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Sakrileg

Im Iraq geht man daran, das Grabmal des Propheten Ezechiel zu islamisieren. Dies betrifft keineswegs nur, wie die Meldungen es erscheinen lassen, eine Entjudaisierung. Es geht auch um Entkirchlichung bzw. Entchristlichung, denn Ezechiel gehört – wie die übrigen Propheten des Alten Testaments – zu den Heiligen der Kirche. Sein Tag ist der 10. April.

Ezechiel lebte zwischen 650 und 550 v. Chr. Er war judäischer Priester und gehörte zu den 598/597 v. Chr. aus der Hauptstadt Jerusalem von den Babyloniern Deportierten, die im Zweistromland angesiedelt wurden und dort Fronarbeit zu verrichten hatten. Ezechiel erteilte Latrinenparolen baldiger Heimkehr, die unter seinen exilierten Landsleuten kursierten, eine Abfuhr. Er sah vorher, daß das drohende Unheil noch nicht vollendet war. Tatsächlich folgte 587/586 v. Chr. die Zerstörung von Stadt und Tempel sowie die Deportation weiterer Teile der judäischen Bevölkerung. Ezechiel war bewußt, daß die Ursache des Unheils, die Abwendung von Gott, nach 598/597 noch nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hatte. Einer späteren Legende nach wurde Ezechiel von einem Landsmann, einem Richter, erschlegen, da er ihm seine Abgötterei vorgeworfen hatte.

Ezechiel ist ein Visionär gewesen, dessen Schauungen geradezu phantastisch sind. Man lese nur einmal die Eingangskapitel und seine Thronwagenvision. Die dort von Ezechiel geschauten vier himmlischen Wesen wurden später als Sinnbilder der Evangelisten verstanden: Der Engel steht für Matthäus, der Löwe für Markus, der Stier für Lukas und der Adler für Johannes.

Wenn das Grabmal Ezechiels nun islamisiert wird, trifft dies auch die Christen. – Ging es ihnen unter Saddam Hussein nicht besser? Was ist das für eine Obrigkeit, die die US-Amerikaner nach dem Kriege im Zweistromland installiert haben?

2 Kommentare zu „Sakrileg“

  • Verfolgt man die Nachrichten, scheint es außer der Christenverfolgung [gerade heute thematisiert bazonline das in einem grandiosen Artikel, Kauder schlägt vor, die Regierungschefs dieser Länder zum Gespräch zu bitten. Kein Witz.] eine Tendenz zur Geschichtsrevision im Nahen Osten zu geben: Die Türkei mit der Enteignung des Kloster Mor Gabriel und der Forderung nach den Gebeinen des Hl.Nikolaus; Jordanien, das die Rückgabe der Qumran-Rollen fordert und jetzt im Irak eine riesige Moschee, die über das Grab von Ezechiel gebaut werden soll.

    Und die “Eliten” Europa schauen mehr oder weniger teilnahmslos zu und üben sich ansonsten in der Verteidigung des Islam.  Deutlicher kann man Dekadenz nicht zelebrieren.

  • Freidenker:

    Auch auf die Gefahr hin das ich mich wiederhole, der Irak und alle anderen Länder gelten dann als befriedet wenn US-Firmen in diesen Ländern unbehelligt ihren Geschäften nachgehen können.
    Demokratie, Religionsfreiheit, Minderheitenschutz, Menschenrechte, Bildung, sind alles nur Vorwände , die Wallstreet huldigt dem Dollarzeichen, der Rest interessiert einen Dreck.
    Früher dachte ich auch immer das kann nicht sein, es sind doch unsere amerikanischen Freunde, je länger ich aber das Schauspiel verfolge, um so mehr komme ich zu diesem Schluss, traurig aber wahr.

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