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Die Nächste

Die CDU blutet aus. Nach  Roland Koch, nach Horst Köhler  und weiteren vier wirft jetzt die Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach das Handtuch: Sie ist die Rolle der Alibikonservativen leid.

Überfällig ist dieser Schritt allemal, denn für die sozialdemokratisierte CDU sind Konservative schon lange lästiges Übel, das man duldet, der Stimmen wegen, aber wie Schmuddelkinder behandelt. Mit denen man nicht gerne spielt – nach der Wahl. Dass die so Geduldeten innerhalb und außerhalb der Partei irgendwann die Nase voll haben und Konsequenzen ziehen werden, war eher früher als später zu erwarten. Das übliche Medienprozedere um das was einer – in dem Fall Steinbach – gesagt oder nicht gesagt aber [angeblich] gemeint hat,  ist ermüdend bekannt. Dr. Nicolaus Fest beschrieb das immergleiche Theaterstück in fünf Akten im Januar treffsicher. Erika Steinbach steigt also aus und rechnet mit ihrer Partei ab.

Zum Tag der Heimat am 11. September  hielt sie eine Rede, die ich hier der Länge wegen in Auszügen einstelle. Wer die Rede als Ganzes lesen möchte, findet unten den Link zur Pdf-Datei.
Erika Steinbach: Durch Wahrheit zum Miteinander:

Nichts machen wir uns in Deutschland leicht. Keine Reform, keinen Autobahn- oder Startbahnbau. Auch nicht die Wiedererrichtung des Berliner Stadtschlosses und schon gar nicht ein dauerhaftes Gedenken an das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen, und das noch ausgerechnet in der deutschen Hauptstadt. Unproblematisch sind nur Krötentunnel, Lichterketten oder Aids-Galas. Fast alle wollen dabei sein, und sei es in tiefer Heuchelei. Aber es macht sich einfach gut.

Wir konnten im Gegenzug für den Verzicht des BdV auf meine Benennung für die Bundesstiftung und den BdV viel erreichen. Mehr als die meisten für möglich gehalten haben. Die feindseligen und aggressiven Reaktionen der Vertriebenengegner, die mit Vokabeln wie „Erpressung“ um sich warfen, sind der beste und deutlichste Beleg für unseren Erfolg. Das sind im Übrigen alles Personen, die, wenn es um Vertriebene in Afrika oder anderen Kontinenten geht, gar nicht genug Taschentücher haben, um ihre geheuchelten Tränenströme aufzufangen.

Die nachfolgenden Debatten und Empörungen um zwei der von uns benannten Stiftungsratsmitglieder haben eines auch offenkundig gemacht: Es ging die ganzen Jahre weder um Erika Steinbach noch heute um Arnold Tölg oder Hartmut Saenger, es ging immer darum, ein Projekt das man um keinen Preis haben wollte, zu verhindern.

Was das zehn Jahre alte Interview unseres ebenfalls angegriffenen Präsidiumsmitglieds Arnold Tölg betrifft, so sind auch seine Feststellungen zu Fragen der Ungleichbehandlung von Zwangsarbeitern unbestreitbar. Es ist ganz einfach Fakt, dass die Verschleppung zur Zwangsarbeit gemäß des Statuts für den Nürnberger Prozess als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft war und deswegen „deutsche Kriegsverbrecher zu recht“ wie Arnold Tölg feststellte, verurteilt wurden, während gleichzeitig Deutsche zur Zwangsarbeit verschleppt und missbraucht wurden und dieser Vorgang straffrei blieb. Es war zweierlei Maß. Die Zahl der Deutschen, die Zwangsarbeit leisten mussten, bezifferte Tölg auf eine Million, von denen Hunderttausende umgekommen seien. Wenn man daran Kritik üben wollte, dann nur deshalb, weil die Zahlen eher zu niedrig als zu hoch angesetzt sind. Der Sachverhalt als solcher wird von keinem seriösen Historiker bestritten.

Der platte Versuch, in einer konzertierten Aktion mit nahezu identischen Argumenten aller Beteiligten den BdV in eine Reihe mit Geschichtsfälschern zu stellen, kehrt sich bei Kenntnis der Fakten gegen die Protagonisten selbst.

[1] Komplette Rede als pdf-datei: Durch Wahrheit zum Miteinander
[2] Zu den historischen Fakten Historiker Stefan Scheil: Steinbach hat Recht

8 Kommentare zu „Die Nächste“

  • Wahr-Sager:

    Erika Steinbach ist eine der wenigen Persönlichkeiten in der Politiklandschaft, die noch Rückgrat haben. Ich habe diese Frau vor kurzem angeschrieben, um ihr etwas Rückhalt zu geben und ihr zu raten, aus der CDU auszutreten und z. B. der Partei FREIHEIT von René Stadtkewitz beizutreten. Die macht einen guten Eindruck, und ich habe auch schon einige Kommentare geschrieben, die nicht zensiert wurden!
    Und was sehe ich heute zufällig in der Tagesschau? Da behauptet die CDU doch dreist, sie würde auch einen Platz für Konservative haben, so dass eine Reform nicht notwendig sei! Lä-cher-lich!
    Die CDU ist so weit nach links gerückt, dass sie möglichst wenig Angriffsfläche für die Rot-Grünen bietet. Die Laufzeit von AKW zu verlängern, macht noch keine konservative Partei aus!

  • Freidenker:

    Alleine das Gezeter um das Zentrum gegen Vetreibung erforderte vom BdV ein Entgegenkommen gegnüber dem “Zeitgeist”, das bis zum völligen Verlust der Selbstachtung, und darüber hinaus ging.
    Ich verkneife es mir in diesem Zusammenhang andere erfolgreichere Interssens(opfer)gruppen zur erwähnen.
    Eigentlich hätte Frau Steinbach schon lange hinschmeisen sollen, und auf eigene Faust mit einer groß angelegten Spendenaktion ein eigenes Denkmal errichten sollen.
    Es ist und war naiv zu glauben das deutsche Opfer von diesem Staatskonstrukt jemals Würdigung erfahren werden. Und als Stimmvieh werden sie aufgrund abnehmender Masse auch immer unattraktiver, hier gibt es neue Bevöklerungsgruppen, die von den Parteien umworben werden.

  • diegedankensindfrei:

    Eigentlich hätte Frau Steinbach schon lange hinschmeisen sollen, und auf eigene Faust mit einer groß angelegten Spendenaktion ein eigenes Denkmal errichten sollen.
    Nein, das wäre leider völlig aussichtslos. Sie würde sich und andere verschleissen und die Spenden verbrennen. Prominente wie Steinbach, die sagen, daß der Kaiser nackig ist, tun das einzig Richtige. Wünschenswert wäre, wenn das ebensolche Nachahmer findet und dadurch eine Eigendynamik entwickelt die auch die Heuchler, Schwätzer und Trittbrettfahrer aus den Talkschauen mit einstimmen läßt, um den Anschluß nicht zu verpassen.

  • […] und „Was die Oma noch wußte“ 10. September 2010 Vaterland Die Nächste 13. September 2010Kirchen als Ziel, Teil V 11. September 2010Sarrazin legt nach 10. September 2010 […]

  • Freidenker:

    Eines habe ich dank der Steinbachdiskussion diese Woche wieder gelernt.

    Wenn Polen oder ein anderes Land mobil macht, dann nur um sich zu verteidigen, macht D mobil, dann immer um die Weltherrschaft an sich zu reisen.

    Wenn zwei das Gleiche tun…. ;-)

  • Wahr-Sager:

    Was habe ich eben im Kommentarbereich der Zeitung JUNGE FREIHEIT gelesen (von Friedrich Knolle aus Berlin):

    Im “Stern” wurde Frau Steinbach heute gar -man beachte die Wortwahl- als “tollwütiger und um sich beißender Hund” bezeichnet. Bis zur Frage, was man denn mit einem tollwütigen Hund tun sollte, sind es nur wenige Kugeln. Die “Qualitätspresse” auf den Spuren von Julius Streicher. Wer jemals geglaubt hat, dass der Vergleich zwischen Menschen und Tieren, zum Zwecke der Herabwürdigung und späteren Vernichtung im Jahr 2010 nichts mehr taugt sieht sich mit dieser Schlagzeile eines besseren belehrt.

  • Freidenker:

    Es war nicht gerade klug von Frau Steinbach den Polen persönlich anzugreifen, und ihm einen schlechten Charakter zu unterstellen.
    Erschwerend hinzu kommt, das sie es noch nicht einmal richtig begründen kann, die Geschichte mit den nicht beantworteten Briefen ist schon ein wenig peinlich,
    und hört sich nach entäuschten kleinen Mädchen an.
    Aber interessant ist auch wie die Medien darauf reagieren, ein KZ-Überlebender kann gar keinen schlechten Charakter haben. So so, charakterbildend waren die Lager also auch noch, was man nicht alles lernt. *grübel*
    Seltsam ist auch, das ein polnischer Widerstandskämpfer von der blutsaufenden Wehrmacht nicht sofort erschossen wurde, sondern erst in ein KZ gesteckt, und dann auch noch lebend entlassen wurde.
    Irgendwie passt das doch wieder mal nicht zur Knoppschen Geschichtslehre, oder ?

  • Wahr-Sager:

    Nun, Bartoszewski hatte Steinbach als “blonde Bestie” bezeichnet, wie ich las. Wenn er nun einen Persilschein bekommt und man ihm keinen schlechten Charakter bescheinigen darf, weil er (angeblich) in Auschwitz war, wirft das ein bezeichnendes Licht auf unsere Medien.
    Nähere Infos:
    http://polskaweb.eu/steinbach-und-bartoszewski-haben-schlechten-charakter-7836222.html
    Mit der Auschwitz-Keule kann man bekanntermaßen jeden plattmachen.

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