Inhaltsverzeichnis

Gewinn der Krone

Mancherorts wurde der Freitag nach dem Aschermittwoch früher als Fest der Dornenkrone begangen. Eine Krönung als Höhepunkt des Lebenslaufes, doch eine Krone der Schmerzen.

Wieder einmal hat ein Amoklauf stattgefunden: Ein Schüler ersticht einen früheren Lehrer, von dem er schlechte Noten erhalten hatte. Ich erspare mir das Setzen eines Links, weil es mir in diesem Text nicht auf diesen konkreten Fall ankommt, sondern darauf, daß es eben wieder einmal einen weiteren gegeben hat.

Natürlich wird man sich wieder betroffen bis fassungslos zeigen und den Ruf nach mehr psychologischer und sozialpädagogischer Betreuung erheben. Fragen wir aber nach den geistigen Hintergünden von Amokläufen: Was für eine Haltung kommt darin zum Ausdruck? Nun, eine extreme Ich-Bezogenheit vermutlich. Alles, was mir im Wege steht, wird beseitigt.

Traditionell lernt man von früh auf, sich in vorgegebene Gemeinschaft einzufügen, in die Familie, die politische Gemeinde, letztlich das Volk. Gemeinnutz geht vor Eigennutz! Wenn ich diesem Grundsatz folge, kann ich darunter leiden, wenn ich falsch beurteilt werde, doch schon um des Ganzen willen, werde ich deshalb nicht gewalttätig. Der heutige vereinzelte Mensch, dem immer wieder eingeflüstert wird, er solle sich verwirklichen, seine Ziele verfolgen, der wird bei der Konfrontation mit einer dem widerstehenden äußeren Wirklichkeit in Verzweiflung versinken oder um sich schlagen, weil er glaubt, seine ganz persönlichen Ziele seien das letzte Ziel seines Daseins.

Sich in Familie, Gemeinde, Volk einfügen – das wichtigste habe ich noch gar nicht ausgesprochen: Der Mensch ist auch Geschöpf und hat darum dem zu folgen, was ihm als Kreatur aufgetragen ist, nämlich seinen Schöpfer zu ehren und Gutes zu tun, so weit er es kann. Mag die äußere Realität auch ungünstig sein und alles, was ich hier gewinne, nur eine Schmerzenskrone sein: Nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine.

2 Kommentare zu „Gewinn der Krone“

Kommentieren