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Artikel-Schlagworte: „Kultur“

Ein gesegnetes Osterfest!

Auferstehung

Gesegnete Weihnachten!

Jan van Eyck, "Die Madonna des Kanzlers Rolin (1435)"

Jan van Eyck, “Die Madonna des Kanzlers Rolin (1435)”

 Nicht den irdischen Frieden bringt das Christkind, sondern einen höheren, den die Verfolger nicht fassen können und der das Diesseits überstrahlt: “Friede auf Erden, Wohlgefallen den Menschen!”

Notizen zur Utopie (3)

Der Fall Münsters im Jahre 1535 markierte einen tiefen Einschnitt in der Entwicklung des Wiedertäufertums. Der überwiegende Teil derjenigen, die den Chiliasmus nicht aufgeben wollten, verließ anscheinend das kontinentale Europa und ließ sich in England nieder. So war es möglich, daß sich der zurückbleibende Teil rasch umorientierte und sich in eine – den Münsteraner Wiedertäufern geradezu entgegengesetzte – Gemeinschaft von Pazifisten transformierte. Diesen Beitrag weiterlesen »

Notizen zur Utopie (2)

Als Renaissancehumanist schuf Thomas Morus an die klassische Antike anknüpfend eine erste neuzeitliche Utopie, indem er den platonischen Idealstaat zum lebensfernen Wunschbild überhöhte, das er notgedrungen in eine entlegene Weltgegend entrückte, während Platon sein als Modell der am vortrefflichsten geordneten Polis gedanklich irgendwo innerhalb des griechischen Siedlungsraumes angesiedelt hatte.  Dazu sei angemerkt, daß Utopia die latinisierte Wiedergabe des griechisch konstruierten Kunstwortes ou-topos, Nicht[-auf Erden zu findender]-Ort, ist; Thomas Morus hätte angesichts des masculinen „topos“ eigentlich von einem Utopius sprechen müssen, doch da er den Nicht-Ort auf einer Insel, insula, lokalisierte, nannte er diese Utopia. – Wie Platon in seinem letzten Werk, den „Gesetzen“ eine der Lebenswirklichkeit noch nähere Staatsverfassung entwarf, so spricht auch Thomas Morus von den den Utopiern benachbarten Makariern; bei letzteren ist das Privateigentum nicht abgeschafft, doch man begrenzt es, indem das Gesetz es dem König verbietet, daß sein Staatsschatz mehr als eintausend Pfund in Gold oder eine entsprechende Summe in Silber umfaßt, wobei stillschweigend vorausgesetzt sein dürfte, daß jedes Privatvermögen weit niedriger ist. Doch während die „Gesetze“ das umfangreichste Werk Platons bilden, werden die Makarier an nur einer einzigen Stelle der „Utopia“ erwähnt.* Diesen Beitrag weiterlesen »

Notizen zur Utopie (1)

Verschiedentlich thematisiert Manfred Kleine-Hartlage in seinen Veröffentlichungen die Gründung linker Ideologien auf Utopien,  auf Voraussetzungen, die sich rational kaum plausibel machen lassen, sondern die als Grundannahmen gläubig anzunehmen sind, um von ihnen her die Wirklichkeit zu deuten, obwohl sie der alltäglichen Erfahrung widersprechen. – Diese Auffassung linker Ideologie steht im Kontrast zu deren Selbstverständnis, denn ins Besondere der Marxismus-Leninismus, versteht sich als Wissenschaft; doch setzt die Wissenschaftlichkeit eben erst ein, nachdem man die Grundannahmen akzeptiert hat. Ein von Manfred Kleine-Hartlage öfter gebrauchtes Bild veranschaulicht dieses Problem folgendermaßen: Erst wenn ich grundsätzlich akzeptiert habe, daß der Regen – entgegen meiner alltäglichen Erfahrung – nicht von oben nach unten, sondern von unten nach oben fällt, dann kann ich in einem zweiten Schritt daran gehen, dies wissenschaftlich zu begründen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Gedankensplitter (18. Sept. 2015)

Schon seit längerem habe ich den Gedanken erwogen, ob nicht der deutsche Nationalsozialismus eine Synthese von (romanischem) Faschismus, (insbesondere französischem) Antisemtismus und (angelsächsischem) Racismus* darstellt. – Nun sehe ich meine Vermutung gerade in bezug auf den dritten und letzten Punkt weiter bestätigt durch einen Text, auf den ich bei der Lektüre eines Aufsatzes in der neuen KU gestoßen bin.** Diesen Beitrag weiterlesen »

Sozialindustrie 7 (letzter Teil)

Die Saecularisierung kirchlicher Einrichtungen für Bildung, Erziehung, Armenfürsorge und Krankenpflege begann bereits innerhalb der christlichen Gesellschaft und unter einer christlichen Obrigkeit. Im liberalen Staat des Industriezeitalters, also während des 19. und 20. Jahrhunderts, fand dies seine Fortsetzung; nur geriet die Saecularisierung dabei in einem Widerspruch zum Wesen der Einrichtungen, die von ihrer Geschichte her christlich geprägt waren, denn der liberale Staat zeichnete sich dadurch aus, daß er das Bekenntnis zu Gott verweigerte. Diesen Beitrag weiterlesen »

Sozialindustrie 6

Die staatliche Beaufsichtigung kirchlicher Einrichtungen für Bedürftige begann, wie am Beispiel des Pariser Hôtel de Dieu illustriert wurde, bereits im Mittelalter. Der Staat übernahm später kirchliche Einrichtungen und saecularisierte sie oder gründete eigene. Sorgten im Mittelalter Angehörige von Bruderschaften für Kranke, so traten in der Neuzeit allmählich Pflegekräfte an ihre Stelle, die keiner kirchlichen Gemeinschaft angehörten. – Der protestantische Pastor Theodor Fliedner* bildete in Kaiserswerth bei Düsseldorf seit 1836 unverheiratete Diakonissen aus nach dem Vorbild weiblicher Krankenpflegeorden. Die in Kaiserswerth und bei den Barmherzigen Schwestern in Paris unterrichtete Florence Nightingale** bemühte sich zuerst für Verwundete englische Soldaten während des Krimkrieges (1853 – 1856),*** und danach gründete sie eine Ausbildungsstätte für Krankenpflegerinnen in England (1860). – Während des 20. Jahrhunderts setzte sich allgemein die staatliche Vereinheitlichung der Ausbildung von Krankenschwestern durch. Diesen Beitrag weiterlesen »

Sozialindustrie 5

Im Anschluß an John Locke wird die Menschennatur neu definiert;* danach steht sie im Widerspruch zur traditionellen Gesellschaft, und es ergibt sich daraus die Pflicht, die Gesellschaft so umzuformen, daß sie der vermeintlichen Natur des Menschen entspricht. Dazu nahmen die USA das Recht eines „pursuit of hapiness“ in ihre Unabhängigkeitserklärung (1776) auf, und dazu errichteten die französischen Revolutionäre ihre Republik (nach 1789). Danach hob die Moderne an. – „So kann John Locke, einer der Aufklärer und Erfahrungsphilosophen aus England, im Grunde als ,Erfinder‘ der Menschenrechte bezeichnet werden; denn seine Formulierungen über die Rechte jedes einzelnen Menschen und die prinzipielle Gleichberechtigung als Ideal, als Leitfaden für das Verhalten, gingen nahezu wörtlich in die amerikanische Bill of Rights von Virginia, also in die erste Unabhängigkeitserklärung eines modernen, demokratischen Staates, ein, und sie haben dann später die amerikanische Verfassung und auch die französischen Verfassungen in und nach der Französischen Revolution beeinflußt. Diese waren freilich auch von anderen Philosophen, z.B. Rousseau und den Aufklärungsdenkern, vorbereitet worden. Doch selbst in der Erklärung der Menschenrechte der UN findet man noch fast wörtliche Übereinstimmungen mit der Ausarbeitung dieser Ideen bei John Locke.“** Diesen Beitrag weiterlesen »

Sozialindustrie 4

John Locke gehört von seiner Lebenszeit her fast gänzlich dem 17. Jahrhundert an, doch seine philosophischen Schriften sind der Aufklärung des 18. Jahrhunderts zuzuordnen.* Locke wurde 1632 als Sohn eines Rechtsgelehrten im südwestlichen England geboren; die Eltern waren Puritaner, englische Calvinisten, und der Vater focht im Englischen Bürgerkrieg (1642 – 1649) auf der Seite Cromwells**. Während dessen Herrschaft studierte John Locke – nach dem Besuch der Londoner Westminster School – im Christchurch College zu Oxford; an der dortigen Universität lehrten bereits auch Gegner der nominalistischen Scholastik, und es hielten sich am Orte auch Privatgelehrte wie der Chemiker Sir Robert Boyle*** auf, den Locke ebenso kennenlernte wie dessen Freund, den Arzt Thomas Sydenham****. Sie regten Locke zu naturwissenschaftlichen Experimenten an und weckten das Interesse an der Medizin in ihm. Diesen Beitrag weiterlesen »