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Endzeit IV

“Am Ende der verlorenen Schlacht”, so liest man immer wieder, “lösten sich die Truppen auf, und die einzelnen Soldaten suchten ihr Heil in der Flucht.” – Wer muß nicht an ein solches Szenario denken, wenn in diesem Jahre ein Rücktritt nach dem anderen erfolgt?

Nach Hessens Koch und dem Bundespräsidenten Köhler trat Jürgen Rüttgers zurück, schon bevor sich seine Gegenkandidatin im Landtag Nordrhein-Westfalens zur Wahl stellte.

Nachdem Frau Käßmann alkoholisiert eine Fahrt mit ihrem Auto durch Hannover unternommen und erwischt worden war trat sie als Ratsvorsitzende der EKD zurück. So gab es in jenem Falle immerhin ein Fehlverhalten, das Konsequenzen nach sich ziehen mußte, obwohl es einige Tage dauerte, bis es so weit war. – Nun aber hat ihre Amtsschwester, Frau Jepsen, ebenfalls ihren Rücktritt erklärt, obwohl noch nicht einmal klar ist, ob sie sich tatsächlich etwas hat zu Schulden kommen lassen; die Medien verweisen dabei nur zu gern auf den aus seinem Amt gemobbten Bischof Mixa, ohne zu erwähnen, daß sich die Mißbrauchsvorwürfe gegen ihn nicht bestätigt haben.

Nun also Hamburgs Bürgermeister von Beust. Er tritt zurück, noch bevor die für den Volksentscheid abgegebenen Stimmen ausgezählt worden sind. Im letzten Absatz seiner Erklärung spricht er von seiner “Freude am Amt des Bürgermeisters”. Doch den von ihm Regierten ist diese schon längst vergangen; eine etwas asketischere Auffassung von der Ausübung eines öffentlichen Amtes hätte ihnen womöglich den Scherbenhaufen erspart, den von Beust hinterläßt. – Aktualisierung: Um 23 Uhr kam dann auch das Ergebnis des Volksentscheids herein: Gegen sämtliche Rathausparteien mit steuerfinanzierter Werbung, Schulleiter und die professionelle Pädagogik hat sich der Bürgerwille unbeirrt gezeigt.

7 Kommentare zu „Endzeit IV“

  • Zwei gute Nachrichten an einem Tag: Ole von Beust [formal CDU] endlich zurückgetreten und die Schul”reform” per Volksentscheid gekippt.

    Sehr gut.

  • AlbrechtD:

    Das mögen zwar zwei gute Nachrichten sein, aber…
    Ich warte noch immer auf die beste Nachricht aller Zeiten:
    „Der letzte Moslem hat Europa verlassen…“

  • Merkel wirtschaftet die CDU kaputt. Das musste ja so kommen, wenn sich ein derartiger Machtmensch allein mit dem Verweis in dieses und jenes Amt gehöre ja nun endlich mal eine Frau den Weg zur Alleinherrschaft über eine ehemalige Volkspartei hochboxt.
    Friedrich Merz, Jörg Schönbohm, Roland Koch – die letzten CDU-Politiker sind alle längst abserviert.

  • Anna Luehse:

    Warum denke ich dabei an das Lied: Zehn kleine Negerlein ?
    Das tut jedenfalls sehr gut.

  • Ich las gerade kürzlich, dass SPD und CDU nur von ca. 5% jungen Deutschen gewählt werden – das Hauptwählerklientel rekrutiert sich ab ü40 aufwärts. Wobei beide Parteien in Bezug auf Mitgliedszahlen und Wahlstimmen massiv erodieren.

    Gäbe es heute eine Krankheit oder Pandemie, die vor allem die ü40er träfe und hinwegraffte – SPD und CDU kämen in nulla komma nix auf den Stand einer winzig kleinen Splitterpartei.

  • Freidenker:

    @ Judith

    Mein Vater ist auch ein strammer Volkspateienwähler, wie viele seiner Generation.
    Seine Infos bezieht er aus der Tagesschau, Internet hat er nicht.
    Schimpfen tut er wie ein Rohrspatz, aber s´Kreuzle macht er trotzdem immer am gleichen Fleck.
    Wenn ich ihm ein paar Hintergrundinfos aus dem Netz über seine Partei erzähle, schaut er mich an wie ein kleines Kind das soeben erfahren hat das es den Osterhasen gar nicht gibt.
    Schade, seine Generation hat viel geleistet, und wird als Dank dafür von den MSM für dumm verkauft.

  • Freidenker:

    Erschwerend hinzu kommt noch das eben diese Generation, wenn sie überhaupt nicht mit der Politik einverstanden ist, einfach nicht zur Wahl geht.
    Und dann kommen sie sich dabei noch vor wie Rebellen, und prahlen damit am Stammtisch.
    In Wirklichkeit habe sie ihren winzig kleinen Rest der Einflussnahme, über den sie verfügen, einfach weggeschmissen.
    Auf das andere in ihrem Interesse wählen, oder wie ? Es ist echt zum heulen.

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