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Rückblick auf den hiesigen Maoismus sowie weitere politische Strömungen zwischen Alter und Neuer Linker (18)

Die heranreifende Neue Linke, die bis dahin eher am Rande der Gesellschaft ihre Utopien verfolgt hatte, begann sich über den Umweltschultz und die Parteigründung als Grüne zu etablieren. – Gleichzeitig wurde der Neuen Linken eine ganz neue Perspektive eröffnet, und zwar von Seiten der kapitalistischen Globalisierer.

Ernst Albrecht, Niedersachsens Ministerpräsident von der CDU,* war vor Amtsantritt sowohl für die supranationale Montanunion** und für die EWG*** als Volkswirt tätig gewesen (1954 – 1970 ) als auch in der Großindustrie (1971 – 1976****). Da der Vietnamkrieg 1975 mit einem Sieg des kommunistischen Nordens zu Ende gegangen war, flohen zahlreich Südvietnamensen angesichts der neuen Machtverhältnisse und einsetzender Repressalien aus dem Land; was hätte näher gelegen, als daß die USA, Südvietnams Verbündeter, sie aufnahm! Tatsächlich geschah dies auch, doch die USA legten ebenso anderen Ländern des „Westens“ eine Beteiligung daran nahe, so der BRD. Dem suchte Ernst Albrecht als Ministerpräsident Niedersachsens nachzukommen und siedelte 1979 erste boat people in Niedersachsen an; damit hatte er etwas Neuartiges unternommen: Die massenhafte Aufnahme von verfolgten Menschen aus humanitären Gründen. – Die sich etablierende Neue Linke begriff vorerst gar ncht, welche Perspektive ihr sich damit eröffnete, denn der Vietnamkrieg war im Gedächtnis noch allzu präsent, und die Linke hatte doch mit dem Norden sympatisiert; jetzt kamen gewissermaßen Konterrevolutionäre ins Land. Auch für die sich allmählich entwickelnde Sozialindustrie waren die Südvietnamesen wenig interessant, denn sie verhielten sich unauffällig und strebten danach, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten.

* 1976 – 1990; geb. 1930, gest. 2014

** 1952 – 1967

*** Europäische Wirtschaftsgemeinschaft; gegr. 1957

**** sc. Geschäftsführer der Keksfabrik Bahlsen – Nach 1990 kehrte Albrecht in die Wirtschaft zurück, wurde Aufsichtsratsvorsitzender der Eisenhüttenwerke Thale AG in Sachsen-Anhalt, einer Firma, die er 1993 zum symbolischen Preis von einer D-Mark erwerben und fünf Jahre darauf – zu einem gewiß nicht ganz so geringen Preis – als Thaletec GmbH verkaufen konnte.

Mit diesem bescheidenen Beginn wurde nach den ökonomischen Gründen, die zur Anwerbung von Gastarbeitern geführt hatten, nun eine neue Begründung für die Aufnahme von Menschen aus den entlegensten Weltgegenden geschaffen, die humanitären; dagegen war nichts mehr einzuwenden, denn wer sich gegen die Humanität wenden wollte, drohte sogleich in die Barbarei der NS-Zeit zurückzufallen. – Etwa zeitgleich mit der humanitären Globalisierungsoffensive während der zweiten Hälfte der siebziger Jahre wurde die bis dahin auf den Begriff von „Auschwitz“ gebrachte nationalsozialistische Judenverfolgung durch eine us-amerikanische TV-Serie um den Ausdruck „Holocaust“ ergänzt (1978). Es entstand das Bild des – ohnehin racistischen – Weißen in seiner Urform als Nazi, der alle Nicht-Weißen aus purem wie grundlosem Haß verfolgt. Dies vermochte die Neue Linke aufzunehmen, indem sie sich als dessen Gegner wiederum zur anti-faschistischen Fraktion erklärte und damit – zumindest nominell – an die Ideologie der Alten Linken anknüpfte.

In einer Information der „Bundeszentrale für politische Bildung“ aus dem Jahre 2013 heißt es: „Damit den 40.000 Vietnamesen lange Asylverfahren erspart blieben, wurde die Kategorie der ‚humanitären Flüchtlinge‘ geschaffen.“ Es wurde auch ein Schiff ausgesandt, um boat people aus Seenot zu retten, die „Cap Anamur“. – In den achtziger Jahren kamen dann allerdings Flüchtende aus einer ganz anderen Region in die BRD, Libanesen, die ihrem Land angesichts des dortigen Bürgerkrieges (1975 – 1990) den Rücken kehrten. In der BRD entstanden im Dunstkreis von Großfamilien Zellen organisierter Kriminalität. Unter den Libanesen befanden sich Unintegrierbare, die das Potential zur Zerstörung sämtlicher sozialen und gesellschaftlichen Strukturen aufwiesen, das Anarchisten im einheimischen Proletariat vergeblich gesucht hatten. Allmählich gingen den Vertretern der Neuen LInken, grünen wie sozialdemokratisch-roten, die Augen auf: Da waren sie ja: Bakunins Räuber für die undogmatisch-anarchistische Linke, Lenins revolutionäres Subjekt in Gestalt der Sendboten „unterdrückter Völker“ für die Maoisten und für die Sozialdemokratie und die Sozialindustrie ein Rohstoff, „wertvoller als Gold“!* Mit der massenhaften Aufnahme und Ansiedlung Kulturfremder war der gemeinsame Nenner der Neuen Linken gefunden!

* nach Martin Schulz (geb. 1955), SPD-Vorsitzender seit 2017, in einer Rede, noch als Präsident des EU-Parlamentes (2012 – 2017), in der Neuen Aula der (Neuen) Universität Heidelbergs am 16. Juni 2016; das Originalzitat lautet: „Was die Flüchtlinge uns bringen[, nämlich sich selbst,] ist wertvoller als Gold. [Dadurch bringen sie die Europäer dazu, zu universellen Werten zu finden:] Global denken, lokal handeln.“

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