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Symbole

Ich bin gestern zum Thema Minarett auf zwei exzellente Artikel gestoßen. Der eine ist von Diana West , Turkey’s Erdogan: “The Minarets Are Our Swords“,  der andere von Michael Martens in der FAZ. Beide weisen darauf hin, dass die Minarett nicht zwingend zu einer Moschee gehört – bis zum 7 Jahrhundert nach Christus hatte keine Moschee ein Minarett – wo sie  gebaut wird, ist sie mitnichten nur ein nettes, harmloses Beiwerk.

Die Frage, ob ein Minarett die Verkörperung aggressiven islamischen Herrschaftsdrangs oder nur das harmlose Symbol einer friedlichen Religion sei, hätte Sultan Mehmed II. vermutlich nicht einmal verstanden. Selbstverständlich ließ der Osmanenherrscher nach der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 die Hagia Sophia, schon damals ein jahrhundertealtes Zentrum der Christenheit, umgehend in eine Moschee umwandeln. Zu den ersten Befehlen des Sultans nach der Einnahme der Stadt gehörte deshalb die Anordnung, der Hagia Sophia als unübersehbares Zeichen der neuen Herrschaft ein Minarett aus Holz hinzuzufügen. Bald wurde die hölzerne Übergangslösung durch vier Minarette aus Stein ersetzt, die noch heute das Aussehen des weltberühmten Bauwerks prägen.

Bei dem mittelalterlichen Siegeszug der Osmanen über die orthodoxen Staaten des Balkans, also über Bulgarien und Serbien, aber auch später über die katholischen Ungarn war es nicht anders. Die Errichtung von Minaretten an früheren Kirchen gehörte zu den ersten Manifestationen einer Herrschaft, die zumindest in den südlichen Gebieten des Balkans bis 1912 dauern sollte.

Es sei deshalb wohlfeil, Minarette als neutrale oder rein funktionale Bestandteile einer Moschee anzusehen – vor allem könnten sie es überall da nicht sein, wo allzu viele sie nicht so empfänden. Lesenswert.

[1] Kompletter Artikel: Kampf der Symbole

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