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Schon vorbei!

“Schon vorbei!”, pflegte der Dentist, der in den sechziger Jahren meine Zähne behandelte, auszurufen, auch wenn er noch eine Weile weiterbohrte. “Schon vorbei!” – Damit pflegte er seinen Patienten über den Schmerz hinwegzuhelfen; außer im Falle von Extraktionen lehnte er nämlich aus tiefer Überzeugung alle Betäubungsmaßnahmen ab.

Auch die Griechen – und letztendlich ebenso wir deutschen Euro-Gegner – bräuchten jetzt wohl jemanden, der ihnen – sowie uns – über den Schmerz hinweghilft, da die mit der Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland kurzzeitig eingetretene Aufheiterung der Stimmung nun wieder in die triste Wirklichkeit des oft “EUdSSR” gennannten, zum Totalitarismus geneigten Projektes der politischen Klasse Europas zurückgeholt worden ist.

Nun wird es also wieder einmal eine Parlamentswahl geben, wie wir sie nur allzu gut kennen: Alle Parteien, die Aussicht haben, an der Regierung beteiligt zu werden, vertreten – in leichten Variationen – dasselbe Programm: Eine häßliche Alternative zur Volksabstimmung über existentielle Fragen.

Damit aber das Faß bald überlaufe, hat der gerade ins Amt beförderte EZB-Präsident sogleich den Leitzins gesenkt, obwohl die inflationäre Tendenz schon besteht. Offenbar ist Draghi entgegen allen Versprechen ein Anhänger weicher Währung, wie seine italienische Herkunft es ja auch schon vermuten läßt. Wenn es so weitergeht, braucht Griechenland seine Drachme gar nicht mehr durch Abkehr vom Euro zurückzuholen, weil wir alle sie dann haben bzw. die Lira.

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