Inhaltsverzeichnis

Merkwürdige Mörder

In den Medien ist z.Z. das “Zwickauer Terror-Trio” allgegenwärtig: Kein Wunder, denn ihm schreibt man zahlreiche Verbrechen schwerster Art zu, die die Fahnder bisher nicht aufzuklären vermochten. Es kommt hinzu, daß hier ns-inspirierte Menschenverachtung am Werk gewesen sein soll; das sorgt ohnehin für erhöhte Aufmerksamkeit. Schließlich: Wer denkt bei all dem nicht auch an die zweifache Untat Breiviks, die sich in diesem Jahr ereignete!

Der Unterschied zu Breiviks Verbrechen liegt jedoch auf der Hand: Er wurde beim Morden überwältigt; im Falle des Terror-Trios liegen die Taten schon einige Jahre zurück, und sie wurden heimlich verübt, während Breivik sich mit den seinen ins Licht der Öffentlichkeit drängte.

Das Terror-Trio, d.h. seine beiden männlichen Mitglieder, Mundlos und Böhnhardt, hat sich auch nicht wie Breivik festnehmen lassen. Die beiden erschossen sich, bevor die Polizei zugriff. Zuvor sollen sie zum wiederholten Male eine Bank überfallen haben, was aber nun endlich mißlang. Ihre Komplizin Zschäpe sprengte daraufhin die gemeinsame Wohnung, zugleich Waffenlager, in die Luft und ließ sich festnehmen. Sie hatte versucht, Beweismaterial zu vernichten, mutmaßt man: Doch wäre es nicht einfacher gewesen, insbesondere Schußwaffen, die auch durch eine Explosion nicht einfach vernichtet werden, irgendwo verschwinden zu lassen? – Belastende DVD’s vernichtete Zschäpes Brandbombe zwar, doch war die Mühe vergeblich, denn zwei Exemplare davon waren schon an die Partei “Die Linke” in Sachsen und Sachsen-Anhalt versandt worden.

Die Banküberfälle, mehr als ein Dutzend, erscheinen auf den ersten Blick als gewöhnliche, schwerkriminelle Taten; so weit mir bekannt, wurden sie in Mitteldeutschland verübt. Die terroristischen Morde des Trios hingegn fanden – mit einer Ausnahme (Rostock in Mecklenburg-Vorpommern) – im Bereich der alten BRD (Hamburg, Bayern, NRW, Hessen; Polizisenmord in Baden-Wuerttemberg; Nagelbombenattentat in NRW) statt.

Das Trio hielt seine terroristischen Aktivitäten geheim, so daß man sich fragt, wie Terror dadurch verbreitet werden sollte. Gleichzeitig aber bewahrten sie die Tatwaffen auf, vielleicht um damit vor Ihresgleichen zu praheln, während sie sich öffentlich nicht zu ihren Verbrechen bekannten.

Die sog. Döner-Morde begingen sie  2000 bis 2006 aus Fremdenfeindlichkeit. Dann veränderte sich ihre Motivation. Keinen einzigen “Südländer” brachten sie mehr um. Dafür begingen sie 2007 einen Polizisten-Mord, offenbar aus Haß auf den Staat und dessen Repräsentanten.

Die Mordserie (2000 – 2007) riß plötzlich ab: Die Täter verzichten nun darauf, ihren Haß weiter auszuleben, obwohl die Polizei ihnen keineswegs auf den Fersen war. Einige Jahre später, nämlich 2011, entschlossen sich die Täter dann doch, Bekenner-DVD‘s herzustellen und zu sie zu versenden, obwohl die Morde gar nicht mehr aktuell waren; die Wirkung wäre vor einem halben Jahrzehnt um ein Vielfaches größer gewesen.

Gerade als sich die Täter entschließen, ihre Taten öffentlich zu machen, da sehen sie sich plötzlich veranlaßt, sich selbst umzubringen, weil ihnen die Polizei wegen eines Banküberfalles auf die Spur gekommen ist: Ein Streifenpolizist nähert sich ihrem mit Waffen vollgestopften Wohnmobil, und sie, die zuvor so kaltblütig auf Polizisten schossen, dadurch eine Beamtin töteten und ihren Kollegen schwer verletzten, denken gar nicht daran, etwa die ihnen zur Verfügung stehenden Maschinenpistolen zu gebrauchen, sondern schießen sich nur selbst in den Kopf.

Obwohl sie nun tot sind und keine Auskünfte mehr zu geben vermögen, lassen sich Mundlos und Böhnhardt durch die wohlverwahrten Tatwaffen mühelos als die so lange vergeblich gesuchten Mörder identifizieren; insofern erwiesen sie den Ermittlern unfreiwillig noch einen letzten Dienst.

 

4 Kommentare zu „Merkwürdige Mörder“

  • Krümelkacker:

    “…denn zwei Exemplare davon waren schon an die Partei “Die Linke” in Sachsen und Sachsen-Anhalt versandt worden.”

    Falsch, die Bekenner-DVD ging an die PDS, die sich vor mehr als 6 Jahren in “Die Linkspartei” umbenannt hatte. “Der Brief war äußerlich unscheinbar, adressiert noch an die “PDS-Geschäftsstelle”.

  • dw-seneca:

    Herrlich, die Fakten durch die Chronologie der Ereignisse für sich selbst sprechen zu lassen, ohne im ganzen Text auch nur eine Vermutung niederzuschreiben. Und jeder Leser wird die öffentliche Darstellung nur noch unglaubwürdig finden.

  • virOblationis:

    Nach meinem Verständnis der Meldung ging eine der beiden DVD’s an ein vermeintlich noch existierendes Büro der Linken in Riesa, das aber schon zu PDS-Zeiten geschlossen (und an anderer Stelle neu eröffnet) worden ist.

  • Leser:

    Auf t-online wird aktuell berichtet:

    http://nachrichten.t-online.de/die-letzten-minuten-der-thueringer-terror-nazis/id_51651410/index

    Neue Details über den rätselhaften Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt: Die beiden Mitglieder des Zwickauer Neonazi-Trios waren tot in einem von der Polizei umstellten, brennenden Wohnmobil gefunden worden – jetzt haben Experten die letzten Minuten der beiden Rechtsterroristen rekonstruiert.

    Mundlos hat nach Ermittlungen seinen Kameraden Böhnhardt am 4. November in dem Wohnmobil in Eisenach die Pistole an den Kopf gesetzt und abgedrückt.

    Bis gestern durfte man sich noch wundern, daß die bösen braunen Buben sich mit Gewehren erschossen … statt Pistolen. Und daß sie so rücksichtsvoll waren sich sofort selber zu erschießen, statt möglicherweise auf die Polizei zu schießen … und dabei das Risiko in Kauf zu nehmen einen Vertreter der Staatsgewalt am Ende noch tödlich zu verletzen. Das hätten sie wohl nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können. Ja, es gibt eben Menschen, die kommen mit der Härte dieser Welt einfach nicht zurecht und dergestalt in Gewissensnöte getrieben richten sie dann eben die Waffen, die man eben so im Hause oder im Wohnmobil herumliegen hat, gegen sich selbst. Und erschießen sich.

    Auf ‘medienanalyse international’…

    http://www.medienanalyse-international.de/index1.html

    … finden sich auch einige interessante Überlegungen zum Fall:

    Nochmals ganz deutlich: die jeweiligen Opfer sind ehrenwerte Mitbürger gewesen, die im vertrauen auf den deutschen Rechtsstaat eben NICHT Kontakt zu Schutzgeld-Erpressern hatten.
    Und nochmals ebenso deutlich: es gibt keine vernünftigen Beweise für einen faschistischen Hintergrund der Mordserie, einzig den videofilm, der “zufällig” jetzt erst an die Öffentlichkeit kam. Auf “offizielle” Täterverbindungen in polizei und verfassungsschutz deuten hingegen:
    – helfer jeweils vor Ort
    – legale falsche Papiere
    – Nichtaufinden trotz fahndungsdrucks
    – Unbehelligtsein der Neonazis
    – Nichtaufklärung des den Campingbus verlassenden Dritten
    – aktionistische Hektik in Richtung NPD-Verbot etc. (das steht seit Jahrzehnten an)
    – Obstruktion der realen Ermittlungen ehrlicher Polizisten, STAler
    – Tatort- und opferfotos im aufgefundenen Video (das können Poliziten vor Ort weit besser als die Täter)
    – der Tod der Heilbronner Polizisten macht keinen Sinn in der Serie ausländerfeindlicher Morde, aber durchaus im Zusammenhang mit mafiösen Polizisten, die ihre Kollegen wegen Spielverderberei hinrichten lassen. Vgl. dazu die Verhaftung von Heilbronner Polizisten kürzlich, vgl. dazu auch die sog. wattestäbchen-Affäre, in der bewusst Spuren falsch gelenkt wurden und derweil echtes Beweismaterial vernichtet wurde.

    … und auch Elsässer beschäftigt sich sehr umfänglich mit dem Fall:

    http://juergenelsaesser.wordpress.com/

    Man darf gespannt sein, ob der Fall, wenn er seinen Nutzen für wen und was auch immer erfüllt hat … so einfach im Sande verrieselt?

Kommentieren