. Man würde sie wohl einfach aufkaufen, wenn das nicht schon längst der Fall ist. Sorry, aber als wenn es hier in der BRD auch nur einen unabhängigen Sender gäbe, tsts. Wenn unangenehme Leute überhaupt eingeladen werden, dann nur, um sie öffentlich hinzurichten (Beispiel: Eva Hermann). Da das im Fall Eva Hermann nach hinten losging, werden die allesbesitzenden Strippenzieher diesen Fehler nicht wiederholen.

    Im Umkehrschluß bedeutet das, daß fast alle Leute, die du im Fernsehen sehen kannst, Teil der Matrix sind. Oder anders ausgedrückt: Jeder, den du nicht sehen kannst, ist vertrauenswürdig.

    Ausnahmen machen die nur, wenn sie uns mal einen Idioten vorführen oder manchmal auch, wenn sie einem Unangenehmen mit 5 Systemlingen in den Ring schicken.

  • Sascha:

    @Judith

    Wo finde ich hier denn nochmal deine Email Adresse oder eine Email Adresse an die ich einen vorbereiteten Beitrag schicken kann?

  • Sir Toby:

    # Volker

    Meine Anspielung auf das ‘… wenn es Geld bringt’ bezog sich einfach darauf, dass ich es so verstanden hatte, dass man bei dieser TED-Abstimmung als Abstimmender etwas bezahlen müsse (an den Sender). Da habe ich vielleicht etwas falsch verstanden; ich habe nie an einer TED-Abstimmung teilgenommen, wenn ich das also falsch verstanden haben sollte – sorry!

    Was die unabhängigen Medien betrifft, möchte ich nur kurz auf Seite 12 des Dokumentes verweisen, das ich hier schon öfter verlinkt hatte (
    http://www.rsv.daten-web.de/Germanien/IDR_-_DIE_JAHRHUNDERTLUEGE_-_V4.pdf); dort heißt es auf Seite 12…

    Blablabla (Anschreiben)

    Kopie Nr. 4 des geheimen Staatsvertrages zwischen den Allierten Mächten und der provisorischen Regierung Westdeutschlands vom 21.05.1949 ist endgültig abhanden gekommen.

    Der geheime Staatsvertrag offenbart u.a.


    -   die deutsche Medienhoheit der alliierten Mächte über deutsche Zeitungs- und Rundfunkmedien bis zum Jahr 2099.

    -   die sog. “Kanzlerakte”, also jenes Schriftstück, das jeder Bundeskanzler Deutschlands auf Anordnung der Alliierten vor Ablegung des Amtseides zu unterzeichnen hat.

    -   sowie die Pfändung der Goldreserven der Bundesrepublik durch die Alliierten.

    Sofern die Kopie Nr. 4 des geheimen Staatsvertrages in falche Hände gelangen sollte empfehle ich dringend, die Echtheit abzuleugnen.

    Hochachtungsvoll
    Dr. Rickermann
    Staatsminister
     
    Ich mache mir also ganz bestimmt keine Illusionen darüber, wer hier im Zweifelsfalle das Sagen hat. Man sollte sich aber auch nicht in die Denk-Falle begeben zu glauben, die Mächtigen seien nicht nur mächtig sondern allmächtig. DAS SIND SIE NICHT! Denken wir nochmal kurz an den Anschluß von ‘Neu-Fünfland’ im Jahre 1990 zurück; der Widerstand Frankreichs und Englands dagegen war, denke ich, keine Inszenierung, sondern die haben wirklich versucht zu hintertreiben was möglich war. Trotzdem hat es nicht geklappt. Und das muß kein Einzelfall bleiben.

    Eine (echte) Opposition gegen herrschende Verhältnisse wird immer auf immense Schwierigkeiten stoßen; das liegt ganz einfach in der Natur der Sache. Wir haben in ganz Europa hauptsächlich die durch die 68er geprägten Denk- und Fühl-Strukturen – die sowohl die Köpfe und Herzen der mächtigen Organisationen (Gewerksachaften und Parteien etwa) ungreifbar, wie auch die Institutionen in Gesetzesform sichtbar beherrschen – zum Feind. Deren Macht über die Gestaltung der Verhältnisse zu … na ja, ‘besiegen’ ist vielleicht der falsche Begriff, aber mir fällt im Moment leider kein besserer ein … zu ‘besiegen’ also wird natürlich nicht leicht sein – aber was ist eigentlich die Alternative? Die Sklaverei! Und dazu hab ich wenig Lust…

    Wir brauchen dabei vor allem – aus meiner Sicht – die Möglichkeit (relativ) unabhängig kommunizieren, sprich Erfahrungen austauschen zu können; das ist – jedenfalls zur Zeit – gegeben über das Internet bzw. Blogs wie diesen hier. Weiterhin eine Vielzahl von Basis-Iniativen im vorpolitischen Raum, die beispielsweise die Informationen, die in den Blogs erzeugt und gesammelt werden, abnehmen und vor Ort in nutzbare Form umsetzen; das scheint sich nach meinem Eindruck gerade zu entwickeln, etwa in Form von Bürgerinitiativen, die sich aufgrund realer Erfahrungen (z.B. Muselterror – siehe den kürzlichen Fall ‘Appendorn’) bilden.

    Wenn diese sich untereinander wie auch mit den Blogs nach Art des bekannten Pilzgeflechtes kommunikativ vernetzen, haben wir eine prinzipielle Gegenöffentlichkeit, deren Informationen vor allen Dingen auch an der gesellschaftlichen Basis ankommen und dort Verwendung finden! Bestes Beispiel ist hier glaube ich einmal mehr PI; als ich kürzlich mal wieder da hin geklickt habe steht da so ein Icon ‘WIR in Herten’ – anscheinend eine Bürgerinitiative (ich war noch nicht auf der entsprechenden Seite). Vor eindreiviertel Jahren bin ich durch Zufall auf PI gestoßen – da war, abgesehen von Blogadressen, links und rechts der Textspalte eigentlich nur freier Raum. Es entwickelt sich also durchaus etwas.

    Und wir brauchen natürlich Parteien, die diesen Bewußtseinswandel, der eben erst einmal erzeugt werden muß, in die Form eines konkreten politischen Angebotes bringen. Da haben wir zum einen mit PRO einen Ansatz, der direkt in die sogenannte Mittelklasse vorstoßen kann. Und wir haben die sogenannten ‘extrem rechten Parteien’, die für mich keineswegs ‘extrem rechts’ sind, sondern nur einer tatsächlich ‘extrem linken Gegenwartsgesellschaft’ so erscheinen, die sich auch (zu) entwickeln (versuchen) und nicht nur Hitler-Historismus betreiben.

    Und wir dürfen bei unserem Zeithorizont, innerhalb dessen wir die ‘große Veränderung’ erwarten, eben auch nicht vergessen, dass unsere Gegenwartsgesellschaft in einer ganz anderen Situation wie die Gesellschaft der sechziger Jahre ist. Das damalige ‘Establisment’ hatte ja gar keine Tradition; da ist vielleicht versucht worden Formen von Bürgerlichkeit aus der Vorkriegszeit zu tradieren – aber die Inhalte waren nicht mehr da. Das damalige Establisment war sozusagen morsch bis ins Mark und zudem innerlich nicht nur veränderungsbereit sondern geradezu veränderungssüchtig (siehe dazu die Rezeption von Ulrike Meinhof durch die damalige Hamburger ‘feine Gesellschaft’). Dagegen heute: Da treffen wir auf ein Establisment, das ökonomisch, sozial, politisch … in jeder nur denkbaren Hinsicht arriviert ist und relativ fest im Sattel sitzt – und keineswegs vor Veränderungsbereitschaft strotzt. Da braucht es natürlich völlig andere Strategien und Taktiken, und natürlich auch einen anderen Zeithorizont, um diesen Leuten ihre derzeitige Über-Macht (im wahrsten Sinne des Wortes) Stück für Stück abzuringen.

  • @ Sascha

    Ich habe dir eine Mail geschickt, die Mail-Adresse kannst du benutzen, um einen Beitrag zu schicken. Einen von dir hatte ich vorige Woche eingestellt: Gedanken zum EU-Beitritt der Türkei

  • “”Und wir haben die sogenannten ‘extrem rechten Parteien’, die für mich keineswegs ‘extrem rechts’ sind, sondern nur einer tatsächlich ‘extrem linken Gegenwartsgesellschaft’ so erscheinen, die sich auch (zu) entwickeln (versuchen) und nicht nur Hitler-Historismus betreiben.””

    Sir Tobi, ich hebe mal diesen Satz von dir hervor und gebe volle Zustimmung.
    Ein System dass sich mit Lippenbekenntnis von edlen Prinzipien schmückt, aber in Wirklichkeit  das Gegenteil lebt, erscheint nur solange vorrangig solange die begleitenden Auswirkungen weder erleuchtet und noch mit der Gegenwart assoziiert werden.
    Es gehört Mut und dickes Fell dazu hier zu agieren und seinen Stand zu halten, aber “Kamerad Trend” hilft.
    Der Zerfall, die Degeneration und Auswüchse dieses scheinbar stabilen Systems treffen mehr und mehr die einzelnen Bürger und deren Unmut ins richtige Licht zu setzen wird zunehmend mehr erfolgreich werden.
    Allerdings findet hier ein Rennen der opponierenden Seiten statt, aber auch der “Nazi Keule” wird man eventuell überdrüssig und verliert ihre Wirkung.

    Faktum ist, die Linke hat  auf der ganzen Linie keinen Erfolg ihre Traumwelt zu verwirklichen ohne das es nicht in einer  ersichtlichen 1984-Welt endet.
    Wann ist die Schmerzschwelle auf dem Weg zu diesem Utopia überschritten?

  • NurEinGast:

    @Sir Toby

    Ich habe das von Dir verlinkte Dokument schon vor Tagen mit grossen Interesse gelesen und meine nun das Ganze einigermaßen durchdrungen zu haben, so daß ich ein paar Sätze darüber verlieren will.

    Die Amerikaner haben ihr Imperium nicht nur auf den Schultern der Deutschen, sondern auch ihrer ehemaligen Alliierten von ’45 aufgebaut. Der Aufstieg der USA war begleitet war vom Untergang des Empire und auch die Franzosen verloren ihre Kolonien und somit eigentlich den Anspruch Weltpolitik zu betreiben. Zur Sicherung ihres Machtanspruches bzw. als kleine Wiedergutmachung erhielten sowohl Frankreich als auch Großbritanien Atomwaffen, später folgte Israel (indirekt von den Briten beliefert), wenn auch aus anderen Gründen, daher nicht offiziell.

    Es scheint über die Jahrzehnte hinweg hat sich Deutschland als Amerikas Primus herauskristallisiert. Die Formulierung Partnership and leadership von Bush sen. bringt dies aus meiner Sicht deutlich zum Ausdruck. Ohne amerikanische Unterstützung hätte es die Einheit so nie gegeben. Der Preis dafür, so man den Gerüchten glaubt, war der Euro mit allen seinen langfristigen Konsequenzen sowie eine weitere Zementierung des Kunstgebildes Namens BRD.

    Wie dem auch sei, Amerika sucht seinen Einfluß auszuweiten, nicht nur, wie oftmals vorgeworfen, mit militärischen Mitteln sondern auch durch friedliche kulrutelle Assimilation (*vor dem Hintergrund bitte die Erdoganrede nochmal überdenken). Hierbei wird über Bande gespielt, Amerika betreibt diese Politik vordergründig nicht selbst, sondern lässt seine Marionetten diesen Job erledigen. So erklärt sich auch die Einflußnahme auf die EU, Beispiel EU-Beitritt der Türkei, welcher gleichermaßen von Bush wie Obama als strategisches Ziel verfolgt wird.

    An der Stelle sei mir bitte ein kleiner Abstecher erlaubt: Vor diesem Hintergrund empfand ich den Vorschlag von Sarkozy, Deutschland möge, auch physisch, am frz. Atomwaffenarsenal teilhaben sehr interessant. Dabei ging es wohl weniger um die Waffen ansich als vielmehr um eine Emanzipation von der amerikanischen Vormacht. Ein Vorschlag der hätte vieles verändern können. Leider sind Atomwaffen, auch als Eintrittskarte für die Weltpolitik, hierzulande eindeutig Autobahn.

    Neben dem militäischen Potenzial soll wirtschaftlicher Aufschwung (und damit Wohlstand) den zivilen Kitt in diesem Gebilde darstellen. Vor dieser Kulisse wurde die EU Osterweiterung beschlossen ebenso wie die aktuelle Türkei-Debatte geführt. Zumindest in Sachen Osterweiterung sind die Interessen Amerikas mit den originären deutschen weitgehend identisch, schliesslich ist Osteuropa zu grossen Teilen quasi “unser Hinterhof”.

    Das Nationalstaatenkonzept wurde schon vor etlichen Jahrzehnten still & leise beerdigt und wird nur noch als Potemkin’sches Dorf aufrecht erhalten. Da stören allzu nationale Töne natürlich und müssen minimiert werden. Da Deutschland aufgrund der verlorenen Kriege in Sachen Nationalbewußtsein ohnehin schon am Boden lag liess man derlei Gedanken hier garnicht erst wieder entstehen. In dieser Beziehung ist Deutschland wohl unbestritten international führend und gilt daher als Blaupause für andere westliche Gesellschaften. Und siehe da, ähnliche Tendenzen treten in allen Nachbarstaaten mehr als nur deutlich zutage.

    Deutschland hat seine letzte grosse Chance seine Angelegenheiten zu regeln vor 20 Jahren dem lieben Friedens Willen verstreichen lassen. Ich mag nicht berurteilen welche Gespräche über dieses Thema in den Hinterzimmer weltweit geführt wurden, auch mag ich nicht beruteilen ob Helmut Kohl ein gutes oder schlechtes Geschäft gemacht hat.


    Das sind so meine Gedanken zu dieser Thematik, für mich schliessen sich da ein paar Fragen an die einer eindeutlichgen Klärung bedüfen:
    1.Ist der eingeschlagene Weg trotzdem weiter zu verfolgen?
    2.Was wären die Alternativen?
    3.EU als Wirtschafts- oder auch Polit-Union?
    4.EU/allgemein: Wieviel Nationalstaat ist sinnvoll?

    Man muss diese Fragen mal auf ein realpolitisches Niveau runterbrechen, der grosse Zusammenhang ist nett, letzendlich kommt aber erst das Fressen und dann die Moral. Wir als Exportnation können uns keine nationalen Alleingänge leisten. Unseren Nachbarn geht es ähnlich, eine Union drängt sich daher förmlich auf. Auch muss ein Land, das einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat anstrebt, ein globales Konzept für Weiterentwicklung anbieten.

    Wünschenswert wäre dies würde nicht durch ungezügelte Einwanderung (und damit indirekte Förderung der Heimatländer) versucht, sondern durch nachhaltige Förderung der Staaten, die uns ihre Armutsflüchtlinge ins Land schicken. Sarkozys Mittelmeerunion scheint mir da ein durchaus der Diskussion würdiger Ansatz.

    Ich pers. sehe den eingeschlagenen Weg als alternativlos an, alles andere würde zu chaotischen Verhältnissen führen, die Festung Europa würde bittere Realität, Armutskriege wären die mittelfristige Folge.

    Die Frage ist aus meiner Sicht nicht mehr ob, sondern nur noch wie dieser Prozess gestaltet wird. Letzendlich müssen die Völker aus freier Entscheidung diesen Weg wollen. Da mag seine Zeit dauern, vielleicht wird es auch nie soweit kommen. Was aber derzeit bei uns europaweit in EU-Vertrag abläuft ist brandgefährlich, zumal uns gerade der Schmierstoff Namens Wirtschaftswachstum ausgegangen ist.

    Letzendlich demonstriert dies alles nur die Angst der Europäischen Politik vor dem eigenen Völkern. Hier ist es durchaus mal angeracht einen Blick nach links über den Graben hinweg zu werfen und zu vergleichen. Ich komme in Bezug auf Die Linke z.B. zu dem unausweichlichen Schluß dass es sich im Kern um eine sowohl Nationale als auch Sozialistische Partei handelt, ja handeln muss. Hier muss eine Rechte ansetzen und Alternativen anbieten. Libertas z.B. scheint mir hier ein relativ durchdachter 1. Versuch zu sein, während aus den ernstzunehmenden Parteien rechts der Union fast unisono das Europa der Nationen propagiert wird, welches sich der grundsätzliche Fragestellung ebenso entzieht wie die Position der extremen Linken.

  • @ NurEinGast

    Warum gibst du dir nicht endlich einen vernünftigen Nicknamen. Für “NurEinGast” sind deine Beiträge viel zu gut.

  • Sir Toby:

    # NurEinGast

    Ich muß mich Judiths Meinung anschließen – geben Sie sich einen Ruck und einen Nick, der mehr Selbstbewußtsein ausdrückt. Sie sollten “ihr Licht nicht unter einen Scheffel stellen” – das haben ihre Beiträge nicht verdient.

  • Wahr-Sager:

    Ich schließe mich an. Wie wärs mit NochEinGast?
    Nee, war ein Scherz. ;)

  • @NurEinGast:
    Was wäre denn so schlimm an einer Festung Europa?

  • NurEinGast:

    @ Judith, Sir Toby & Wahr-Sager

    Danke hierfür, es ist wohl wirklich an der Zeit mir einen gescheiten Nick zuzulegen. Ich bin ein gebranntes Kind, viel Herzschmerz habe ich schon in Blogs & Kommentare investiert… leider nicht immer mit positiven Resultat.

    Trotz einiger Anfangsschwierigkeiten, wohl auch aufgrund meiner Neigung bis ins Unermessliche zuzuspitzen, denke ich hier kann ich mehr als “Nur ein Gast” sein.

    Ich feile noch an einem sinnvollen Nick, da werde ich sicherlich nochmal drüber schlafen müssen, freue mich aber hier ein eine Art Heimat gefunden zu haben.

    Dieser Blog hat seine eigene Art & Weise Themen anzugehen & zu diskutieren die sich erfrischend von vielen anderen unterscheidet. Populismus und Verflachung sind hier nicht an der Tagesordnung, vielmehr wird das Gegenteil gelebt.

    Ich freue mich auf viele konstruktive Artikel, Kommentare & Diskussionen.

    P.S.: @Manfred
    Das ist eine Frage der Moral. Es gilt aus meiner Sicht die Verpflichtung dass die “Starken” den “Schwachen” helfen. Das darf und muß aber nicht so weit führen dass der Kluge solange nachgibt bis er selbst der Dumme ist.

  • Wahr-Sager:

    @NurEinGast:

    Dieser Blog hat seine eigene Art & Weise Themen anzugehen & zu diskutieren die sich erfrischend von vielen anderen unterscheidet. Populismus und Verflachung sind hier nicht an der Tagesordnung, vielmehr wird das Gegenteil gelebt.

    Deswegen bin ich auch so gern hier.

    Dann mach es dir hier mal gemütlich. ;)

  • Volker:

    @Sir Toby

    Danke für das Dokument – ich kannte es schon und habe es auch schon im Bekanntenkreis verteilt. In die gleiche Richtung geht das Buch “Das Deutschland Protokoll” von Ralf Hill:

    http://www.amazon.de/Das-Deutschland-Protokoll-Ralf-Hill/dp/3940845884/ref=pd_sim_b_37

    @NurEinGast

    Vieles, was sie schreiben, sehe ich ähnlich, allerdings einiges auch völlig anders.

    “Die Formulierung Partnership and leadership von Bush sen. bringt dies aus meiner Sicht deutlich zum Ausdruck. Ohne amerikanische Unterstützung hätte es die Einheit so nie gegeben. Der Preis dafür, so man den Gerüchten glaubt, war der Euro mit allen seinen langfristigen Konsequenzen sowie eine weitere Zementierung des Kunstgebildes Namens BRD.”

    Bringen Sie das doch auf den Punkt: Man hat Deutschland wiedervereinigt, um es aufzulösen. Der Euro war dazu ein wichtiger Schritt, der nächste große Schritt ist der EU Vertrag. Soll ich als Patriot den USA jetzt dankbar sein, daß sie so gnädig waren, den Willen des gesamten deutschen Volkes zu respektieren um den Preis unserer Währung und den totalen Verlust unserer Souveränität? Mitnichten! Und partnership & leadership bringt das Verhältnis USA/Deutschland überhaupt nicht auf den Punkt. Genausogut könnte sich ein Angestellter als Partner fühlen.

    “Wie dem auch sei, Amerika sucht seinen Einfluß auszuweiten, nicht nur, wie oftmals vorgeworfen, mit militärischen Mitteln sondern auch durch friedliche kulrutelle Assimilation”

    Die wissen ganz genau, daß die Verpflanzung einer anderen Kultur in eine bestehende nicht friedlich vonstatten geht, schon gar nicht der islamischen in eine christliche. Wo bitte gibt es denn auch nur 1 Präzedenzfall auf der Welt, wo das funktioniert hätte? Wenn ich als kleines Licht so schlau bin und das Ende dieser Entwicklung absehen kann, warum kann es denn dann die mächtige USA nicht? Wieso klappt es denn schon in viel kleineren Einheiten, z.B. Mietshäusern nicht? Und warum probiert man sowas überhaupt – ist doch ein völlig unnützes Experiment.

    “Leider sind Atomwaffen, auch als Eintrittskarte für die Weltpolitik, hierzulande eindeutig Autobahn.”

    Als wenn das hierzulande entschieden worden wäre.

    “Zumindest in Sachen Osterweiterung sind die Interessen Amerikas mit den originären deutschen weitgehend identisch, schliesslich ist Osteuropa zu grossen Teilen quasi “unser Hinterhof”.”

    Was? Unsere Interessen sind eine Osterweiterung gewesen? Meine jedenfalls nicht. Ich hätte gut und gerne auf Lettland, Litauen, Rumänien und Bulgarien, etc.. verzichten können. Wer bezahlt denn das ganze? Und was ist dabei rausgekommen? Diese Länder gehen doch allesamt pleite in den nächsten Jahren und reißen andere Länder wie Österreich, Schweiz und natürlich auch uns mit runter. Da stecken doch nur kapitalistische Interessen hinter. Freut mich richtig, daß das so schön nach hinten losgegangen ist. Wenn die Osterweiterung wirklich so einleuchtend ist, hätte man uns als Volk auch fragen können.

    “1.Ist der eingeschlagene Weg trotzdem weiter zu verfolgen?”

    Nein.

    2.Was wären die Alternativen?

    Ein Europa der Nationen. Einstellung aller EU Transferzahlungen. Kündigung des Schengen-Abkommens, etc…

    3.EU als Wirtschafts- oder auch Polit-Union?

    Eindeutig nur eine Wirtschaftsunion. Die Politik für Deutschland muß in Deutschland gemacht werden und nicht in Brüssel.

    4.EU/allgemein: Wieviel Nationalstaat ist sinnvoll?

    Ich will eine deutsche Regierung, die deutsche Interessen vertritt, eine deutsche Grenze, und ich will eine deutsche Armee => ein Europa der Nationen.

    “Sarkozys Mittelmeerunion scheint mir da ein durchaus der Diskussion würdiger Ansatz.”

    Aha, Sie wollen noch mehr Moslems ins Land lassen? Millionen vielleicht? “Hochqualifizierte” aus Marokko, Tunesien und Lybien? Diesen bettelarmen Staaten noch ihrer letzten Ressourcen berauben? Macht es für sie einen Unterschied, ob die Leute illegal oder mit einer Bluecard hier sind? Für mich nicht, komisch. Ich will die nicht hier haben, Punkt. Ich will auch keine hochqualifizierten Moslems mehr.

    “Wünschenswert wäre dies würde nicht durch ungezügelte Einwanderung (und damit indirekte Förderung der Heimatländer) versucht, sondern durch nachhaltige Förderung der Staaten, die uns ihre Armutsflüchtlinge ins Land schicken.”

    Viele Wege führen nach Rom. Einer davon wäre eine Grenze. Wie viel Geld sollen wir denn in Länder wie die Türkei oder Lybien pumpen, damit ein Gleichgewicht hergestellt wird, auf dass dieser Zustrom aufhört? Merken sie was? Ihr Vorschlag kann gar nicht funktionieren, weder vorübergehend noch nachhaltig (gräßliches PC Wort).

    “die Festung Europa würde bittere Realität,”

    Da muß ich mich der Frage von Manfred anschließen: Was ist daran denn so bitter? Es ist eine Notwendigkeit, eine Grenze zu haben. Das war Tausende von Jahren so. Was soll daran auf einmal falsch sein? Und wenn sie mit Moral argumentieren, dann klappt mir die Kinnlade runter. Als wenn Real-Politik was mit Moral zu tun hat. Mir wäre es lieber, wenn sich die Politik mal wieder dazu durchringen würde, Moral gegenüber der deutschen Bevölkerung zu haben, anstatt und zu verdummen, anzulügen und auszupressen.

    “Armutskriege wären die mittelfristige Folge.”

    Genau dagegen hilft es zur Abschreckung eine starke Armee zu haben. Das war auch die letzten 5000 Jahre so.

    “Was aber derzeit bei uns europaweit in EU-Vertrag abläuft ist brandgefährlich, zumal uns gerade der Schmierstoff Namens Wirtschaftswachstum ausgegangen ist.”

    Der EU Vertrag ist brandgefährlich, da gebe ich Ihnen Recht. Dass uns das Geld ausgegangen ist, finde ich super, denn sonst würde es ja in diese Richtung weitergehen. Dann doch besser ein Ende mit Schrecken. Ich hoffe, daß die ganze EU dadurch auseinanderfliegt, auch wenn das erstmal Armut in Deutschland bedeutet.

  • NurEinGast:

    @Volker

    Die Beziehungen USA/Deutschland sind besondere. Sie gehen zurück bis in den 1. Weltkrieg. Als Reaktion auf den versöhnlich formulierten 14 Punkte Plan von Präs. Wilson verkündte das Deutsche Kaiserreich einen Waffenstillstand. Die Alliierten, allen voran Frankreich, nutzten diesen Plan der Amerikaner und nötigten Deutschalnd den Versailler Vertrag ab. Die USA fühlten sich, grob ausgedrückt, “verarscht”, da auf internationaler Bühne der Eindruck enstand die USA hätten Deutschland in eine Falle gelockt und stünden nicht zu ihrem Wort. Resultat war dass die USA einen Separatfrieden mit Deutschland schlossen und nicht am Versailler Vertrag beteiligt waren. Zudem gaben die USA Deutschland Kredite um die Schuldenlast des Vertrages überhaupt irgendwie erfüllen zu können, ohne dass das Volk verhungert (was es teilweise trotzdem tat). Ein Teil dieser Schulden ist bis heute noch offen, aller paar Jahre kommt das Thema immer mal wieder in den Medien hoch, meist in Zusammenhang mit den in den USA gelagerten dt. Goldreserveren.

    Ein weiteres Resultat dieser schlechten Erfahrung war eine Hinwendung der Politik der USA in Richtung Isolationismus, mag man sich heute kaum noch vorstellen können, so war dem aber. Das bedingte wohl auch den relativ späten Eintritt der USA in den WKII, welcher, wie neuere Geschichtforschung zeigt, noch einiger zusätzlicher Winkelzüge bedürfte um ihn (den Kriegseintritt) dem eigenen Volk schmackhaft zu machen, Stichwort “Überraschungsangriff auf Pearl Habour”.

    Nach dem WKII waren es ebenso die Amerikaner welche es als erste und zu dem Zeitpunkt einzige einigermaßen ernst meinten mit den Deutschen und ihrem Land. Nicht ohne Grund war die amerikanische Besatzungszone die beliebteste, und das nicht nur in Vergleich mit der sovietischen Zone.

    Ein nicht unerheblichen Anteil am deutschen Wirtschaftswunder liegt darin begündet dass die amerikanische Wirtschaft weiter auf Rüstung ausgerichtet war, kein Wunder, die Reihe der US-Kriege und Scharmützel reicht fast nahtlos bis in die 1960’er hinein. Dieser “Militärisch-Industrielle Komplex” ist in Grundlagen immer noch vorhanden, siehe Irak-Kriege.

    Die deutsche Wirtschaft exportierte in diesem Zeitraum vermehrt in die USA und profitierte somit insgesamt von dieser Politik, auch heute noch, wenn auch nicht mehr in dem Maße.

    Das alles mag zwar jetzt keine tiefgehende Völkerfreundschaft begründen, nötigt aber zumindest mir eine gewisse Würdigung der Fakten ab, vorallem im Vergleich zu anderen echten oder selbsterklärten Siegermächten (Türkei z.B. ist auch eine “Siegermacht”).

    Was die Türkei heute angeht ist es nicht Ziel amerikanischer Politik uns die Moslems ins Land zu schicken, denen geht es um die Bindung der Türkei an die westliche Hemisphäre. Wie wir als Vasallen das nun genau gestalten dürfte Amerika relativ Schnuppe sein solange nur das Ziel erreicht wird, das übrigens auch in unserem eigenen Interesse liegt. Je stabiler das “Drumherum”, desto stabiler auch das “Innendrin”.

    Wenn auch kein US-Steckenpferd, so ist es mit der Mittelmeerunion ähnlich. Wir haben die Auswahl: Die Armutsflüchtlinge kommen hierher, finden keinen Job, leben von unseren Sozialsystemen, integrieren sich nicht und vermehren sich dabei prächtig. Alternativ können wir das Geld, welches wir hier für deren Unterhalt aus dem Fenster schmeissen, auch in Wirtschaftsföderung in diesen Ländern investieren um Anreize zu schaffen das Herkunftsland überhaupt nicht erst verlassen zu müssen.

    Wenn man aber z.B. bedenkt dass die EU z.B. den Magreb-Staaten ihre Fischereirechte abkauft, also vor deren Küsten fischt, dann aber den Fisch zu teueren Stundenlöhnen innerhalb der EU verarbeiten lässt anstatt dieses doch relativ kleine Stückchen Kuchen der Bevölkerung vor Ort zu überlassen sollte man sich nicht wundern wenn massenhaft Einwanderer aus diesen Staaten zu uns kommen wollen.
    Ein von der EU durch nicht realisiertes Wirtschaftswachstum indirekt mit 100€ subventionierter Arbeitplatz in Marokko kommt allemal günstiger als ein arbeitsloser Marokkaner inkl. Anhang innerhalb der EU.

    Leider ist die originäre Quelle nicht auszumachen, aber sicherlich kennen auch Sie diesen Spruch:
    “Gib einem Mann einen Fisch und er ist für einen Tag satt, bringe ihm das Fischen bei und er ist ein Leben lang satt”. (Ich meine der wäre von einem Chinesen… weiss wer genaues?)

    Was militärische Stärke zur Abschreckung von Migrationsbewegungen angeht: Das ist, mit Verlaub, einfach nicht richtig dargestellt von Ihnen.

    Ein Krieg lässt sich mit militärischen Mitteln bekämpfen, eine Völkerwanderung, was die derzeitge Situation eher beschreibt, aufzuhalten ist nur um den Preis in letzter Konsequenz auf Armutsflüchtlinge zu schiessen zu erhalten.

    Schauen Sie sich bei Gelegeneheit Reportagen zu diesem Thema an, z.B. wie es in der spanischen Exklave Ceuta zugeht, einen kleinen Eindruck können Sie hier [1] gewinnen – und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

    Wenn wir uns zu einer Gesellschaft entwickeln die nicht mehr Willens ist zu ihren eigenen Werten zu stehen und darum derlei Elend zu bekämpfen wüsste ich nicht warum ich mich dieser Gesellschaft noch verbunden fühlen sollte, es sei denn aus purem Egoismus.

    [1] http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,377581,00.html

    P.S.: Für Geschichtsinteressierte empfehle ich Dokumentationen von
    http://www.polarfilm.de , verbunden mit der Aufforderung diese nicht illegal downzuloaden sondern zu kaufen, sonst gibt es bald ausser der GEZ-finanzierten Geschichtsschreibung eines Guido Knopp nichts mehr anderes für das gemeine Volk. Ist übrigens kein “brauner Laden”, u.a. ZDF und SpiegelTV lassen dort gerne produzieren.

    Auch noch sehr an Herz legen möchte ich den Vortrag “Der lange Weg zum zweiten Weltkrieg” von Generalmajor Gerd Schultze Rhonhof, der auch bei youtube unter dem etwas verfälschendem Titel “Wer wollte den Krieg? (1 von 16)” ff. zu finden ist.

    Man muss das nicht alles verinnerlichen, auseinandersetzen sollte man sich damit aber schon.

  • Sir Toby:

    # NurEinGast

    Ihre Darstellung Wilsons hatte mich daran erinnert, dass ich irgendwann mal etwas mich diesbezüglich Interessierendes abgespeichert hatte. Nachdem ich ein bischen gestöbert habe, fand ich schließlich die nachfolgende Darstellung Woodrow Wilson und das Selbstbestimmungsrecht vom Blog ‘Mehr Freiheit’. Ich denke, Sie sehen Wilson wie auch die USA in ewas zu hellem Licht. Auf Wiki stand übrigens, dass die Vertreter der USA sehr wohl den Versailler Vertrag unterzeichneten – er wurde dann nur nicht vom Kongreß ratifiziert. Das ist schon ein erheblicher Unterschied … denke ich. Jetzt zum Artikel über Woodrow Wilson und das Selbstbestimmungsrecht – ist natürlich ein etwas längerer Eintrag, aber ich denke, dass das auch für viele Mitlesende interessant sein könnte…
     
    Woodrow Wilson und das Selbstbestimmungsrecht
    “…war is in fact the true nurse of executive aggrandizement. In war, a physical force is to be created; and it is the executive will, which is to direct it. In war, the public treasuries are to be unlocked; and it is the executive hand which is to dispose them.” James Madison
    Die Fragestellung
    Der Weg in den Krieg
    Die Ziele des Krieges
    Die Ergebnisse des Krieges
    Warum führte Wilson Krieg?
    Die Alternative

    Die Fragestellung

    Thomas Woodrow Wilson, geboren am 28.12.1856, gestorben am 03.02.1924, war von 1913 bis 1921 der 27. Präsident der USA. Wilson, seit 1890 Professor der Geschichte und Staatswissenschaften in Princeton, trat in seinen Reden und Schriften immer für hohe Ideale und edle Ziele ein. Sein Handeln stand aber in völligem Gegensatz dazu. Wir wollen hier untersuchen, wie es zu diesem Widerspruch zwischen Wort und Tat eines Politikers kommen konnte, der sich als humanitärer Vorkämpfer ausgab. Welche Motive hatte er für den von ihm so listenreich betriebenen Eintritt der USA in den 1. Weltkrieg?
    Der Weg in den Krieg

    Bei Ausbruch des 1. Weltkriegs ermahnte Wilson seine Landsleute, in Worten und sogar in Gedanken neutral zu bleiben. Er selbst hielt sich aber nicht an diese gute Empfehlung. Offizielle Politik der USA war eine unparteiische Neutralität gegenüber allen Konfliktparteien, tatsächlich erfolgte eine unverhohlene Parteinahme gegen Deutschland und Österreich-Ungarn.
    Eine internationale Konferenz hatte 1909 die Deklaration von London verabschiedet, in der Regeln für die Kriegsführung auf See festgelegt wurden. Eine der zentralen Bestimmungen war, daß gegen die Zivilbevölkerung nicht Krieg geführt werden dürfe. Der britische Prime Minister, Lord Salisbury, hatte zu Beginn des Jahrhunderts die allgemein verbreitete Position zu dieser Frage so beschrieben: “Foodstuffs, with a hostile destination, can be considered contraband of war only if they are supplies for the enemy’s forces. It is not sufficient that they are capable of being so used; it must be shown that this was in fact their destination at the time of the seizure.”
    Bei Kriegsausbruch erklärte die britische Regierung, daß sie sich nicht an Geist und Buchstaben der Deklaration von London halten werde, sondern für sich das Recht beansprucht, Nahrungsmittel auf See zu erbeuten und zu beschlagnahmen, auch wenn diese auf neutralen Schiffen zu neutralen Häfen transportiert werden. Der Vorwand für diesen Bruch des Völkerrechts war, daß die nicht ausdrücklich für britische Häfen bestimmten Güter letztendlich der deutschen Armee zugute kommen könnten. Der wahre Grund dieser staatlichen Piraterie lag in der Absicht “…to starve the whole population – men, women, and children, old and young, wounded and sound – into submission”, wie Winston Churchill, damals Marineminister, offenherzig bekannte.
    Auch die Handelsflotte der USA wurde Opfer der britischen Unterdrückung des freien Seeverkehrs. US-Schiffe wurden gekapert, ihre Ladung beschlagnahmt. Das war ein offener Bruch des Völkerrechts. Die USA hatten gegenüber ihren südlichen Nachbarn aus weitaus geringerem Anlaß Krieg geführt. In diesem Fall beschränkte sich die Regierung Wilsons darauf, eine formale Protestnote an die englische Regierung zu senden, vermied aber jede Sanktion gegen den Angreifer.
    Im November 1914 erklärte die britische Kriegsmarine die gesamte Nordsee zur Kriegszone, die sofort vermint wurde. Schiffe, die unter der Flagge neutraler Staaten fuhren, konnten in der Nordsee ohne Vorwarnung das Ziel britischer Angriffe werden. Dieses Vorgehen der britischen Regierung verletzte geltendes Völkerrecht, darunter die Deklaration von Paris von 1856, die Britannien unterzeichnet hatte. Wilson lehnte es ab, sich dem Protest der neutralen skandinavischen Länder gegen die Sperrung der Nordsee anzuschließen. Als jedoch im Februar 1915 die deutsche Regierung dem schlechten britischen Beispiel folgte und ihrerseits die See um die britischen Inseln zur Kriegszone erklärte, reagierte Wilson völlig anders als im britischen Präzedenzfall. In einer Note ließ er Berlin wissen, daß Deutschland zur strikten Rechenschaft gezogen werde, falls US-Schiffe oder US-Bürger durch deutsche Kriegsschiffe zu Schaden kämen. Wilson nahm für sich überdies das Recht in Anspruch, US-Bürger auch dann zu schützen, wenn sie sich freiwillig auf einem Schiff aufhielten, daß die Flagge einer kriegsführenden Nation trug.
    Am 07.05.1915 versenkte ein deutsches U-Boot in der Kriegszone vor Irland das englische Schiff Lusitania, wobei 1195 Menschen ums Leben kamen, darunter 124 Amerikaner. In einer Note an Berlin behielt sich Wilson jede Handlung vor, die notwendig sei, um seine “heilige Pflicht zur Aufrechterhaltung der Rechte der US” zu erfüllen. Die deutsche Regierung wies in ihrer Antwort darauf hin, daß:

    der U-Boot-Krieg eine Erwiderung auf die ungesetzliche Hungerblockade sei;
    die Lusitania Munition für Kriegszwecke befördert habe;
    die Lusitania als Hilfskreuzer für die britische Kriegsmarine eingetragen sei;
    britische Handelsschiffe angewiesen worden seien, auf auftauchende deutsche U-Boote zu schießen oder diese zu rammen;
    die Lusitania bewaffnet gewesen sei.

    Die ersten vier Behauptungen der deutschen Regierung treffen zu, die fünfte ist zweifelhaft. Der Außenminister der USA, William Jennings Bryan, war ehrlich bestrebt, einen Kriegseintritt der USA zu verhindern. An Wilson gerichtet erklärte er: “Germany has a right to prevent contraband going to the Allies, and a ship carrying contraband should not rely upon passengers to protect her from attack – it would be like putting women and children in front of an army.” Bryan gab auch zu bedenken: “Why be shocked by the drowning of a few people, if there is to be no objection to starving a nation?” Bryan machte den Kriegsparteien folgenden Kompromißvorschlag: Britannien sollte Nahrungsmittel nach Deutschland bringen lassen und Deutschland verzichtet nach Aufhebung der Hungerblockade auf den U-Boot-Krieg. Dieser Plan wurde von der deutschen Regierung angenommen, von den britischen Verantwortlichen jedoch abgelehnt. Als Bryan erkennen mußte, daß Wilson zum Krieg entschlossen war, trat er im Juni 1915 von seinem Amt zurück.
    Der Nachfolger Bryans als Außenminister war Robert Lansing, der in aller Offenheit bekannte, daß das Ziel der britischen Hungerblockade sei, “…[to] destroy the morale of the German people by an economic isolation, which would cause them to lack the very necessaries of life.” Zu den Protestnoten der US-Regierung an die britische Regierung, betreffend die Einschränkung des freien Seeverkehrs für US-Schiffe durch die britische Kriegsmarine, erklärte er: “…everything was submerged in verbiage. It was done with deliberate purpose. It…was necessary in order to leave this country free to act and even act illegally when it entered the war.”
    Im Februar 1916 kündigte die deutsche Regierung an, daß jedes feindliche bewaffnete Handelsschiff als Hilfskreuzer behandelt und ohne Vorwarnung angegriffen werde. Diesmal war Wilson empört und er verlangte in einer Deklaration, daß bewaffnete Handelsschiffe kriegsführender Staaten die Immunität friedlicher Schiffe genießen sollten, falls nicht “zwingende Beweise für aggressive Absichten” nachgewiesen werden könnten. Nach der Versenkung der ohne Flagge oder Markierungen fahrenden Sussex durch ein deutsches U-Boot, machte die deutsche Führung das Angebot, ihre Angriffe auf feindliche Schiffe in der Kriegszone einzustellen, wenn die Regierung der USA dafür eintrete, daß die britische Regierung fortan die Regeln des Völkerrechts einhält und ihre Hungerblockade beendet. Doch Wilson lehnte diesen Vorschlag ab, obwohl er wußte, daß ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der rechtswidrigen britischen Blockadepolitik und dem deutschen U-Boot-Krieg bestand. Gleichzeitig lehnte es Wilson ab, dem Wunsch des US-Parlaments entsprechend eine Warnung für alle US-Bürger auszusprechen, daß diese die Reise auf einem bewaffneten Handelsschiff auf eigene Gefahr unternehmen müßten. Wilson rechnete damit, daß jeder Amerikaner, der durch deutsche Kriegsschiffe zu Schaden kam, die Kriegsbereitschaft in den USA verstärken würde und er sollte sich in dieser Hinsicht nicht täuschen.
    Wie von der britischen Regierung erhofft, erwies sich die Blockade Deutschlands als sehr wirkungsvoll. Bald war der Hunger in der deutschen Zivilbevölkerung weit verbreitet, die sich überwiegend von Schwarzbrot und einer Ration von drei Pfund Kartoffeln pro Woche ernährte. Als 1916 eine Mißernte bei Kartoffeln eintrat, verschärfte sich die Situation und wurde vor allem für Kinder kritisch. Steckrüben wurden zum Hauptnahrungsmittel und viele Stadtbewohner konnten täglich nur 1.000 Kalorien zu sich nehmen. Während des 1. Weltkriegs starben in Deutschland 700.000 Zivilisten an Unterernährung.
    Unter offenem Bruch ihrer Neutralität lieferten die USA Waffen und Munition an Britannien. Am 31. Januar 1917 erklärte die deutsche Regierung den uneingeschränkten U-Boot-Krieg in der Kriegszone. Am 01.02.1917 brach Wilson die diplomatischen Beziehungen ab und erklärte am 06.04.1917 Deutschland den Krieg.
    Die Ziele des Krieges

    Warum traten die USA in den 1. Weltkrieg ein, obwohl sie in Europa keine Gebietsforderungen hatten und auch nicht in sonstige Streitigkeiten verwickelt waren? Die Gründerväter der USA hatten darauf bestanden, daß sich ihr Land gegenüber allen ausländischen Staaten strikt neutral verhalten sollte. George Washington hatte in seiner Abschiedsrede als Präsident 1797 gesagt: “The great rule of conduct for us, in regard to foreign Nations, is in extending our commercial relations to have with them as little political connection as possible…Why, by interweaving our destiny with that of any part of Europe, entangle our peace and prosperity in the toils of European Ambition, Rivalship, Interest, Humour or Caprice?” Thomas Jefferson gab in seiner Einführungsrede als Präsident folgende Richtlinie: “…peace, commerce, and honest friendship with all nations, entangling alliances with none.”
    Warum verriet Wilson die Ideale der Gründerväter? Koloniale Besitzansprüche können nicht der Grund für den Eintritt in den europäischen Krieg gewesen sein. Kolonien waren damals wohl begehrte Statussymbole für die großen Industriestaaten, aber ihr Besitz wurde nicht so geschätzt, daß man dafür bereit gewesen wäre, einen großen Krieg zu führen, wie die Marokko-Krise 1911 zeigte.
    Auf der Suche nach den Motiven der jahrelangen Bemühungen Wilsons zur Herbeiführung eines Kriegs, wenden wir uns zuerst den Gründen zu, die er selbst für seinen Kriegseintritt nennt. Wilson erklärte bei Kriegsbeginn vor dem US-Parlament, die Kriegsziele seien: “…to fight for the ultimate peace of the world and for the liberation of its peoples, the German people included: for the rights of nations great and small and the privilege of men everywhere to choose their way of life and of obedience. The world must be made safe for democracy.” Dreimal in seiner Kriegsbotschaft bekräftigte Wilson die Notwendigkeit, ohne Leidenschaft und Rachsucht zu kämpfen.
    In seinem “Friedensprogramm” vom 08.01.1918 (14 Punkte) behauptete Wilson:

    die Beseitigung der “Autokratie”;
    die Abschaffung des Militarismus;
    die Gewährung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker;

    seien die vordringlichen Kriegsziele. Des weiteren nannte er noch den Aufbau einer Weltregierung in Gestalt des Völkerbundes als einen zentralen Zweck des Kriegs.
    Die Ergebnisse des Krieges

    Deutschland hatte Ende 1918 nicht bedingungslos kapituliert, sondern nur unter ganz bestimmten Bedingungen, die den endgültigen Friedensvertrag betrafen. Am 05.11.1918 versprach Wilson, daß die USA und ihre Verbündeten den deutschen Vorschlag annehmen würden. Die Grundlage einer abschließenden Regelung sollten die 14 Punkte Wilsons sein. In seiner “4 Grundsätze” Rede im Februar 1918 sagte er: “There shall be no contributions, no punitive damages. People are not to be handed about from one sovereignty to another by an international conference…National aspirations must be respected; peoples may now be dominated and governed only by their own consent. ‘Self determination’ is not a mere phrase.”
    Im Vertrauen auf diese Zusagen Wilsons entsprach die deutsche Regierung der Forderung ihrer Kriegsgegner nach Entwaffnung der deutschen Streitkräfte und übergab ihre Flotte einschließlich der U-Boote, 1.700 Flugzeuge, 5.000 Kanonen, 30.000 Maschinengewehre und anderes Kriegsgerät. Deutschland war nun wehrlos und konnte nur hoffen, daß Wilson und seine Verbündeten ihre Versprechungen einhielten.
    Doch die Hungerblockade wurde fortgesetzt und sogar noch verschärft. Die britische Kriegsmarine beherrschte nun auch die Ostsee und nutzte dies, um die deutschen Ostseehäfen zu blockieren. Nicht einmal kleine Fischerboote durften auslaufen. Der Hunger erreichte ein für große Teile der deutschen Zivilbevölkerung lebensgefährliches Ausmaß. Erst im März 1919 wurde die Einfuhr von Nahrungsmitteln wieder zugelassen. Die Blockade von Rohstoffen hoben die Siegermächte erst nach Unterzeichnung des Vertrags von Versailles auf.
    Die deutsche Verhandlungsdelegation in Versailles stellte bald fest, daß es für sie nichts zu verhandeln gab. Den deutschen Vertretern wurde die Teilnahme an den Beratungen untersagt. Die Siegermächte legten den deutschen Delegierten einen fertigen Text vor, den sie unter Androhung einer vollständigen Besetzung Deutschlands zu unterschreiben hatten. Unter diesen Bedingungen konnte man nicht von einem Friedensvertrag sprechen, sondern es handelte sich um ein Diktat des Stärkeren gegenüber dem Schwächeren.
    Wilson hatte versprochen, daß die Selbstbestimmung der Völker die Grundlage einer neuen gerechten Weltordnung sein werde. Ganz im Gegensatz dazu die Bestimmungen der Friedensdiktate:

    Südtirol, das geschlossene Siedlungsgebiet einer Viertelmillion deutschsprachiger Österreicher, wurde an Italien gegeben;
    das Gebiet um die deutsche Stadt Memel ging an Litauen;
    die Schaffung eines polnischen Zugangs zur Ostsee (polnischer Korridor) und die Übereignung der “Freien Stadt” Danzig unter polnische Herrschaft zwang 1,5 Millionen Deutsche in den polnischen Staat;
    das Saarland wurde Frankreich übergeben;
    Österreich wurde die Vereinigung mit Deutschland untersagt, obwohl die österreichische verfassungsgebende Versammlung einstimmig dafür gestimmt hatte und Volksabstimmungen in Salzburg mit 98% und Tirol mit 95% sich dafür ausgesprochen hatten;
    das Sudetenland, das seit dem Mittelalter von Deutschsprachigen bewohnt war, wurde dem neu geschaffenen Staat Tschechoslowakei zugeschlagen, was dazu führte, daß die “Minderheit” der 3,3 Millionen Sudetendeutschen halb so groß war wie das Staatsvolk der Tschechen (6,5 Millionen);
    in Oberschlesien wurden die industriellen Zentren Kattowitz und Königshütte an Polen gegeben, obwohl in Volksabstimmungen dort 65% bzw. 75% für den Verbleib bei Deutschland gestimmt hatten;
    im Osten Polens wurden einige Millionen Ukrainer und Weißrussen Polen einverleibt;
    die Grenzen Ungarns wurden so gezogen, daß ein Drittel der Ungarn in fremde Staaten gezwungen wurde.

    Die versprochenen Volksabstimmungen wurden nur durchgeführt, wenn zu erwarten war, daß sie zum Nachteil der Verliererstaaten ausgehen würden. Die Grenzen der Abstimmungsgebiete wurden so gezogen, daß deutschsprachige Mehrheiten an der Grenze von der anderssprachigen Bevölkerung des viel zu groß dimensionierten Abstimmungsgebietes majorisiert wurden. Den Tschechen wurde das Recht auf Sezession von Österreich-Ungarn gewährt, gleichzeitig aber den Sudetendeutschen das Recht auf Sezession von der Tschechoslowakei untersagt. Elsaß-Lothringen kam ohne Volksabstimmung wieder zu Frankreich, obwohl es damals durchaus ungewiß war, was die Bevölkerung dieser Region wünschte. Insgesamt wurde 13 Millionen Deutschsprachigen das Selbstbestimmungsrecht verweigert. Dazu kamen noch weitere Millionen Ungarn, Ukrainer, Weißrussen, die das gleiche Schicksal erlitten. Nach den neuen Grenzziehungen betrug der Anteil der Minoritäten an der Gesamtbevölkerung: Tschechoslowakei (ohne Slowaken) 35%, Polen 30%, Rumänien 25%, Jugoslawien 17%.
    Auch die anderen Bestimmungen des Versailler Friedensdiktats weichen eklatant von den 14 Punkten Wilsons ab:

    Die deutsche Armee wurde auf 100.000 Mann beschränkt; Flugzeuge, Panzer und U-Boote völlig verboten. Die deutschen Gebiete links des Rheins durften “auf ewig” nicht mehr von deutschen Truppen betreten werden. Die Siegermächte verpflichteten sich jedoch zu keiner Abrüstungsmaßnahme, obwohl Punkt 4 dies vorsah.
    Punkt 5 von Wilson hatte vorgesehen, daß ein “…free, open-minded and absolutely impartial adjustment of all colonial claims” stattfinden sollte. Tatsächlich wurden einfach die Kolonien Deutschlands in Afrika und im Pazifik unter den Siegermächten aufgeteilt.
    Wilson hatte versprochen, “…no contributions or punitive damages” in den Friedensvertrag aufzunehmen. Im Gegensatz dazu enthielt das Versailler Friedensdiktat eine Reparationsforderung in noch zu bestimmender Höhe. Deutschland wurde die alleinige Kriegsschuld zugewiesen und zum Ausgleich aller Kriegsschäden verpflichtet, inklusive der Pensionen der Veteranen der Siegermächte. Schließlich wurde ein so hoher Betrag festgelegt, daß es dem wirtschaftlich geschwächten Deutschland unmöglich war, auch nur die ersten Teilzahlungen zu leisten.

    Die Deutschland in Versailles aufgezwungenen Gebietsverluste wurden von allen deutschen Parteien entschieden abgelehnt. Der englische Premierminister Lloyd George sagte zu der in Versailles gezogenen deutschen Ostgrenze voraus: “…[it] must in my judgement lead sooner or later to a new war in the east of Europe.” Das Diktat von Versailles sicherte nicht den Frieden, sondern schuf die Spannungen, die den nächsten Krieg auslösten. Dieser “Vertrag” wurde von dem selben Wilson durchgesetzt, der seinen Kriegseintritt damit rechtfertigte, daß der 1. Weltkrieg “the war to end all wars” sein werde.
    Viele Historiker argumentieren, daß der angeblich gutwillige Wilson durch ungünstige gruppendynamische Prozesse bei den Friedensverhandlungen überwältigt worden sei und deshalb Bestimmungen zugestimmt habe, die seinen Ansichten nicht entsprachen. Diese Behauptung ist wenig glaubwürdig, denn es gab bei den Friedensverhandlungen durchaus Vertreter der Siegermächte, die sich entschieden gegen das ungerechte Diktat aussprachen. Ein prominentes Beispiel dafür ist John Maynard Keynes, der Mitglied der britischen Verhandlungsdelegation war und aus Protest gegen die inhumane Behandlung der Verliererstaaten von diesem Amt zurücktrat. Keynes schrieb unmittelbar danach das Buch: “The Economic Consequences of the Peace” (1920), in dem er die Politik der Siegerstaaten entschieden kritisierte.
    Wilson hat mit der Durchsetzung der Pariser Friedensdiktate gezeigt, daß seine edlen Ziele und humanitären Absichten nur vorgetäuscht waren. Was waren die wahren Motive für seinen Kriegseintritt?
    Warum führte Wilson Krieg?

    Wilson hatte 1916 den Wahlkampf für seinen Wiedereinzug ins Weiße Haus mit dem Slogan geführt: “He kept us out of war.” Kurz nachdem er mit einer sehr knappen Mehrheit wiedergewählt worden war, tat er alles in seiner Macht stehende, um die USA in den Krieg zu führen. Dabei war ihm durchaus bewußt, daß die Beteiligung an einem großen Krieg in Europa in den USA äußerst unpopulär war. Die von Wilson angestrebte Kriegsführung im großen Stil erforderte eine riesige Armee. Die USA waren aber darauf nicht vorbereitet. Entsprechend der Neutralitätspolitik der Gründerväter waren die Streitkräfte des Landes nicht auf einen Krieg gegen europäische Großmächte eingerichtet.
    Am 30.06.1916 verfügten die US-Streitkräfte über 179.000 Mann. Wilson hoffte, daß durch den Appell an patriotische Gefühle sich genügend Freiwillige für sein angestrebtes Millionenheer finden würden. Doch bald stellte sich heraus, daß bei vielen jungen Männern der Selbsterhaltungstrieb stärker ausgeprägt war als jede künstlich angeheizte kollektivistische Emotion. Trotz eines propagandistischen Trommelfeuers der Medien meldeten sich in den ersten 10 Tagen nach Kriegseintritt der USA nur 4.355 Männer freiwillig zum Militärdienst. Bis zum 24.04.1917 betrug die Zahl der Freiwilligen nur ein Sechstel von dem, was die Regierung erwartet hatte.
    In dieser Situation zeigte Wilson, wie wendig er sein konnte. Er, der bisher die Wehrpflicht abgelehnt hatte, schlug genau dies dem US-Parlament vor. Damit war er nach Abraham Lincoln der 2. Präsident der USA, der diese weitgehende Aufhebung der persönlichen Freiheit durchsetzte. In der Öffentlichkeit und sogar im Parlament war der Widerstand gegen diese Maßnahme groß. Viele fragten sich, ob es glaubwürdig sei, den preußischen Militarismus zu bekämpfen, indem man sein wichtigstes Merkmal, die Wehrpflicht, übernimmt. Im Kongreß war der Widerstand besonders bei den Abgeordneten der Demokratischen Partei, die aus dem Süden und Westen des Landes kamen, anzutreffen. Die Wehrpflicht wurde in Reden als “involuntary servitude” und “another name for slavery” bezeichnet. Der Sprecher des Repräsentantenhauses Champ Clark sagte, daß “…little difference between a conscript and a convict” besteht. Die Gesetzesvorlage Wilsons wurde vom US-Parlament abgelehnt, aber später unter dem Eindruck der ersten Kriegshandlungen in veränderter Form angenommen. Am Ende des Krieges standen in den US-Streikräften 4 Millionen Mann unter Waffen.
    Wilson nutzte die durch den Kriegseintritt erzeugte Krise, um die Macht der politischen Klasse massiv auszuweiten:

    Die Food Administration wurde im Mai 1917 gegründet. Durch den Lever Act vom 10.08.1917 bekam diese Behörde weitgehende Vollmachten. Sie vergab jene Lizenzen, ohne die ein Unternehmer, der mit Nahrungs-, Futter-, Düngemitteln und Treibstoffen zu tun hatte, sein Gewerbe nicht ausüben durfte. Sie setzte den Preis von Weizen und Kohle fest; konnte Nahrungsmittel und Treibstoffe einschließlich ihrer Produktionsanlagen beschlagnahmen; im eigenen Namen Geschäfte betreiben.
    Die Fuel Administration sollte vor allem die widerstrebenden Kohlebergwerke auf Regierungslinie bringen. Es war ihr erlaubt, Preise festzulegen und im Detail zu bestimmen, wer, was, wann, erhält. Dadurch geriet die Energieversorgung innerhalb kürzester Zeit so in Unordnung, daß die Gesamtwirtschaft zusammenzubrechen drohte. Die Schuld dafür gab Wilson dem Kapitalismus.
    Der War Industries Board wurde im Juli 1917 geschaffen. Er war eine Art oberster Planungsbehörde, sehr änlich dem, was wir aus der Kommandowirtschaft des real existierenden Sozialismus kennen. Bernard Baruch, der Leiter des WIB, sagte: “Instead of allowing prices to determine what would be produced and where it would go, we decided…how our resources would be employed.”
    Die War Finance Corporation betätigte sich als Bank für jene Unternehmen, die auf dem privaten Kapitalmarkt keine Kredite erhielten, weil sie dort von den staatlichen Schuldenmachern verdrängt worden waren. Über ihre Kreditbedingungen konnte die WFC einen Großteil der privaten Wirtschaft kontrollieren.
    Die War Labor Administration war mit der Regulierung des Arbeitsmarktes beauftragt. Der Leiter ihres War Labor Policies Board, Felix Frankfurter, war ein bekannter “progressive”, der seine Stellung nutzte, um gewerkschaftliche Forderungen durchzusetzen. Besonders schlagkräftig waren damals die Eisenbahnergewerkschaften, die die Gunst der Stunde nutzten, um drastische Lohnerhöhungen zu erzwingen.
    Die Railroad Administration übernahm die Eisenbahnen, die größte High-Tech-Branche der damaligen Zeit. Der Leiter dieser Behörde sagte von sich, daß er “…an authority that was…nearly absolute” besaß. Die RA erfüllte alle gewerkschaftlichen Forderungen. Zu ihrer Finanzierung erhöhte sie die Frachtraten um 28% und die Preise für Fahrgäste um 18%. Wirtschaft und Konsumenten wurden durch diese Preiserhöhungen hart getroffen. Doch diese reichten bei weitem nicht aus, um die enorm gestiegenen Kosten der Staatsbahnen zu decken, die fortan mit Steuergeldern subventioniert wurden.

    Zum Zeitpunkt des Waffenstillstands hatte die Regierung übernommen: Eisenbahnen, Transport auf dem Meer, Telefon- und Telegraph-Kommunikation. Sie kommandierte hunderte Unternehmen im erzeugenden Gewerbe; betrieb große Unternehmen auf eigene Rechnung im Bereich Schiffsbau, Weizenhandel, Hochbau; betätigte sich als Großbankier; regulierte eine Vielzahl von Wirtschaftszweigen, legte die Preise einer großen Zahl wichtiger Güter fest, hob die Vertragsfreiheit auf dem Arbeitsmarkt auf.
    Die Anzahl der zivilen Beschäftigten der Bundesregierung verdoppelte sich von 1916 bis 1918 auf 450.000. In den 20er Jahren gelang es unter der Präsidentschaft von Warren Harding den wuchernden Staatsapparat etwas zurückzudrängen. Doch selbst auf ihrem niedrigsten Stand in der Nachkriegszeit war die Zahl der Bundesbeschäftigten um 141.000 größer als vor dem Krieg. Hier liegt der Schlüssel zum Verständnis der Politik Wilsons. Die einzigen wahren Kriegsgewinnler sind die Intellektuellen aus dem “progressiven” Lager. Murray Rothbard stellte zu Recht fest: “Never before had so many intellectuals and academicians swarmed into government to help plan, regulate, and mobilize the economic system”. Ohne Krieg wäre diese Systemveränderung nicht möglich gewesen. Der listenreiche Weg Wilsons in den Krieg entsprach dem Klasseninteresse der Staatsbürokraten.
    Die Ausweitung des Staates mußte finanziert werden. Wilson erhöhte den niedrigsten Satz der Einkommensteuer von 1% (bis 20.000 $) in 1915 auf 6% (bis 4.000 $) in 1918. Der oberste Steuersatz wurde von 7% in 1915 auf 77% in 1918 erhöht. In 1916 gab es weniger als eine halbe Million Einkommensteuerpflichtige, in 1920 mußten 7.000.000 Millionen Bürger Einkommensteuer bezahlen. Auch andere Bundessteuern wurden erhöht. In den 20er Jahren gelang es Andrew Mellon, dem Secretary of Treasury von Warren Harding und Calvin Coolidge, die Einkommensteuersätze zu senken: den untersten Satz für Einkommen unter 4.000 $ auf 0,5%, für Einkommen von 4.000 $ bis 8.000 $ auf 2%, den höchsten Steuersatz auf 24%. Trotzdem waren die Steuereinnahmen des Bundes auf ihrem niedrigsten Stand in der Nachkriegszeit immer noch fünfmal höher als vor dem Krieg. Wilson bewirkte eine dauerhafte Veränderung in der Herkunft der Steuereinnahmen des Bundes: weg von den Konsumsteuern, hin zu Steuern auf Einkommen, Gewinn und Grundbesitz. Auch diese tiefgreifende Veränderung wäre ohne Krieg nicht durchsetzbar gewesen.
    Wilson wird heute von der politischen Klasse als “großer” Mann verehrt, und das aus ihrer Sicht mit einigem Recht. Der Kriegssozialismus Wilsons erwies sich als dauerhafte Einrichtung. Er konnte nur teilweise zurückgeführt werden und er öffnete den Weg in den übermächtigen Staat heutiger Prägung. Einige Jahre später konnte ein anderer “großer” Präsident, F.D. Roosevelt, nahezu unverändert auf die “Errungenschaften” und auch das Personal Wilsons zurückgreifen. Wilson hat das “Verdienst”, die Ideen der Gründerväter verraten und das Fundament des sozialistischen Wohlfahrtsstaates gelegt zu haben.
    Für diese edlen Ziele war Wilson bereit, andere Menschen einen hohen Preis zahlen zu lassen. Im 1. Weltkrieg sind 117.000 US-Soldaten gefallen, 204.000 wurden verwundet. Wir wissen nicht, ob die Opfer unter der europäischen Bevölkerung überhaupt eine Rolle in seinem Kalkül gespielt haben.
    Die Alternative

    “Every government is a scoundrel. In its relations with other governments it resorts to fraud and barbarities that were prohibited to private men by the Common Law of civilization so long ago as the reign of Hammurabi, and in its dealings with its own people it not only steals and wastes their property and plays a brutal and witless game with their natural rights, but regularly gambles with their very lives. Wars are seldom caused by spontaneous hatreds between people, for peoples in general are too ignorant of one another to have grievances and too indifferent to what goes on beyond their borders to plan conquests. They must be urged to the slaughter by politicians who know how to alarm them.” H. L. Mencken

    Literatur
    Raico, Ralph: World War I: The Turning Point. In: Denson, John V. (Hg.), The Costs of War. America’s Pyrrhic Victories. Transaction Publishers, New Brunswick and London, 2. Auflage, 2001.
    Rothbard, Murray: World War I as Fulfillment: Power and the Intellectuals. In: Denson, John V. (Hg.), The Costs of War. Ebd.
    Higgs, Robert: Crisis and Leviathan. Critical Episodes in the Growth of American Government. Oxford University Press, New York and Oxford, 1987.


     
     

  • Sir Toby:

    # NurEinGast

    Grade hab ich noch einen Beitrag als Antwort auf ihre Darstellung Wilsons abgeschickt … der anscheinend im Spam-Filter gelandet ist. Vielleicht wird er noch auftauchen, daher nur schon mal der Hinweis hier.

  • NurEinGast:

    @Sir Toby

    Vielen Dank für die Infos, verändert das Bild von Wilson nat. nachhaltig. Diesen besonders positiv darzustellen war aber auch nicht unbedingt meine Absicht. Angesicht dieser Fakten muß ich wohl an der einen oder anderen Stelle meine Darstellung überarbeiten, in den Grundfesten sehe ich sie allerdings nicht erschüttert.

    Sehr interessant ist der Beitrag aber auch ohne die Person Wilson im speziellen, vorallem die Fakten über den Sozialismus und dessen Folgen auf US-Boden sind mir in der Form vollkommen neu.

    Ich denke wir sollten das Thema erstmal ruhen lassen, zum einen weil dieser Artikel bald von der Hauptseite verschwindet und zum anderen weil das Thema von meiner Seite erstmal ausdiskutiert ist, ausserdem muß ich die neuen Fakten in ihrer voller Breite erst mal richtig “verdauen”.

  • Sir Toby:

    # NurEinGast

    “Ich denke wir sollten das Thema erstmal ruhen lassen, zum einen weil dieser Artikel bald von der Hauptseite verschwindet und zum anderen weil das Thema von meiner Seite erstmal ausdiskutiert ist, ausserdem muß ich die neuen Fakten in ihrer voller Breite erst mal richtig “verdauen”.”

    Kein Problem – ich wollte da jetzt sowieso keine private Endlosschleifen-Diskussion beginnen. Es war eben nur die … na ja, für meinen Geschmack etwas zu helle Darstellung Wilsons, die mich daran erinnerte, dass ich auch schon begründete andere Darstellungen gelesen hatte. Und deswegen fühlte mich berechtigt diese Darstellung als Antwort oder auch als Anregung, wie immer Sie es annnehmen wollen, einzustellen. Dazu fällt mir noch ein: Kennen Sie den ‘Großen Wendig’? Foristin Anna Luehse hatte mich in irgendeinem Kommentar darauf aufmerksam gemacht – und irgendwann hab ich mir das Buch besorgt. D.h. den ersten dicken Band von 3 dicken Bänden. Auch dort finden sich jede Menge Darstellungen – soweit ich als historischer Laie es beurteilen kann, allesamt ausreichend belegt – die in vielen Punkten ein anderes Licht gerade auch auf die deutsche Geschichte des letzten Jahrhunderts werfen. Aber das war nur noch eine Anregung zum Schluß, um diesen Faden hier erstmal abzuschließen.

  • Anna Luehse:

    # Sir Toby

    Danke für die ausführliche Information.  Die Web-Seite kannte ich noch nicht. Es sind auch andere lesenswerte Beiträge dort zu finden.

    # NurEinGast
    Empfehlenswert über die Entwicklung und politische Veränderung in USA “Charakterwäsche”, Caspar von Schrenck-Notzing. Manches wird leichter sicht- und erklärbar.

  • NurEinGast:

    @Sir Toby

    Sie liegen mit ihrer Anmerkung meine Darstellung Wilsons sei “etwas zu hell” angesichts der Fakten offensichtlich richtig. Ich sehe Ihre Beitrag als Anregung, hätten Sie mit mir einen Disput anfangen wollen so hätten Sie mir die Fakten, entsprechend dargeboten, einfach um die Ohren hauen können.

    Daher nehme ich den Literaturhinweis auch dankbar an, die drei Bände sind schon auf meiner Merkliste, jetzt brauche ich nur noch Zeit zum lesen… der Clausewitz setzt auch schon Staub an.

    @Anna Luehse

    Auch Ihnen Dank für den Literaturhinweis, auch dieser ist vermerkt.

    Ich für meinen Teil möchte, als Beitrag zur Grundlagenforschung, Psychologie der Massen (1891) von Gustave Le Bon empfehlen.

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