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Gedankensplitter (1. Febr. 2016)

Eine Notiz zu offenbarer Ungleichheit

Am 18. Januar wurde gemeldet, daß zu Lübeck eine Gedenkfeier stattgefunden habe für die beim Brand einer Refugee-Unterkunft vor zwanzig Jahren umgekommenen zehn Menschen aus dem Libanon, Togo, Zaire und Angola. – Man konnte damals vier verdächtigen deutschen Glatzköpfen nichts nachweisen, da sie ein Alibi vorwiesen; sie hätten sonst als racistische Mörderbande so etwas wie den Vorläufer des „NSU“ gebildet.* Verdächtigt wurde damals zwar ebenfalls ein Bewohner der Unterkunft, doch auch der wurde freigesprochen. Der Fall konnte nicht aufgeklärt werden. Auf einem steinernen Mahnmal steht: „Sie waren nach Deutschland gekommen, um hier Schutz zu finden.“ – Zwanzig Jahre nach dem Brand demonstrierten – laut Angabe der Presse – sechshundert Willkommenskultur fordernde Menschen, und eine Diakoniepastorin hielt vor Vertretern von Stadt und Kirche eine Rede.

* Tatsächlich wurde 2011 im Zuge der „NSU“-Ermittlungen die Forderung erhoben, auch den Brand vom 18. Januar 1996 erneut aufzunnehmen, doch gab es keine neuen Gesichtspunkte, die dies gerechtfertigt hätten.

Was der Text des Mahnmals sagen soll, wird klarer, wenn man seine Aussage durch Ergänzung verdeutlicht: „Sie waren [als traumatisierte Nicht-Weiße] nach [Weiß-]Deutschland gekommen, um hier Schutz zu finden[, aber die harten Herzen der Einheimischen sind daran schuld, daß man aus mangelnder Achtsamkeit den Brand nicht verhinderte, wodurch zehn Nicht-Weiße um ihre Hoffnung betrogen den Tod fanden].“

Wie ungleich die Menschen von solch anti-racistischem Standpunkt aus zu betrachten sind, wird deutlich, wenn man das Maß der Aufmerksamkeit betrachtet, welches [nicht-weißem Terror] zum Opfer gefallenen zehn toten Deutschen zuteil wurde. In Istanbul sprengte sich am 12. Januar 2016 mit ihnen als Touristen ein Attentäter in die Luft. Nur wenige Tage war davon in den Medien die Rede, wobei nicht ganz klar wurde, ob man mehr Anteil an dem Schicksal der eigenen Landsleute nehmen oder sich noch größere Sorgen um die türkische Tourismusbranche machen sollte; der Tod einer elften deutschen Touristin fünf Tage nach dem Anschlag wurde kaum noch allgemein zur Kenntnis genommen. – Während also des Todes von zehn Nicht-Weißen bei einem ungeklärten Brandanschlag noch nach zwanzig Jahren öffentlich gedacht wird, schenkt man elf toten Deutschen, die durch ein Attentat starben, nicht einmal nach nach zwanzig Tagen noch irgendwelche öffentliche Aufmerksamkeit.

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Eine Notiz zu verschwiegener Ungleichheit

Häufig sind solche Plakate zu sehen: Irgendein Bedürftigkeit signalisierender Schwarzer ist darauf abgebildet, und man soll bei irgendjemandem für ihn und seinesgleichen spenden. Dabei unterstelllt man, es ginge uns ja so gut, wir sollten teilen etc.

Warum werden immer nur wir Weißen dazu aufgefordert, anderen zu helfen? Warum hält man es nicht im Traum für möglich, daß irgendwann z.B. in Schwarzafrika an den Werkstoren zu lesen ist: „Legt noch eine Schippe d’rauf, damit jeder Europäer ein Dach über dem Kopf bekommt! Keiner dort soll mehr obdachlos sein.“

Nein, man setzt wie selbstverständlich voraus, daß die Weißen leistungsfähiger seien und den armen Schwarzen helfen müssen. Im Grunde genommen wird dabei ein weißer Racismus nur durch Mildtätigkeit kaschiert, und wenn er sich durch kritische Nachfrage herausgefordert sieht, gebärdet er sich als moralisch entrüsteter Anti-Racismus, um sich – das eigene biologistische Weltbild auf die Gegenseite projizierend – solcher Belästigung zu entledigen.

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Ein aktueller Vorgang

Man sieht an den beiden obigen Beispielen, wie der Anti-Racismus extrem ungleich wertet, sich selbst Barmherzigkeit attestiert und der Gegenseite Herzenshärte vorwirft, gern formuliert als Entsprechung zu Menschenwürde und Menschenrechten gegenüber (gruppenbezogener) Menschenfeindlichkeit, die eigentlich, wie oben deutlich geworden sein sollte, ja gerade vom Racismus wie dem Anti-Racismus praktiziert wird durch Abwertung der Weißen, mit Vorliebe des Mannes. – Das – mehr oder weniger empört vorgebrachte – Moralisieren bildet nicht die ideologische Grundlage, sondern sichert diese gegen Infragestellung ab, indem sie rationale Argumentation ersetzt.

Anschaulich wird dies an der gerade durch die Medien inszenierten Kampagne gegen die AfD-Vorsitzende Petry. Diese hatte unter Verweis auf die Gesetzeslage gefordert, illegalen Grenzübertritt notfalls auch mit Waffengewalt zu verhindern.* Daraufhin wird nicht ‘so sehr’** die Gesetzeslage thematisiert, sondern die [weiße] Herzenshärte verurteilt, die auf [nicht-weiße] Traumatisierte schießen will: „Sie waren [doch aber] nach Deutschland gekommen, um hier Schutz zu finden.“

* „Er (sc. der Grenzpolizist) muss den illegalen Grenzübertritt verhindern, notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. So steht es im Gesetz.“

** ‘…': Zusatz, nachdem nicht mehr bloß Betroffenheit geäußert, sondern die Gesetzeslage inzwischen nun doch – ein erster Erfolg – diskutiert wird. – Daran müßte sich die Frage anschließen, wie diejenigen, die den Schußwaffengebrauch zur Grenzsicherung ablehnen, diese dann durchführen wollen.

 

3 Kommentare zu „Gedankensplitter (1. Febr. 2016)“

  • Westfale:

    Es erscheint mir wichtig darauf hinzuweisen, daß Frau Petry eigentlich keine politische Forderung gestellt hat. Das ganze Interview war von den Journalisten durch aggressive Fragen geprägt. Es sollte ihr unbedingt etwas problematisches entlockt werden. Es wurde eine Extremsituation umrissen und von ihr eine Aussage erwartet, was dann zu tun sein. Sie hätte sich auch zurückhalten können und einfach sagen können: Fragen sie die Verantwortlichen Sicherheitskräfte. Dafür gibt es klare Bestimmungen.

  • Jürg Rückert:

    In Zeiten, in denen unser Fernseher noch schwarz-weiß und dafür die Nachrichten ehrlich bunt waren, sah ich einen Film: Ein Bomberpilot startete sein Flugzeug, warf seine Bomben ab über Feindesland und kehrte zurück. Danach sah ich den gleichen Film erneut. Der Unterschied lag im Text des Sprechers. Einmal war es UNSER tapferer Mann, der unter Lebensgefahr sein Land verteidigte, das andere Mal ein grausamer Feind, der Frauen und Kinder tötete.
    Immer gab es im Volk ein gemeinsames Wir und das Andere, das weniger Rechte hatte, wenn es nicht gar feindlich war. Heute kennt unser autorassistisches Ich nur einen Feind, das Wir. Unser Bomberpilot hat die ehrenvolle Aufgabe, das Eigene zu pulverisieren.
    Hilfreich ist die Spiegelprobe, wie Sie es zeigten: hier vergessenswerte deutsche Opfer, da hochwertige Flüchtlingsopfer.
    Ein Volk auf dieser Stufe endet in seiner Existenz. Die mit Hass vermischte Kritik an Frau Steinbach aufgrund deren Twitter-Bildchens „D 2030“ kam von allen „Guten“ bis hin zu einem Kardinal. Der Mietling ist unser Oberes. Ninive geht unter.

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