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Verschwörungstheorien

Henryk M. Broder polemisiert mit gewohnt spitzer Feder gegen den Streit um Erika Steinbachs Nominierung: Die Deutschen seien längst “weiter”, heißt: Es interessiere sie nicht sonderlich, und das sei Ausweis ihrer Modernität [Finca statt Feldzug]. Das Tabu “Vertreibung” sei außerdem gar keines, wie diverse Veröffentlichungen zeigten. Broder führt als Untermauerung seiner These Günter Grass an, der die “Wilhelm Gustloff” wieder in See stechen ließ  und den Spielfilm “Die Flucht“.

Unrecht hat Broder, wenn er das Desinteresse vieler Deutschen am Schicksal der Vertriebenen zum Fortschritt hochschreibt: Das ist kein Fortschritt, das ist Geschichtsvergessenheit. Recht hat er, wenn er sagt, das Thema Vertreibung sei kein Tabu. Teilweise Recht. Das Thema Vertreibung ist kein Tabu – vorausgesetzt, die politisch korrekte Zuschreibung von Schuld – “Hitlers letzte Opfer”, Alleinschuld Deutschlands am Ausbruch des WK II etc. – bleibt gewahrt. Für die von Broder als Beweis  angeführten Werke conditio sine qua non.

Was passiert, wenn ein Autor gegen dieses Ursache-Wirkung-Prinzip verstößt, davon kann der Autor Klaus Rainer Röhl ein Liedchen trällern. Als 2002 sein Buch Verbotene Trauer erschien [mit einem Vorwort von Erika Steinbach], wurde sein Werk zerissen, während das von Broder erwähnte Grass-Werk zum selben Thema lobend rezensiert in jeder größeren Zeitung Erwähnung fand.

Röhl dagegen zeihte die ehemals konservative FAZ  der “Verschwörungstheorie” – er sei “ein Feind Amerikas”. Eine Dauerkeule in einem EU-Wirtschaftsstandort, der die Massenbombardierungen deutscher Städte im WK II als “Befreiung” neusprecht, feiert,  und auch darin frappierende Parallelen mit der ehemals anderen Hälfte Deutschlands zeigt. Im SED-Staat waren es eben nur die Russen, die “befreit” hatten und die Greultaten der Roten Armee standen unter Sprechverbot.

Worin bestand nun  Röhls Verschwörungstheorie? Röhl:

Mit den Worten der FAZ: »Demnach entstand nach 1968 ein linkes Gesinnungskartell, das die Meinungsführerschaft in Rundfunk und Fernsehen, Zeitungen, Zeitschriften und Buchverlagen errungen hat und die deutsche Geschichte aus dem Blickwinkel der Frankfurter Schule zur Vorgeschichte des Holocaust umdeutet.«.

Fein beobachtet. Das war auf den Punkt gebracht meine Meinung. Aber wo war die Verschwörung?

Trotz negativer Rezensionen verkaufte sich Röhls Verbotene Trauer übrigens gut – ein positives Zeichen, wenn die Leserschaft selbst entscheidet, was sie für kaufenswert hält und was nicht.

Röhl: Verschwörungstheorie. Was ist das eigentlich?

5 Kommentare zu „Verschwörungstheorien“

  • Röhl, der hauptsächlich für die Preussische Allgemeine Zeitung ( www. preussische-allgemeine.de ) schreibt, ist nicht nur ein ausgezeichneter Autor, sondern überzeugt auch auf Abendveranstaltungen, wie ich schon mehrmals erleben durfte.

  • Freidenker:

    Es waren die selben Leute welche “Polen kurzerhand nach Westen verschoben”, und im Nachgang Israel durch Vertreibung der Palestinänser “gründeten”.
    Broder weiß das sehr genau, denn geschichtsvergessen ist er nicht, aber es ist ihm nicht unrecht wenn der Dummichel meint Modern und “In” ist man nur wenn man keine Ahnung von Geschichte hat.
    Wer nichts weiß muss alles glauben, und solche Leute wollen sie doch Herr Broder, gell !!!
    Mit seiner verallgemeinerten Aussage die Deutschen hätten ja mittlerweile ein Häuschen im Süden, zeigt er nicht nur in welch privelegiertem Umfeld er groß geworden ist, und bedient damit antijüdische Klischees, nein er unterschreitet auch noch das Argumentationsniveau der Bild.
    Ach Herr Broder, im Grunde sind sie nur ein Friedman ohne Nutten, Koks und Haargel.

  • Anna Luehse:

    # Freidenker
    “Ach Herr Broder, im Grunde sind sie nur ein Friedman ohne Nutten, Koks und Haargel.”

    Selten so gelacht :-)

  • BuergeJoerg:

    @Freidenker

    “Ach Herr Broder, im Grunde sind sie nur ein Friedman ohne Nutten, Koks und Haargel.”

    :)

    bis auf das Haargel ist das aber reine Spekulation….

  • gast:

    Unseren täglichen Senf gibt uns heute. Der olle Korn vom ZDJ zu Steinbach, vorsicht Bluthochdruckgefahr

    http://www.welt.de/die-welt/politik/article5841770/Zentralrat-der-Juden-kritisiert-Steinbach.html

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