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Bruchstücke im Wolfsrudel, oder: Der gefühlte Holocaust

[Februar-Artikel vom alten DK]

Aus Binjamin Wilkomirski wurde Bruno Grosjean/Dössekker aus Misha Defonseca wird nun Monique De Wael. Beiden gemein ist die Aussage, sie seien Überlebende des Holocaust, beide verdienten viel Geld mit ihrer “Lebensgeschichte” und beide sind Lügner. Ihre Geschichten sind frei erfunden.

Misha Defonseca hatte behauptet, beschützt von einem Wolfsrudel, der Gestapo entkommen und so den Holocaust überlebt zu haben. Ihre “Autobiografie” war in Belgien und Frankreich sehr erfolgreich und wurde gerade verfilmt. Heute räumte die in den USA lebende Autorin über ihren Anwalt ein, ihre Geschichte sei frei erfunden: Sie sei weder Jüdin, noch sei sie je auf ein Wolfsrudel gestoßen, das sie geschützt und sozusagen adoptiert habe. Tatsächlich wurde sie als Vierjährige zu Verwandten gebracht und ist dort aufgewachsen, aber:

 ”Ich fühlte mich anders. Seither fühlte ich mich als Jüdin, und später bin ich mit mir selber ins Reine gekommen, weil mich die jüdische Gemeinschaft akzeptierte”. Als verwaistes Kind habe sie sich ein Leben fern von den Menschen gewünscht, erklärte die Schriftstellerin weiter. “Deshalb habe ich mich für Wölfe begeistert. […] und ich habe alles miteinander vermischt. Es gibt Augenblicke, in denen es mir schwerfällt zu unterscheiden, was tatsächlich geschehen ist und was sich nur in meinem inneren Universum ereignet hat”, erklärt Defonseca ihre erlogene Biografie. Die Geschichte in ihrem Buch sei “nicht die wirkliche Realität, aber “…das war meine Realität, meine Methode zu überleben.”

Der “gefühlte” Holocaust sozusagen.

Die Jubelorgien, die sowohl Bruno Grosjean/Dössekker mit  “Bruchstücken” auslöste, als auch De Wael mit “Überleben mit den Wölfen” sagt viel über die neurotische Verfasstheit der Jubler aus.  An’s Licht gekommen sind De Waels Lügen durch die belgische Zeitung “Le Soir”. Die hatte in Brüssel eine Cousine der Autorin ausfindig gemacht, die Defonsecas gesamte Geschichte in Frage stellte.

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