Inhaltsverzeichnis

Geld für Ankara

Anläßlich des geplanten EU-Beitritts der Türkei  zu Beginn 2014,  hier noch einmal ein Artikel von vor zwei Jahren – ein kleiner Abriss über die Milliarden, die als “Heranführungshilfe” bereits umverteilt wurden.

______________________________________________________________________
Die Türkei hängt am Tropf der EU-Fördergelderprogramme – Programme, die das “Gefälle” zwischen reichen und armen Ländern verringern soll, übersetzt: Umverteilung. Sie firmieren als Heranführungshilfe an die EU, heißt: Beitrittsaspiranten.

Von 2002 – 2006 erhielt die Türkei aus dem PHARE-Strukturfonds ca. 1.5 Milliarden EURO [Einzelauflistung hier].  Phareprojekte werden zu 75 % aus dem EU-Haushalt finanziert  die restliche Summe müssen die nationalen Haushalte mitfinanzieren.

Ab 2007 schloss die EU-Kommision die  oben genannten Vorbeitrittshilfen PHARE, ISPA und SAPARD zu einem Fond zusammen: IPA. Daraus erhielt die Türkei von 2007 – 2008  1,1 Milliarden Euro, von diesem Jahr bis 2012 sind weitere 3 Milliarden vorgesehen. [Einzelauflistung hier und hier]

Zusätzliche EU-Fördergelder von 600 Mio. Euro flossen 2007/2008 hauptsächlich in Verkehrs- und Umweltprojekte: in den Provinzen Malatya, Elazig, Erzurum, Van, Gaziantep, Diyarbakır, Şanlıurfa, Samsun, Trabzon, Konya, Kayseri und Sivas

Die Bankenkrise hat allerdings auch die Türkei im Griff: Im Oktober des vorigen Jahres rief das Land den IWF um Hilfe an – in diesem Monat entscheidet der IWF über einen Kredit von 25 Milliarden Dollar [ca. 18 Milliarden Euro] an die Türkei.

Übrigens: Wer sich diese  Einzelauflistung anschaut, stellt fest, dass ab 2004 die Gelder für die Türkei massiv aufgestockt wurden. Den Grund dafür erklärt dieser Artikel vom Handelsblatt 2003: Verbunden mit einer scharfen Warnung an die Türkei vor einer Offensive gegen den Irak hat die EU-Kommission eine massive Aufstockung der Hilfen für Ankaras Vorbereitung auf einen EU-Beitritt beschlossen.

Wie wir heute wissen, hat diese Form der “Argumentation” gegen eine Teilnahme am Irakkrieg funktioniert. Wir Deutschen können außerdem mit Fug und Recht sagen, dass wir – als die größten Nettozahler der EU- die Türkei mit aufgebaut haben. Und nicht zu knapp.

18 Kommentare zu „Geld für Ankara“

  • MoMo:

    Verbunden mit einer scharfen Warnung an die Türkei vor einer Offensive gegen den Irak hat die EU-Kommission eine massive Aufstockung der Hilfen für Ankaras Vorbereitung auf einen EU-Beitritt beschlossen.

    Alles hat eben seinen Preis und die Türken sind geplatzt vor Stolz weil sie gedacht haben ihr großer Führer habe den USA die rote Karte gezeigt. Egal. Erdogan weilt heute übrigens in Brüssel, es geht um den Türkei-Beitritt zur EU.

  • AvK:

    @MoMo

    Die Schröderfans waren auch nicht besser. Haben sich auf die Backen malen lassen, das Schröder/Fischer Duoinfernale hätte Nein zum Irakkrieg gesagt und begeistert gejubelt. Dabei wurde fast alles rübergeschickt, außer eben Bodentruppen. Um die hatte aber auch keiner gebeten.

  • frank:

    Egal ob Türkei oder irgendein anderes Land, Deutschland dürfte bei der katastrophalen Schuldenlage keinen einzigen Cent verschenken. Die Schulden müssen abgebaut werden, alles andere ist Wahnsinn. Doch leider scheinen fast nur Wahnsinnige an den Heblen der Macht zu sitzen und die müssen schnellstens abgewählt werden, sonst reißen sie Deutschland mit in den Untergang. Sicher wurde in den letzten Jahrzehnten schon viel ruiniert in Deutschland aber das Blatt kann immernoch gewendet werden. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

  • “….müssen schnellstens abgewählt werden, sonst reißen sie Deutschland mit in den Untergang.”
    Hessen hat es leider nicht gesehen;  Grüne mit Zuwachs???
    Untergang Deutschlands ist vorprogrammiert, so die Kultur und Stellung des Westens.
    Wenn man an GB, Churchill denkt ist es als Deutscher sogar genüsslich deren Entwicklung zu sehen. Nur sitzen wir alle in einem Boot.
    DE gehört allerdings nur  der Platz der Galeeren Ruderer….rate mal wer der “Drummer” ist…

  • Tobias:

    Interessant wäre es, zu erfahren, wieviel der türkische Staat in Deutschland schon für seine Ditib-Moscheen ausgegeben hat. Diese Gelder von der Förderung abzuziehen wäre das mindeste, was geschehen müsste. Wir mästen unsre Feinde.

  • Tobias:

    Interessant übrigens auch, wie sich die Türkei für den Geldsegen gerade bedankt: »Türkei spielt in EU-Beitrittsgesprächen die Energiekarte«
    http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEBEE50I0CB20090119

  • Sir Toby:

    # Judith

    “Wir Deutschen können außerdem mit Fug und Recht sagen, dass wir – als die größten Nettozahler der EU- die Türkei mit aufgebaut haben. Und nicht zu knapp.”

    Das ist ja nun völlig falsch. Jeder Türke, der um die wahren Zusammenhänge weiß, kann Dir sagen, dass die Türken Deutschland aufgebaut haben – nicht umgekehrt.    :D

  • virOblationis:

    Tobias schrieb:
    “Interessant übrigens auch, wie sich die Türkei für den Geldsegen gerade bedankt: »Türkei spielt in EU-Beitrittsgesprächen die Energiekarte«”

    Erdogan versucht, mittels der Nabucco-Leitung bereits zu erpressen, bevor sie gebaut ist. Wie wird es erst sein, wenn es sie einmal gibt?

  • @Tobias

    Ich weiß nur, dass wir Steuergelder in Höhe von 6 Millionen Euro in den Bau der Erkelenz-Moschee gezwungen waren zu zahlen. Mit ‘gezwungen’ meine ich: Wir, die wir das Geld erarbeiten – nicht  unsere Regierung. Die tat das m.E. freiwillig und im Zuge ‘gelungener Innenpolitik’.

  • @Sir Toby

    Noch so eine Legende in Deutschland, und eine der ‘tragenden Säulen’ gutmenschlicher Argumentation.  Dabei zeigt schon der schiere Zeitpunkt, ab dem die ersten türkischen Gastarbeiter kamen, wie verlogen das ist – und eine weitere Abwertung unserer Urgroßmütter und Großmütter ist es außerdem.

    Dabei hat Heike Knorz in ihrem Buch ‘Diplomatische Tauschgeschäfte’ gut dargelegt, dass die Entsendeländer darum gebeten hatten, ihre Leute zu schicken, um eigene, innenpolitische Problem [Armut, Geburtenüberschuss, Arbeitslosigkeit] so zu minimieren. Und die deutschen Regierungen diesem Ansinnen Rechnung trugen, weil wir, als Exportnation, schon damals halbwegs potente Staaten als Absatzmarkt brauchten.

    Danke übrigens Sir Toby. Das gibt Stoff für ein, zwei neue Artikel [bei Gelegenheit]:  Auf welchen ‘Glaubenssäulen’ ruht die BRD und inwieweit entsprechen sie den Realitäten.

  • Sir Toby:

    # Judith

    Wenn Du diese ‘Glaubenssäulen’ benennst, bringst Du allein damit die Bundesrepublik ja schon (fast) zum Einsturz…

  • @Sir Toby

    Es geht nicht um ‘Einsturz’ , sondern darum, Debatten nicht weiter mit den ewig gestrigen Argumentationsstereotypen zu führen. Man denke da nur an das Mantra rot-grüner Politiker: ‘Wir haben Arbeiter geholt und Menschen sind gekommen’ was dann suggeriert, dass die ‘Arbeiter die wir geholt haben’ alles fordern können.

    Selbst wenn dieser Glaubenssatz ‘wir haben geholt’ stimmte, ist er als Druckmittel absurd, denn die Leute wurden ja nicht auf Sklavengaleeren in’s böse Deutschland zwangsverfrachtet sondern kamen freiwillig und verdienten, im Gegensatz zu ihrem Heimatland, hier gutes Geld.  Und ein Arbeitsvertrag ist noch lange kein Blankogutschein für Dauerbleiberecht.

    Wenn Heike Knortz Einschätzung stimmt, dann haben wir sie aber nicht einmal ‘geholt’, sondern ihre Herkunftsländer haben am Bundeskanzleramt angeklopft und darum gebeten.

    Excuse moi, aber ich muss jetzt los, die Arbeit ruft.

  • Flo:

    “Phareprojekte werden zu 75 % aus dem EU-Haushalt finanziert  die restliche Summe müssen die nationalen Haushalte mitfinanzieren.”

    Woher wohl die 75% aus dem EU-Haushalt stammen? Scheinbar wohl auch aus den Haushalten der Nationalstaaten!

  • AvK:

    @Sir Toby, Judith

    Helmut Schmidt hat diesen Unsinn von den Türken die die “BRD aufgebaut haben” keine Sekunde geglaubt. Wenn man Artikel liest, die 1982 noch gedruckt worden sind, sieht man, wie weit die rot-grüne 68iger Mischpoke das Land schon in die Gesinnungsdiktatur getrieben hat.

    Der Engpaß sei so groß, daß er die Bitte der oberbayerischen Hotellerie, Ausnahmen beim Anwerbestopp für ausländische Arbeiter zu machen, nur mit Nachdruck unterstützen könne. Helmut Schmidt war anderer Meinung. Er schlug mit der flachen Hand auf den Tisch und donnerte wie Prinz Eugen vor der Schlacht um Wien: „Mir kommt kein Türke mehr über die Grenze.”
    Wo ein Wille ist, ist noch lange kein Weg. Wer sich in den Bonner Amtsstuben über den Diskussionsstand in der Ausländerfrage informiert, wird bald gewahr, daß der Regierungschef mit dem Willen, die Flut der Ausländer auf dem deutschen Arbeitsmarkt einzudämmen, auf einsamem Posten steht. Seiner Ansicht nach haben wir nur die Wahl in zehn Jahren vier Millionen Türken (jetzt 1,5 Millionen) zu beherbergen oder etwas dagegen zu tun.

    Quelle

  • @AvK

    Das ist um so widerwärtiger als Deutschland sowieso überbevölkert ist. Es wäre interessant zu untersuchen, inwieweit diese Überbevölkerung  zur Absenkung der Geburtenrate geführt hat. Nicht bewusst – aus einem Instinkt heraus [und dank machbarer Empfängnisverhütung]. Aber das ist ja “Vulgär-Darwinismus” und darf deshalb höchstens in kleinen, wissenschaftlichen Zirkeln diskutiert werden.

    Genau wie die “Ethno-Medizin” – eine beschönigende Umschreibung dafür, dass unterschiedlichen Rassen auf Wirkstoffe unterschiedlich reagieren. Widerspricht alles der herrschenden Ideologie des “Einheitsmenschen” und darf deshalb kein öffentliches Thema sein.

  • […] Jetzt die schlechte Nachricht: Auch die Zahl der Asylbewerber ist deutlich gestiegen: Die größte Gruppe stellten die 3168 Antragsteller aus dem Irak, gefolgt von den 1120 den aus Afghanistan. An dritter Stelle landete die Türkei mit 722 Antragstellern. Vor allem der Asylstatus für Menschen aus der Türkei ist ein Hohn, weil die Türkei gleichzeitig als EU-Beitrittskandidat bejubelt wird und auch dementsprechen finanzielle Zuschüsse in Millionenhöhe erhält. [Siehe: Geld für Ankara]. […]

  • […] —— [1] Quellen: Centrum für angewandte Politikforschung [2] Wieviel Geld die EU ihrerseits der Türkei im Rahmen diverser “Förderprogramme” bereits zugeschustert hat,  können Sie hier nachlesen: Geld für Ankara […]

  • […] Was für eine herrliche “Elite” – ein echtes Vorbild für alle Bürger. …. Wieviel Geld die Türkei via Förderprogramme von der EU bekommt – und damit von uns Deutschen als dem größten Nettozahler der EU – habe ich früher  schon mal aufgdröselt: Es sind  Milliarden. Geld für Ankara. […]

Kommentieren