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Als der Dollar kollabierte

Original erschienen in Winkelried

Unsere “Qualitätsjournalisten” der (linken) Presse ziehen zur Zeit Vergleiche mit dem Staatsbankrott Argentiniens. Tatsächlich sei Griechenland in der gleichen Situation wie Argentinien damals, wenn es die EU nicht gäbe.

Doch die Schreiberlinge vergessen, dass Europa schon einmal eine ähnliche Situation erlebte, wie heute mit dem Euro. Das war 1971. Damals galt weltweit das System der fixen Wechselkurse. Alle Währungen wurden in einem fixen Wechselkurs zum Dollar festgelegt. Für den Schweizer Franken waren es 4,375 pro Dollar. Das System kollabierte.

Faktisch war damals der Dollar der “Welteuro”. Zwar hatte jedes Land seine eigenen Münzen und Noten, doch war das nicht viel mehr als eine lokale Konversionswährung zum Dollar. Der Handel auf der ganzen Welt wurde in Dollar abgewickelt.

 

Damals Vietnam, heute Bürokratie

Das System funktionierte auch solange recht gut, solange der Dollar auch den realen Wert besaß, zu dem er gewechselt werden musste. Das änderte sich aber in den 60erJahren. Die USA verstrickten sich in Indochina in einen Krieg der 1 Mrd. $ pro Tag kostete. Bezahlt wurde er mit Frischgedrucktem.

Die Folge war Inflation, doch das kümmerte die USA wenig. Sie konnten überall auf der Welt weiterhin mit ihrem Dollar einkaufen, der schon längst nicht mehr den realen Wert hatte, zu dem er gewechselt werden musste. Damit exportierten sie ihre Inflation einfach in die anderen Länder.

 

Inflation statt Kriegsdienst

Vor allem die Exportnation Deutschland war darüber nicht besonders erfreut und forderte (Regierung Schmidt) eine Korrektur des Wechselkurses. Die Amis wollten davon nichts wissen und forderten im Falle einer Wechselkursanpassung die Entsendung von deutschen Truppen nach Indochina. Dazu hatten die Deutschen schon gar keine Lust und schluckten vorerst die Kröte.

Irgendwann war das Missverhältnis zwischen dem Dollar und den anderen Währungen so krass, dass die meisten Länder nicht mehr mitmachen konnten. Am 23. August 1971 scherten fast alle Länder aus der Gold-Dollar-Parität aus.

Der Anfang machte der Schweizer Franken, wobei die Schweiz wahrscheinlich als Nicht-Nato-Mitglied als Hase vorausgeschickt wurde. Immerhin zogen alle anderen innert Stunden nach, mit der Begründung, die Schweiz sei auch ausgeschert. Die Folge war ein frei schwankendes Währungssystem, das sog. Floating. Der Wert des Dollars halbierte sich über Nacht.

 

Nichts gelernt

Doch es dauerte nicht lange und der europäische Integrationsprozess löste bei den Politikern wieder Allmachtsphantasien aus, nur diesmal bei den Europäern. Zuerst kam die Währungsschlange, dann das Europäische Währungssystem EWS und dann der Euro. Begleitet von den Fanfarenklängen der linken Gutmenschpresse wurde zusammengeführt, was nicht zusammengehört.

Und da sind wir jetzt. Der Euro ist bereits tot. Die Politiker wissen nur nicht, wie sie ihn beerdigen sollen.

13 Kommentare zu „Als der Dollar kollabierte“

  • Freidenker:

    “Und da sind wir jetzt. Der Euro ist bereits tot. Die Politiker wissen nur nicht, wie sie ihn beerdigen sollen.”

    Schlimmer, der Euro wird wie ein Patient im Wachkoma mit einer riesigen Maschinerie künstlich am Leben erhalten.
    Die Kosten für die “Maschinerie” werden aber “kreativ verbucht”,
    und so wird der Euro weiterleben, und uns bald wieder als Erfolg verkauft werden.

    In derzeit jeder Quasselsendung über den Euro beten die eingeladenen Systempolitiker die gleiche Mär herunter : Deutschland
    hat bisher am meisten von Euro profitiert, unsere Exporte….bla bla bla.
    Haben wir früher eigentlich nix exportiert, ist mir da was entgangen ???
    Einige wollen uns sogar erzählen das die Gelder ja Kredite sind, die zurückbezahlt werden, und wir am Ende sogar daran verdienen.
    Wenn das so todsichere Geschäfte sind, dann frage ich mich warum die Ackermänner dieser Welt alle schlafen, und der BRD den Profit überlassen ???

  • Freidenker:

    Angenommen Griechenland macht eine geordnete Insolvenz mit Austritt aus der Währungsunion, wie wären die Auswirkungen ???

    1. Der Euro würde zumindest mittelfristig wieder stärker gegenüber dem Dollar dastehen.
    2. Die Banken müssten ihre Forderungen größtenteils abschreiben.
    (Risiko, deshalb doch die hohen Zinsen, oder?)
    3. Der Machtbereich der EU-Bürokraten würde etwas kleiner werden.
    4. Die andern PIGS wüssten genau was auf sie zukommt wenn sie so weitermachen.

    Es gibt also genügend “Interessensgruppen” die mit der derzeitigen Situation ganz gut fahren.

  • Freidenker:

    “Die Amis wollten davon nichts wissen und forderten im Falle einer Wechselkursanpassung die Entsendung von deutschen Truppen nach Indochina.”

    Zum “Brunnenbohren” nach Indochina, damals undenkbar, heute “bohrt” der Michel in Afgahnistan, damit der Petrodollar weiter rollt, und die Bundesmutti zu Hause rettet derweil noch den Euro.

  • Freidenker:

    “Doch die Schreiberlinge vergessen, dass Europa schon einmal eine ähnliche Situation erlebte, wie heute mit dem Euro.”

    Es gibt auch ein Positivbeispiel : Die Reichsgründung 1871, auch eine Währungsunion, mit der Einfürung der Mark und gleichzeitiger Aufhebung aller Zollschranken im Reich.
    Allerdings waren die wirtschaftlichen und kulturellen Unterschiede innerhalb des Reiches geringer als in der EU.
    Dieses Modell war so erfolgreich das es viele Neider auf den Plan rief, der Rest ist Geschichte…

  • Freidenker:

    Meine derzeitige Euro Traumkonstellation

    Deutschland
    Österreich
    Niederlande
    Belgien
    Frankreich
    Dänemark
    Finnland
    Schweiz
    Norwegen
    Schweden
    Luxemburg
    eventuell noch GB und Italien, aber nur vielleicht.

    Und der Euro hätte den Dollar als Weltreservewährung schon längst abgelöst.
    …man wird doch mal träumen dürfen. :-)

  • Freidenker:

    Der Spon titelt gerade “110 Milliarden Hilfe für Griechenland”.

    Laut Wikipedia hat Griechenland grade mal 11 Millionen Einwohner, wenn man die im Raum stehenden Summen, und die bisher geflossenen Subventionen mal pro Kopf umlegt, dann fragt man sich schon was die da unten mit der ganzen Kohle bisher gemacht haben.

    Jeder Grieche hat ja nun auch wieder nicht ne Villa mit Pool, oder ?

  • ThePassenger:

    @Freidenker

    Jeder Grieche hat ja nun auch wieder nicht ne Villa mit Pool, oder ?

    Villa mit Pool vielleicht nicht, aber schau halt selber mal nach:

    http://www.bauen-aber-richtig-weblog.de/50226711/wie_lange_bleibt_deutschland_ein_schlualicht_bei_der_wohneigentumsquote.php

  • Freidenker:

    Bin echt mal auf die NRW-Wahl gespannt, das Eurodebakel kostet der CDU bestimmt ein paar Prozentpunkte, und die SPD kann wie eigentlich keine der im Bundestag sitzenden Parteien Kapital daraus schlagen.
    Die Volksparteien werden weiter abschmieren, wo kein Volk, da auch keine Volksparteien, weiterhin niedrige Wahlbeteiligung, und ganz leichte Zuwächse unter den “Sonstigen”.
    Am Lauf der Welt und der EU wird sich eh nichts ändern, wie war es neulich in einer schweizer Zeitung zu lesen “EU ist wenn Deutschland bezahlt”.

  • Freidenker:

    Apropos Schweizer, nach den Prognosen unserer Politikclowns müsste die Schweiz als nicht Nato und nicht EU-Mitglied mit gerademal vier Minaretten mittlerweile auf dem Stand eines 3.Welt Landes angekommen sein.
    Muss doch demnächst hinfahren, und mir das rückständige Land mal anschauen, müssen ja bürgerkriegsähnliche Zustände dort herrschen,
    bei der Anzahl von Schnellfeuergewehren in Privathaushalten.
    Egal, wollte eh mal wieder einen Abenteuerurlaub machen, als BRD-Bürger ist man dem Paradies hier irgendwann auch überdrüssig.
    Ironie aus.

  • HansImGlueck:

    110 Milliarden? Seit gerstern ueberholt. Es sind jetzt schon 146! Rien ne va plus?

    http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601087&sid=aJ.lqzE8caFw&pos=1

  • hedelfinger:

    H. Schmidt war 1971 noch kein Kanzelohr, er wurde es erst 1974.
    1971 war Uhse Willy dran, mit seinen schuldenfinanzierten Rrrreforrrrmen.

  • Ulli:

    Richtig, mit der Großen Koalition fing alles an, mit Willy gings dann rasend schnell zu Tal. Der Helmut hat das Tempo dann etwas drosseln können, der dicke Helmut hat dann alles vermasselt, weil er Geld brauchte, um sich im Ausland seine Freunde kaufen zu können.

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