Inhaltsverzeichnis

Gründungsmythen

Wolfgang Dvorak-Stocker: “Gezeitenwechsel” in Neue Ordnung

Alle Staaten und Nationen haben „Gründungsmythen“, die ihre Existenz erklären, dieser Sinn geben und damit dem Gemeinwesen eine Richtung. Für das neue Deutschland heißt der Gründungsmythos „Auschwitz“, und damit ist nicht der historische Ort und das dortige Geschehen gemeint, sondern der Komplex an Vorstellungen, der damit verbunden ist.

„Auschwitz“, das war für den damaligen Außenminister Joschka Fischer „Staatsraison“ und „Fundament“ der Bundesrepublik Deutschland. Noch deutlicher formulierte es Verteidigungsminister Peter Struck am 29. Mai 2009 im Bundestag: „Mit der systematischen Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden während der Nazizeit haben die Deutschen unendliche Schuld auf sich geladen – eine Schuld, die niemals vergeht.“. „Auschwitz“, das meint die einseitige Verteilung von Gut und Böse im Zweiten Weltkrieg, die Kollektivschuld der Deutschen, ja ihre geschichtliche Widerlegung als Nation. Das heutige Deutschland lebt, indem es sich von „Auschwitz“ distanziert. Es definiert sich selbst als Gegenbeispiel.

Kompletter Artikel

8 Kommentare zu „Gründungsmythen“

  • Achwoherdenn:

    OT: Die rosa Revolution des Fräulein Zypries und das Reichsschulgesetz
    Da geht es um die Absicht “sexuelle Identität” in GG Art. 3 Abs. 3 aufzunehmen. Das ist gewissermaßen die Fortsetzung von Gender-Mainstreaming.
     

  • Sir Toby:

    “Der Stolz auf die Aufbauleistungen nach dem Zweiten Weltkrieg ist laut Meinungsumfragen seit mehr als 20 Jahren kontinuierlich im Wachsen…”

    … heißt es unter anderem in dem Artikel. Da muß ich dann aber doch schon einmal nachfragen: WESSEN Stolz? Ich lese eigentlich nur vom Stolz der Türken auf den Wiederaufbau Deutschlands nach dem Krieg – an dieser Stelle scheint sich in der Tat ein ‘neuer Gründungsmythos’ zu entwickeln. Und tatsächlich … die typischen ‘Trümmerfrauen-Bilder’ zeigen ja nicht gerade selten bekopftuchte Frauen – das muß der Beweis sein. Fragt sich nur, wie Links & Gut in Zukunft dann noch den ‘Gründungsmythos Auschwitz’ in die islamische Gesellschaft der Zukunft integrieren wollen? Und vor allem: Wie bringen sie den Moslems bei, dass die Judenvernichtung etwas Schlechtes war???

  • virOblationis:

    “Peter Struck am 29. Mai 2009 im Bundestag: ‘Mit der systematischen Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden während der Nazizeit haben die Deutschen unendliche Schuld auf sich geladen – eine Schuld, die niemals vergeht.'”
    Wer sind denn diese Deutschen? Partizipiert etwa eine Türke mit deutschem Paß an dieser Schuld? Wird er etwa in unser Schuldkollektiv aufgenommen? Das ist doch wohl nicht gemeint. Ungewollt wird hier zugegeben, daß das “Deutsche” eben nicht eine Frage des Ausweiskärtchens ist, wie man es sonst doch so gern behauptet.
    Schuldig werden kann nur der einzelne. Deshalb gibt es keine Kollektivschuld und keine Schuldgemeinschaft, sondern nur eine Schicksalsgemeinschaft. Diese besteht wirklich, denn mehr oder weniger intensiv ist jeder von den geschichtlichen Folgen des einst seinem Volke Geschehenen betroffen.
     

  • @ virOblationis

    Die offiziellen Sprechblasen, es gebe keine Kollektivschuld [sondern nur eine Kollektivverantwortung, noch so eine Leerformel] sind eben das: Reine Sprechblasen. Und du hast Recht: Selbstverständlich wird versucht, uns Deutschen eine Kollektivschuld zu suggerieren und selbstverständlich wird in dem Fall sauber zwischen Pass-Deutschen und uns ethnischen Deutschen [Ius Sanguinis] unterschieden – das Gesülze des Greises Struck in der Plenardebatte ist keine Ausnahme sondern Regel. Schließlich ist es DIE politische Waffe der BRD-Elite überhaupt.

    Interessant finde ich seine Ausdrucksweise : “Die Deutschen”. Ist Peter Struck kein Deutscher?

  • fnord:

    @ Judith:
     
    Wenn es jedoch opportun ist, huscht den Strucks unseres Landes wieselflink das “wir” über die Lippen.
     
    Gruß,
     
    fnord
     
    p.s.: Der kleine Wüterich hat mich im Stich gelassen – ich schulde dir einen guten Roten.

  • @ fnord

    Das iranische Rumpelstilzchen hat dich im Stich gelassen? Dann möchte ich bitte einen Merlot – eine Verlinkung auf eine virtuelle Flasche reicht, schließlich sind wir Online ;-)

  • fnord:

    @ Judith:
     
    Dann werde ich ein ganz edles Tröpfchen kredenzen!
     
    Gruß,
     
    fnord

Kommentieren