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Rückblick auf den hiesigen Maoismus sowie weitere politische Strömungen zwischen Alter und Neuer Linker (17)

Maoistische K-Gruppen hatten als Avantgarde der aus dem Pazifismus hervorgegangenen und in die Umweltbewegung eingemündeten Anti-AKW-Bewegung eine Verankerung in der Gesellschaft gesucht, die jedoch nie vollkommen authentisch sein konnte, denn das Ziel der Maoisten blieb der über den Marxismus-Leninismus zu erreichende Kommunismus, während der Umweltschutz in Gestalt der Anti-AKW-Bewegung die Welt vor dem Hantieren des weißen Mannes mit spaltbaren Materialien retten wollte; man konnte allerdings ein Stück des Weges gemeinsam zurücklegen, da Lenin 1920 in der Vierten Sitzung des II. Kongresses der Kommunistischen Internationale die Abwendung vom [sozialdemokratisch dominierten] Proletariat der Industrieländer vollziehend „die zurückgebliebenen Völker, die sich jetzt befreien“, zu eigentlichen revolutionären Subjekt während der Phase des Imperialismus erklärt hatte (s. dort): Wenn man im Weißen, vorzugsweise dem Mann, deren Gegenspieler sah, dann ergab sich daraus eine gewisse Übereinstimmung mit den Zielen des Umweltschutzes. – Auch die undogmatische Linke – abgesehen von ihren terroristischen Teilen, deren Ableger auch weiterhin versuchten, den Staat zu zerstören, um den Kommunismus gemäß anarchistischer Utopie anbrechen zu lassen, – wandte sich mit ihren Aussteigern, Alternativen und Anomalen dem Umweltschutz zu und verbündete sich mit Naturschützern, indem sie vorgab, doch dasselbe Ziel zu verfolgen wie diese; die geistige Verbindung von undogmatisch-anarchistischer Linker und Umweltschutz bestand darin, daß beide eine Lebensform jenseits des vom weißen Mann dominierten und repräsentierten Gesellschaftssystems erstrebten.

So fanden K-Gruppen und undogmatisch-anarchistische Linke über den Umweltschutz zusammen, was seinen organisatorischen Ausdruck schließlich in der Gründung der Partei der Grünen fand (1980); ein zweiter Zweig der Neuen Linken neben dem sozialdemokratischen mit seiner Sozialindustrie begann Gestalt anzunehmen. Ihre Verankerung in der Gesellschaft verdankten die grünen Umweltschützer vor allem Bürgerinitiativen, an deren Stelle später von Stiftungen finanzierte NGOs traten. – Über den Umweltschutz ließ sich auch die us-amerikanisch inspirierte Frauenbewegung samt Pazifismus in den zweiten Zweig der Neuen Linken integrieren, denn der Umweltschutz wollte die Welt vor dem Schmutz des weißen Mannes retten, der Pazifismus dieselbe vor dessen Kriegslüsternheit, und die Frauenbewegung wollte die gesellschaftlichen Verhältnisse umkehrend sich selbst vom weißen Mann befreien (s. dort).

Schon bevor bundesweit die Partei der Grünen entstand, gab es einzelne Landesverbände, so in West-Berlin die Alternative Liste seit 1978 und schon zuvor Entsprechendes in Hamburg, die Bunte Liste samt der Grünen Liste Umweltschutz (GLU); K-Gruppen und undogmatische Linke hatten in der Hansestadt 1978 organisatorisch noch nicht zusammengefunden. Eine in Kreisen der Alten Linken, hier: der DKP, entstandene Karikatur, zeigte, daß man sich sehr wohl des hohen Anteils von Maoisten in der BuLi bewußt war; diese anläßlich der Bürgerschaftswahl in Hamburg 1978 entstandene Karikatur zeigte nämlich einen Schmetterling als Symbol der BuLi, der festgebunden an einen schweren Schraubenschlüssel, das Emblem des „Arbeiterkampfes“ und damit des KB, versuchte emporzufliegen, um damit den KB hinaufzuziehen, damals noch vergeblich, da die BuLi nur dreieinhalb Prozent erhielt, doch immerhin mehr als drei Mal so viel wie die GLU. – Ein Landesverband der Partei der Grünen entstand 1979 in Hamburg, in dem eine Hälfte der BuLi ebenso aufging wie die nicht nur in Hamburg existierende GLU in der grünen Bundespartei; die zweite Hälfte der BuLi folgte 1982 nach, woraufhin sich der Hamburger Landesverband der Grünen in Grün-Alternative Liste (GAL) umbenannte und so zur Bürgerschaftswahl antrat, bei der die GAL ein Ergebnis von fast acht Prozent erzielte. – Der zweite Zweig der Neuen Linken hatte sich als Partei etabliert und alsbald entledigte man sich lästiger Mohren, da man ihrer als Larve nicht mehr bedurfte. Ein prominentes Beispiel für das Hinausdrängen von „nützlichen Idioten“ aus der Partei gab der „biologisch-dynamisch“ wirtschaftende Bauer Baldur Springmann* ab.

* geb. 1912, gest. 2003

 

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