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Gedankensplitter (25. März ‘ 15) Fortsetzung

Allem Anschein nach ist das Flugzeugunglück mit so vielen Toten am gestrigen Tage durch den Co-Piloten der Maschine bewußt herbeigeführt worden. Jetzt fragt man sich natürlich nach dem Grund. Der tote Täter selbst scheint geschwiegen zu haben; das Stimmenaufzeichnungsgerät hat nur sein Atemgeräusch aufgenommen, keine Botschaft an die Nachwelt o.ä. Handelte es sich vielleicht um einen außergewöhnlichen Selbstmord, der viele andere eben mit in den Tod riß?

Wenn den Co-Piloten irgendeine saeculare oder religiöse Ideologie zu seinem Verbrechen angestiftet hätte, dann wäre zu erwarten gewesen, daß ein entsprechendes Bekenntnis abgelegt wird. Dies ist offenbar nicht geschehen. Aus denselben Gründen scheidet wohl auch ein herostratisches Motiv aus, da der Täter doch wahrscheinlich – im Vorgriff auf die erwartbare Reaktion der Nachwelt – hörbar triumphiert hätte, als ihn nichts mehr von seiner Untat zurückzuhalten vermochte.

“Ratio enim boni in hoc consistit, quod aliquid sit appetabile, unde Philosophus in 1 Ethic. dicit, quod bonum est quod omnia appetunt.” (S. Th. q 5 a 1 co) Der Begriff des Guten nämlich besteht darin, [daß etwas gut ist], weil (irgend)etwas [bzw. es] begehrenswert ist. Daher sagt der Philosoph [Aristoteles] in Ethic Nic 1[, 1 1094 a], daß gut ist, was alle begehren. – Im griechischen Original heißt es etwas vorsichtiger: …[jede] Handlung und [jede] Auswahl scheint zu streben nach (irgend)einem Guten. Damit ist nicht etwa gemeint, daß alle stets dasselbe konkrete Gut begehren, sondern daß das, was jeder einzelne für sich und insofern alle begehren, ein Gut für sie darstellt; dies schließt nicht aus, daß das höchste Gut, dessen Aneignung glückselig macht, letztendlich für alle dasselbe ist. – Der Wille des Menschen richtet sich stets auf etwas, daß ihm als ein erstrebenswertes Gut erscheint. Könnte es sich im aktuellen Falle um den eigenen Tod gehandelt haben, so daß der Co-Pilot ihn erstrebte?

Es würde der Natur des Menschen widersprechen, sich selbst etwas Schlechtes als solches zu wünschen. Doch kann ein Gut begehrt werden, das mit etwas Schlechtem verbunden ist: “Sed aliquid malum appetitur per accidens, inquantum consequitur ad aliquod bonum.” (S. Th. I q 19 a 9 co) Aber (irgend)etwas Schlechtes wird nebenbei begehrt, so weit es nachfolgt (zu irgend)einem Guten. M.a.W. man erstrebt ein bestimmtes Gut und nimmt für dessen Erlangung auch ein damit verbundenes Übel in Kauf. Sich selbst zu töten, dürfte also kaum das Hauptanliegen des Co-Piloten gewesen sein; dazu hätte er auch nicht zu warten brauchen, bis der Pilot einmal das Cockpit verläßt. Vielmehr wird der Co-Pilot den eigenen Tod als Begleiterscheinung in Kauf genommen haben, um eine große Anzahl von Menschen umzubringen.

Es handelte sich bei denen, die auf solche Weise den Tod fanden, nicht um eine ethnisch, religiös oder sonstwie definierte Gruppe von Menschen, sondern um eine zufällig zusammengesetzte Menge. – Ausgeschlossen ist es freilich nicht, daß es dem Täter nur um den Tod eines oder mehrerer bestimmter Menschen aus der Menge ging, während der Tod der übrigen dabei lediglich hingenommen wurde, doch wahrscheinlich dürfte dies nicht sein, denn dazu wäre kein Massenmord nötig gewesen. Offenbar bildete ein allgemeiner Menschenhaß das Motiv für das Verbrechen, der so groß war, daß die sich bietende Gelegenheit, eine größere Menge von irgendwelchen Leuten umzubringen, genutzt wurde, obwohl dabei auch das eigene Leben verloren ging. Es handelte sich demnach nicht um einen besonders rücksichtslosen Selbstmord, sondern um einen Massenmord, bei dem der Täter sich selbst nicht schonte, und womöglich fand er noch Gefallen an dem Gedanken, man würde nach dem Unglück über sein Motiv rätseln und schwieg um so beharrlicher, bis der Aufprall endlich erfolgte.

Vorausgesetzt, daß die Umstände des Geschehens zutreffend rekonstruiert worden sind, dann zeigte sich die Fratze eines monströsen Verbrechens aus diabolischem Haß ausgerechnet am Vortage von Mariae Verkündigung, dem Fest der Menschwerdung Gottes aus Liebe zu seinen Geschöpfen.

 

7 Kommentare zu „Gedankensplitter (25. März ‘ 15) Fortsetzung“

  • Lisje Türelüre aus der Klappergasse.:

    Ich bin einfach entsetzt!
    Mögen die armen Opfer das Heil ihrer Seelen finden.

  • Unke:

    Es muss(!) zu ihm eine psychiatrische/psychologische medizinische Akte geben, da er ja (aus eigenem Antrieb?) bei entsprechendem Arztpersonal vorstellig geworden ist.
    Beispielsweise machen sich Psychiater ausführliche Notizen (bzw. schreiben Berichte für die Krankenkasse) über Art und Inhalt der Symptomatiken.
    Ob der Inhalt dieser Aufzeichnungen jemals öffentlich gemacht wird oder die Unterlagen gar verschwinden wird in (naher) Zukunft die spannende Frage sein.
    .
    Der konkrete Anlass für die Tat ist wohl banal genug: seine Freundin hatte ihn verlassen. (Um -mit Lisa Ortgies- das Gender-Faß aufzumachen: ist eine solche Tat nun “typisch Mann” oder ist ihr Auslöser “typisch Frau”?)
    Da ist also ein eher alltäglicher Vorgang auf eine unreife* und zu extremen Reaktionen fähige (schizophrener Narzisst?) Persönlichkeit getroffen.
    .
    * da hat also -wieder einmal- die Unkenntnis über das Wesen der Frau und wie Mann sich, die gesellschaftlichen Verhältnisse berücksichtigend, dazu verhalten sollte (nein: MUSS!) vielen Menschen das Leben gekostet. Wären Game und PUA weiter verbreitet ließen sich solche Tragödien verhindern.

  • Rucki:

    “… daß jeden die Stunde erwartet, in der er vor seinen Richter zu treten hat, der von ihm Rechenschaft darüber fordert, wozu ihm seine Lebenszeit gedient hat.”

    Diese letzte, sozusagen transzendende Sicherung, hat anscheinend vor allen Dingen dem CO-Piloten gefehlt, so es sich denn so zugetragen hat.

  • Boszeckel:

    Ich denke, Sie haben nicht viel Ahnung von depressiven Menschen. Wer sein eigenes Leben verabscheut, es aufgeben will, verliert den Blick für anderes, vor allem fremdes Leben völlig. Ein zur Selbsttötung entschlossener Mensch denkt überhaupt nicht mehr an die Menschen, die er eventuell mit in den Tod nimmt, er denkt nur noch an sich und seinen Wunsch, nicht mehr leben zu müssen. Höchstens die Sorge um ihm sehr nahestehende Menschen (eigene Kinder, Ehepartner) kann dann noch vom Suizid abhalten.
    [vO: Seinen eigenen Tod hätte der Mann jeder Zeit und auf einfachste Weise finden können, wenn es ihn so sehr dazu gedrängt hätte. Doch eben das unternahm er nicht, sondern nutzte die sich ihm – nach wie langer Wartezeit? – bietende Gelegenheit, 149 andere Menschen mit in den Tod reißen, oder besser: 149 andere zu töten, obwohl es ihn das Leben kostete.]

  • Boszeckel:

    Wartezeit?
    Ja eben, manchmal zieht sich die “Wartezeit” über Jahre hinweg, man hofft immer noch, daß sich das Leben ändert, zum Besseren wendet. Und plötzlich ist der “Eine Moment” da (unwichtig, ob es diese Möglichkeit oder andere vorher schon gab), wird ohne weitere Überlegungen final gehandelt. Bei suizidalen Menschen sollte man keine Logik oder auch nur “normale” Gedankengänge annehmen, sie handeln sehr irrational, was gesunde Menschen dann gar nicht verstehen können und in der Handlung nach – der nicht vorhandenen – Logik suchen. Die einzigen Überlegungen eines zum Suizid entschlossenen Menschen richten sich auf die für IHN angenehmste Art (wenn man es so sagen kann) des Sterbens. Und für einen begeisterten Piloten ist das eventuell ein Absturz. Ich glaube, dieser Mann empfand keinen Haß auf seine Passagiere, er dachte gar nicht an sie, bzw. sie waren ihm gleichgültig!

  • rem:

    “… dem Fest der Menschwerdung Gottes aus Liebe zu seinen Geschöpfen”

    so groß kann die liebe nicht sein, sonst hätte er den türöffner betätigt.

    [vO: Das irdische Leben jedes Menschen endet früher oder später; selbst der wiederauferweckte Lazarus mußte sterben. – Die Liebe Gottes besteht gerade darin, daß uns eine über das irdische Dasein hinausreichende Perspektive eröffnet wird. Wunder sind nur Zeichen, die darauf hinweisen.]

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