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Fernsehpreis für den Dokumentarfilm Aghet – Ein Völkermord

Die NDR-Produktion “Aghet – Ein Völkermord” wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet, die Trophäe am Samstag in Köln überreicht. Aghet, übersetzt “die Katastrophe”, ist ein 90-minütiger Dokumentarfilm und erzählt von dem Genozid an den Armeniern im osmanisch-türkischen Reich. Bis zu 1,5 Millionen Armenier, so schätzt man, wurden dabei ermordet.

Dieser Völkermord wird bis heute von der Türkei als historisches Fakt nicht anerkannt. Aus politischem Kalkül schweigen auch Staaten und Politiker, die es eigentlich besser wissen – aber nicht den begehrten türkischen Partner/Wähler vergrätzen wollen. Die Erkenntnis, dass ein Genozid nur dort anerkannt wird, wo er politischen Mehrwert erbringt, oder doch wenigstens keinen Nachteil, mag platt sein: Für die Opfer und vor allem ihre Kinder, Enkel und Urenkel kommt das einem zweiten Sterben  gleich. Es ist beruhigend, wenn Sendeanstalten nicht fugenlos den politischen Vorgaben folgen und trotzdem Drehbücher verfilmen, die Politiker und Funktionäre lieber im Keller der Geschichte sähen.

Ein  kleiner Streifzug durch eine politische Klasse, die sonst die  Formel von der Demokratie und den Menschenrechten und dem Lernen aus der Geschichte ständig abrufbereit auf den Lippen trägt. Aber eben nur dort:

[1] Die Streichung des Themas verlangte u.a. 2009 Kenan Kolat. In der türkischen Zeitung Hürriyet äußerte er sich, auf die türkischen Schüler in Brandenburg [dort und nur dort stand der Armeniermord auf dem Lehrplan] übe  das einen „psychologischen Druck“ aus und gefährde außerdem den “inneren Frieden”.  Auch die geplante Gedenkstätte für den Potsdamer Pfarrer Lepsius, der den Genozid dokumentierte, wollte Kolat verhindern.

[2] Die CDU/CSU die 2005 noch den Antrag einbrachte, den Genozid an den Armeniern offiziell mehr anzuerkennen, nahm im März dieses Jahres davon wieder Abstand. Man will schließlich nicht Ankara und die Wahlklientel verärgern. SPD und Grüne hampeln seit Jahren genau so rum.

[3] Den Genozid an der Armeniern Genozid zu nennen lehnt auch Israel ab. Und in den USA brach Obama prompt sein Versprechen, das er den Armeniern im Wahlkampf gab. Politik der Amnesie. Dass die Resolution zur Anerkennung des Genozids an den Armeniern trotzdem angenommen wurde, war ausschließlich dem Auswärtigen Ausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses zu verdanken.

1 Kommentar zu „Fernsehpreis für den Dokumentarfilm Aghet – Ein Völkermord“

  • Kassandra:

    Die Streichung des Themas verlangte u.a. 2009 Kenan Kolat. In der türkischen Zeitung Hürriyet äußerte er sich, auf die türkischen Schüler in Brandenburg [dort und nur dort stand der Armeniermord auf dem Lehrplan] übe  das einen „psychologischen Druck“ aus und gefährde außerdem den “inneren Frieden”. 

    Wie die Türken ticken zeigt auch folgender Artikel in der Wiener Presse.
    Im Austeilen und Fordern sind die Türken Spitze, aber im Einstecken schlimmer als Mimosen. 
    Was ich immer noch nicht verstehe, ist das Spiel der CDU.
     Hier der Artikel:

    Eklat um Emir Kusturica: Moslem oder Serbe?
    12.10.2010 | 18:42 |  von Jan keetman (Die Presse)
    Vom Umgang mit Identität und Vergangenheit: Warum der serbische Regisseur Emir Kusturica vom Filmfestival in Antalya abgereist ist.



    Das 47. Filmfestival von Antalya hat mit einem Eklat begonnen, dessen Ablauf sich verkürzt so zusammenfassen lässt: Der international anerkannte Filmemacher Emir Kusturica wird beschuldigt, nicht gegen den Völkermord an den muslimischen Bosniaken protestiert zu haben. Der türkische Minister für Kultur und Tourismus macht Druck auf die Veranstalter, Kusturica aus der Jury auszuladen. Dies geschieht auch. Kusturica reist schließlich mit der Begründung ab, dass er nach den Worten des Ministers nicht mehr auf der Straße sicher wäre und erklärt den Minister zu seinem „Feind“.
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    weiterlesen (sehr aufschlussreich)
    hier:

    http://diepresse.com/home/kultur/film/601644/index.do?_vl_backlink=/home/index.do 

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