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Archiv für die Kategorie „Gesellschaft“

Rückblick auf den hiesigen Maoismus in seinem Zusammenhang (15)

Mit dem Godesberger Programm (1959) erreichte die SPD die Spätphase der Sozialdemokratie. – Während des Konkurrenzkapitalismus des 19. Jahrhunderts war die Sozialdemokratie noch nicht von den Revolutionären getrennt gewesen, die sich hernach – unter der Führung Sowjetrußlands – als III. Internationale konstituierten (1919). In der Zeit des nationalen Monopolkapitalismus während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts blieb die Sozialdemokratie zwar im weiteren Sinne marxistisch, distanzierte sich aber vom Leninismus. Angesichts der von den USA unter Roosevelt* seit 1937 mächtig ins Werk gesetzten Globalisierung des Kapitalismus (s. dort) wandte sich die Sozialdemokratie diesem zu und sagte sich vom Marxismus los; in der SPD repräsentierte vor allem der ehemalige Kommunist Herbert Wehner** die Abkehr vom Marxismus als Vollendung der Absage an den Leninismus; berühmt wurde sein Ruf zur Umkehr „Glaubt einem Gebrannten!“, mit dem Wehner sich 1959 auf dem Parteitag für die Annahme des Godesberger Programms einsetzte. Diesen Beitrag weiterlesen »

Rückblick auf den hiesigen Maoismus in seinem Zusammenhang (14)

In Richtung Bad Godesberg wies 1954 bereits die sozialdemokratische Forderung nach „Steigerung des Lebensstandards“, der „dem ganzen Volk zugute kommen“ soll, so daß das „Sozialprodukt…gerechter verteilt wird.“* Dies klang sehr fürsorglich, und es ahnten wohl die wenigsten, daß sich mittels solcher Umverteilung in bezug auf den Konsum eine Gleichstellung der nicht werktätigen Teile des Volkes mit den Lohnempfängern betrieben ließ. Man setzte stillschweigend voraus, daß doch alle arbeiten wollten und nur manche daran durch widrige Umstände gehindert seien; die aber dürften doch deshalb nicht gegenüber den anderen benachteiligt werden. In den fünfziger Jahren mochte es tatsächlich noch so scheinen, als würden alle Menschen von sich aus das Bedürfnis zu arbeiten verspüren, doch dies war der besonderen Situation geschuldet, daß man den Hungerjahren, der damals sog. „schlechten Zeit“, entkommen war und einigen Wohlstand zu erlangen hoffte; außerdem war die Unterstützung für Erwerbslose karg. Diesen Beitrag weiterlesen »

Rückblick auf den hiesigen Maoismus in seinem Zusammenhang (13)

Das bis 1959 gültige Heidelberger Programm der SPD hatte Klassenkampf noch an einer Stelle erwähnt: „Immer größer wird die Zahl der Proletarier, immer schroffer der Gegensatz zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten, immer erbitterter der Klassenkampf zwischen den kapitalistischen Beherrschern der Wirtschaft und den Beherrschten. Indem die Arbeiterklasse für ihre eigene Befreiung kämpft, vertritt sie das Gesamtinteresse der Gesellschaft gegenüber dem kapitalistischen Monopol“. Im West-Berliner Aktionsprogramm von 1954 wurde der Klassenkampf nicht mehr genannt. An die Stelle der Arbeiterklasse tritt in Schumachers Vorwort „das ganze deutsche Volk“, und zwar nicht nur dessen westzonale Hälfte, da das Proletariat als Teil des gesamten wiederzuvereinigenden Volkes betrachtet wird; die Interessen des Proletariats könne man nicht vertreten, ohne das gesamte übrige Volk zu berücksichtigen. Dabei wird die Frontstellung gegen den „Großbesitz“ nicht aufgegeben, und ergänzend zum freien Wettbewerb [unterhalb der Ebene der Konzerne*] wird [für letztere] „eine volkswirtschaftliche Planung“ befürwortet.** Diesen Beitrag weiterlesen »

Rückblick auf den hiesigen Maoismus in seinem Zusammenhang (12)

Zwar wurde Schumachers Vorwort zum Dortmunder Aktionsprogramm mit seiner Erwähnung der sozialen Gerechtigkeit vom West-Berliner Aktionsprogramm 1954 noch übernommen, doch abgesehen davon beschritt man einen Weg, der von der Arbeiterpartei weg und zum Godesberger Programm (1959) der Volkspartei SPD hin führte; damit wird klar, daß die 1959 dann deutlich sichtbar gewordene Wende nicht etwa eine kurzfristige Reaktion auf die Niederlage in der Bundestagswahl von 1957 darstellte, bei der die CDU die absolute Mehrheit errang.

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Rückblick auf den hiesigen Maoismus in seinem Zusammenhang (11)

Die in mehrere Richtungen zerteilte Neue Linke dümpelte während der siebziger Jahre wenig erfolgreich umher, weil ihr eine ökonomische und auch eine gesellschaftliche Basis fehlte. Der Terror erschütterte den Staat nicht nachhaltig, den alternativen Projekten fehlte eine die Allgemeinheit überzeugende Vision einer besseren Welt, und der Maoismus warb vergeblich um Gehör bei den Werktätigen.

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Rückblick auf den hiesigen Maoismus in seinem Zusammenhang (10)

Die älteren maoistischen Gruppen in der BRD (KPD/ML, KPD/AO) schlugen noch nationale Töne an; letztere sind als retardierendes Element zu betrachten, als Ballast der Alten Linken, den jüngere maoistische Vereinigungen (KB, KBW) nicht mit sich schleppten. – Man erkennt ein verändertes Selbstverständnis auch an der Wahl des Namens. Während die älteren maoistischen Gruppierungen eine Partei zu bilden beanspruchten, nämlich die Kommunistische, bezeichneten sich die jüngeren nur noch als Bund*: Der Kummunistische Bund (KB) wurde 1971 in Hamburg gegründet, der Kommunistische Bund Westdeutschland (KBW) 1973 in Bremen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Rückblick auf den hiesigen Maoismus in seinem Zusammenhang (9)

Während sich der undogmatisch-anarchistische Flügel der Achtundsechziger z.Z. der siebziger Jahre in verschiedener Weise um die Zerstörung des Staates bemühte, um kommunistische Verhältnisse entstehen zu lassen, hielt die maoistische Linke theoretisch noch an der Lehre vom Proletariat als dem revolutionären Subjekt fest. – Die KPD/ML fiel vor allem durch ihr Zentralorgan „Roter Morgen“ in der Öffentlichkeit auf; deren Verkäufer unterschieden sich hinsichtlich des Alters und der Kleidung zwar zumeist von den Anbietern des „Wachturm“ der Zeugen Jehovas, doch nur mäßig in der von ihnen erzielten Resonanz. Diesen Beitrag weiterlesen »

Rückblick auf den hiesigen Maoismus in seinem Zusammenhang (6)

Die Hinwendung von Vertretern der undogmatischen Linken in der DDR zu den „Grünen“ und dem Vorläufer der Partei „Die Linke“ weist darauf hin, daß die Ideologie der Neuen Linken kein Phänomen allein des Westens oder gar in der alten BRD ist, sondern eigenständig demselben Grund entsprossen ist wie West und Ost, Liberalismus und Sozialismus, und deshalb hüben wie drüben anzutreffen gewesen ist. – So stammte auch Rudi Dutschke, den man als prominentesten Repräsentanten der undogmatischen Linken in der alten BRD bezeichnen darf, aus der DDR; das aus verschiedenen Strömungen bestehende Sammelbecken der undogmatischen Linken wollte einen Sozialismus jenseits von West und Ost konstituieren, ohne dabei einer bestimmten Lehre zu folgen, was also den Maoismus allenfals als einen Aspekt unter vielen zuließ. Diesen Beitrag weiterlesen »

Rückblick auf den hiesigen Maoismus in seinem Zusammenhang (5)

Mit der Gründung der KPD/ML war der Maoismus in der alten BRD erstmals politisch-programmatisch konkret geworden; nach der Vorbereitung der Parteigründung im Herbst 1968 wurde sie am Ende desselben Jahres schließlich vollzogen und eine programmatische Gründungserklärung verabschiedet. Bis dahin und sporadisch auch noch hernach waren Parolen der maoistischen Propaganda von verschiedensten Personen verwendet worden; als Beispiel war oben auf Johannes XXIII. hingewiesen worden. Mit der KPD/ML-Gründung wurde der ideologische Zusammenhang deutlich vor Augen geführt, in den die Parolen eigentlich gehörten. Diesen Beitrag weiterlesen »

Rückblick auf den hiesigen Maoismus in seinem Zusammenhang (4)

[Vorbemerkung: Da sich die Betrachtung des Themas nicht in der von mir beabsichtigten Weise auf den Maoismus konzentrieren ließ, von dem erst im folgenden Teil wieder ausführlicher die Rede sein wird, da also der Kontext weit mehr Berücksichtigung erforderte und der Titel deshalb zu Mißverständnissen Anlaß gab, ist er von mir abgeändert worden. -] Nach dem Jahr 1968 stand die Alte Linke, vertreten durch deren kommunistischen Flügel, recht isoliert da und erschien als Interessenvertretung des Ostblocks im Westen; dem wurde von Seiten der Maoisten „Revisionismus“ vorgeworfen, d.h. Abweichung von der reinen Lehre des Marxismus-Leninismus, und daher bezeichneten sich die Maoisten selbst auch gern als Marxisten-Leninisten. Diesen Beitrag weiterlesen »