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Sozialindustrie 1

von virOblationis

In einem kostenlos an die Haushalte verteilten SPD-Regionalblatt lese ich von etwas, das als „Jugendwohnen“ bezeichnet wird. Danach sollen fast zwei Dutzend MuFl‘s in einem nahe gelegenen, neu errichteten Wohnblock untergebracht werden solle, betreut von paedagogischen Fachkräften. Es seien 2014 rund 850 minderjährige Flüchtlinge angekommen, die [nicht etwa in häufig nur als junge Kriminelle in günstigem Umfeld tätig werden wollten, sondern] von dem Wunsch getrieben seien, die Angebote unserer Bildungseinrichtungen zu nutzen. Wer wollte ihnen das verweigern? So freuen sich am Ende doch alle, die MuFl’s über gratis zur Verfügung gestellte Neubauwohnungen, deren Miete kaum ein Facharbeiter von seinem Gehalt aufzubringen in der Lage wäre, die paedagogischen Fachkräfte über ihre neue Wirkungsstätte, die Anbieter von Bildungsangeboten, der Bauherr, von dem die Stadt das Gebäude für zehn Jahre gemietet hat und ihm seine Einnahmen garantiert – die Nachbarn über mehr Buntheit in ihrem bis dahin so grauen Alltag und endlich die Steuerzahler, die für all das aufkommen müssen.

Im Zentrum des beschriebenen Problemkomplexes steht die Sozialindustrie. Ohne ihre Tätigkeit würden lediglich kulturfremde Jugendliche in Neubauwohnungen gesetzt, was wohl niemand nachvollziehen könnte; ohne die Sozialindustrie, d.h. ohne eine Praxis entsprechend der neulinken Ideologie von Erziehung, Bildung und Betreuung, würde dem gesamten Konstrukt fehlen, was seine einzelnen Aspekte zu einem mehr oder weniger plausiblen Ganzen verbindet.

Um solche „verrückten“ Verhältnisse nicht einfach nur vorschnell und wenig wirkungsvoll abzulehnen, sondern zu begreifen, wie sie entstehen konnten, um sie nachhaltig zu verändern, scheint es notwendig, ihre Entstehungsgeschichte zu betrachten, um endlich den gegenwärtigen Zustand gezielt zu transformieren. Dem geschichtlich fundierten Verständnis also dessen, was die Sozialindustrie ist, sollen mehrere Beiträge dienen. – Dabei geht es mir keineswegs darum, pauschal all diejenigen zu schmähen, die in der Sozialindustrie tätig sind. Wenn sie kritisiert würden, dann nur so weit, wie sie sich mit der neulinken Ideologie identifizieren und in deren Sinne wirken. Im Gegensatz zu den gegenwärtig wirksamen Bestrebungen, Schuldkollektive heraufzubeschwören und Leute – zumindest im besonderen Falle – als Schuldige zu verurteilen, schon wenn sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren, gehe ich noch immer davon aus, daß ein Mensch allein für das zur Rechenschaft gezogen werden darf, was er in freier Entscheidung veranlaßt hat, so daß er dafür persönlich verantwortlich ist. Wenn ich also die Sozialindustrie kritisiere, dann will ich zugleich betonen, daß unter denjenigen, die in ihr beschäftigt sind, ganz gewiß viele aufrichtig und selbstlos ihren Dienst tun, indem sie sich bemühen, auch unter den heutigen, so widrigen Umständen, das Beste für die ihnen Anvertrauten zu wirken.

 

 

 

2 Kommentare zu „Sozialindustrie 1“

  • […] Zum Originalartikel […]

  • Konservativer:

    Sehr geehrter virOblationis

    Ich freue mich auf Ihre Beiträge zum Thema Sozialindustrie, nicht zuletzt weil ich selbst in dieser “Branche” tätig bin.
    Ich “betreue” Kriminelle, sowohl junge wie auch ältere/alte, Ausländer und Deutsche, zumeist Männer, aber auch Frauen.

    Ein wenig kenne ich mich in der Branche aus.

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